Demonstranten in Kenia | REUTERS

Wahlwiederholung in Kenia Tote und Verletzte bei Ausschreitungen

Stand: 26.10.2017 19:19 Uhr

Bei gewaltsamen Zusammenstößen am Rande der umstrittenen Neuwahl in Kenia sind mindestens drei Menschen ums Leben gekommen und 20 verletzt worden. Wegen der Ausschreitungen wurde die Wahl in vier Bezirken auf Samstag verschoben. Oppositionsführer Odinga hatte zum Boykott aufgerufen.

Am Tag der Wahlwiederholung in Kenia hat die Polizei gewalttätige Proteste mit Schüssen und Tränengas bekämpft. Drei Menschen seien dabei getötet worden, hieß es aus Polizeikreisen. Anhänger der Opposition demonstrierten gegen die Wahl, zu deren Boykott Oppositionsführer Raila Odinga aufgerufen hatte. Odinga hatte nach dem ersten Wahlgang in August schwerwiegende Fehler der Wahlkommission angeprangert.

Ein Demonstrant, der zusammengeschlagen worden sei, habe man bereits tot in ein Krankenhaus in der Oppositionshochburg Kisumu eingeliefert, sagte eine medizinische Leiterin des Krankenhauses. Zwei weitere Tote gab es in den Bezirken Homa Bay und Athi River, verlautete aus Polizeikreisen.

Die Wahllokale machten am späten Nachmittag zu.

Zahlreiche Schussverletzungen

Kisumu war ein Zentrum der Proteste. In der Innenstadt sei keine einzige Wahlurne an die dortigen 190 Wahllokale ausgeliefert worden, sagte der Wahlbeauftragte John Ngutai Muyekho. Er saß mit den Wahlurnen in einer Schule und wurde von Sicherheitskräften bewacht.

Demonstranten legten in Kisumu Feuer und versperrten Straßen. Während Zusammenstößen mit der Polizei seien 25 Personen verletzt worden, viele davon durch Schüsse, sagte Aloyce Kidiwa, eine Medizinerin des Bezirks.

In Gegenden mit vielen Unterstützern des Präsidenten Uhuru Kenyatta fanden die Wahlen statt, aber es gingen augenscheinlich weniger Wähler zu den Urnen als im August. Kenyatta betonte, dass es in 90 Prozent des Landes ruhig geblieben sei.

Ein Mann in Kibera hält einen Stock vor brennenden Barrikaden | AFP

Schon am Tag vor der Wahl hatten Oppositionsanhänger protestiert. Sie halten die Wahl für nicht fair. Bild: AFP

Laut Odinga werde die Opposition eine "Volksversammlung" bilden, die das Land im friedlichen Widerstand zu freien und fairen Wahlen führen werde. Der Widerstand beinhalte auch, dass Güter und Dienstleistungen derjenigen boykottiert würden, die Präsident Kenyatta bei seinem "gesetzwidrigen Griff nach der Präsidentschaft" unterstützt hätten, erklärte Odinga. Kenyatta könne eine Wahl nur mit unfairen Methoden gewinnen.

Auch Botschafter mehrerer Länder sowie UN-Experten äußerten Bedenken über die Wahl.

Kenias Supreme Court hatte die Abstimmung nicht gestoppt und grünes Licht gegeben. Fast 20 Millionen Wähler sind registriert, auf dem Wahlzettel stehen neben Amtsinhaber Kenyatta sieben weitere Kandidaten.

Raila Odinga (r) und Uhuru Kenyatta | REUTERS

Die Konkurrenten Odinga (r) und Kenyatta vertreten auch unterschiedliche Volksgruppen. Bild: REUTERS

Konflikt zwischen Ethnien

Die Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern Kenyattas und Odingas sind Ausdruck eines jahrzehntelangen Konflikts zwischen den Ethnien. Nach der Wahl 2007 hatte es bereits viele Tote in beiden Lagern gegeben. Präsident Kenyatta gehört zu den Kikuyu, die in Kenia seit Jahrzehnten Macht und Einfluss haben. Widersacher Raila Odinga gilt als ewiger Hoffnungsträger der Luo.

Deswegen wollen diese für ihn kämpfen, wie beispielsweise Nelson Otiengo in Mathare, der die Wahl mit allen Mittel verhindern wollte. "Wir werden uns gegen die Polizei stellen und für unsere Rechte kämpfen. Wenn der Präsident uns töten will, soll er das tun." Kenia brauche auf jeden Fall einen politischen Wechsel, sagt Otiengo. "Und wie bei jedem Umsturz sterben Leute, und andere überleben."

Mit Informationen von Alexander Göbel, ARD-Studio Nairobi

Über dieses Thema berichtete am 26. Oktober 2017 Deutschlandfunkum 05:17 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.