Dadaab | Bildquelle: AFP

Flüchtlingslager Dadaab Wie ein Gefängnis

Stand: 28.12.2019 12:18 Uhr

Im einst weltgrößten Flüchtlingslager Dadaab in Kenia leben noch immer 200.000 Menschen. Viele sind dort geboren und aufgewachsen - wie Mohamed aus Somalia. Er hofft auf ein Leben jenseits des Camps.

Von Karin Bensch, ARD-Studio Nairobi

Mohamed Abdi Abdullahi steht am Grab seines Vaters. "Er hat uns hier im Flüchtlingslager aufgezogen", sagt er und klingt traurig. "Er hat für uns gesorgt, Feuerholz gesammelt und Wasser herbeigetragen. Immer, wenn ich ihn hier an seinem Grab besuche, denke ich daran", erzählt er.

Mohamed ist 28 Jahre alt. Er wurde im von den Vereinten Nationen organisierten Flüchtlingslager Dadaab geboren und ist hier aufgewachsen. Er kennt nichts anderes.

Leben im kenianischen Flüchtlingslager Dadaab
Tagesschau 20:00 Uhr, 28.12.2019, Caroline Hoffmann, ARD Nairobi

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Tausende Zelte und Häuser

Das Camp besteht aus Tausenden Zelten und Häusern, umgeben von einer kargen Gegend. Aus der Luft sieht man die riesigen Siedlungen als rechteckige Formen. Dadaab ist eine Kleinstadt. Hier gibt es einfache Läden, Marktplätze, Schulen und Moscheen.

Entstanden ist das Flüchtlingslager Anfang der Neunzigerjahre im Osten Kenias, nahe der Grenze zu Somalia. Von dort stammen die meisten Menschen. Sie sind ehemalige Bürgerkriegsflüchtlinge. Bis heute ist Somalia ein instabiles Land. Die islamistische Terrorgruppe Al-Shabaab verübt regelmäßig Anschläge. Es gibt Gewalt auf den Straßen, Armut und Perspektivlosigkeit.

Auch Mohameds Eltern kamen aus Somalia ins Flüchtlingslager Dadaab. Mittlerweile ist er selbst Vater. Mohamed hat drei kleine Kinder, die genau wie er im Camp zur Welt kamen. Auch seine 22-jährige Frau Sarah hat er hier kennengelernt.

"Wir können hier nicht raus"

"Wir können hier nicht raus", klagt Mohamed. "Du hast nicht die Freiheit, irgendwohin zu gehen oder die Arbeit zu machen, die du machen möchtest." Die Flüchtlinge in Dadaab dürfen das Camp nicht verlassen. Um herauszugehen, bräuchten sie eine Genehmigung der kenianischen Behörden, aber die ist schwer zu bekommen. "Ich fühle mich wie ein Häftling, der nicht die Kraft hat zu fliehen", sagt Mohamed.

Manche Flüchtlinge nehmen aus Frust Drogen oder haben sich sogar das Leben genommen. Mohamed fühlt sich oft gestresst, sagt er, doch seine Kinder geben ihm Zuversicht. Mohamed wünscht sich, dass seine drei Kinder anders aufwachen als er selbst. Sie sollen eine bessere Schulbildung, einen höheren Lebensstandard und mehr Freiheit haben.

Hoffnung auf ein besseres Leben

Mohamed hat den Traum noch nicht aufgegeben, dass sie das Flüchtlingslager eines Tages verlassen können. "Ich wünsche mir so sehr, dass wir ein besseres Leben führen können", sagt er.

Doch wohin könnten sie gehen? Zurück nach Somalia? Nein, sagt Mohamed. Die Situation dort sei noch immer zu unsicher. Außerdem kenne er das Land gar nicht und fühle sich nicht als Somalier. Er würde gern in Kenia leben - außerhalb des Flüchtlingslagers. Doch die kenianische Regierung lässt Flüchtlinge aus Dadaab nicht heraus. Sie würde das Camp am liebsten schließen und die Menschen zurück in ihre Herkunftsländer schicken.

Bewohner des Flüchtlingslagers am Grab des Vaters
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Mohamed am Grab des Vaters: "Irgendwann werde ich hier vermutlich auch begraben."



Mohamed steht am Grab seines Vaters. Ihm gehen schwere Gedanken durch den Kopf. "Irgendwann werde ich hier möglicherweise auch begraben, hier im Flüchtlingslager", sagt er. Und davor habe er Angst.

Stichwort: Al-Shabaab-Miliz

Die Al-Shabaab-Miliz ist eine islamistische Gruppe in Somalia. Sie ging aus dem radikalen Flügel der "Union islamischer Gerichte" hervor. Im somalischen Bürgerkrieg kämpfte sie gegen die im Land bis 2009 stationierten Truppen und bekämpfte anschließend die Übergangsregierung in Somalia. Nach deren Auflösung richteten sich ihre Angriffe gegen den somalischen Staat.

Ziel von Al-Shabaab ist die Errichtung eines islamischen Staates am Horn von Afrika. Die Miliz ist eng mit der Terrorgruppe al Kaida verbunden. Immer wieder griff Al-Shabaab auch das Nachbarland Kenia an, um die Region zu destabilisieren.

Leben im Flüchtlingslager Dadaab - "Wie ein Gefängnis"
Karin Bensch, ARD Nairobi
28.12.2019 11:53 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. Dezember 2019 um 20:00 Uhr.

Korrespondentin

Karin Bensch, WDR Logo WDR

Karin Bensch, WDR

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