Flagge der Türkei | Bildquelle: dpa

Trotz Fahndung durch Türkei Deutscher aus Ukraine zurückgekehrt

Stand: 22.02.2018 13:52 Uhr

Nach Interpol-Fahndung und Terror-Beschuldigung durch die Türkei saß Kemal K. fast sieben Monate in Kiew fest. Jetzt ist der Kölner überraschend wieder in Deutschland gelandet.

Von Andreas Spinrath, WDR.

Der Deutsche Kemal K. hat mehr als ein halbes Jahr nach seiner Festnahme die Ukraine verlassen dürfen und ist nach Informationen von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung in Düsseldorf gelandet.

Fast eine Million Euro Kopfgeld

Im Juli 2017 war der Kölner aufgrund eines Interpol-Fahndungsaufrufs auf Initiative der Türkei bei seiner Einreise in Kiew festgenommen worden. Zwar kam er wieder frei, durfte die Ukraine aufgrund der türkischen Beschuldigungen aber nicht verlassen.

Bis heute führt die Türkei Kemal K. in ihrer Fahndungsliste für Terroristen - erst vor Kurzem hatten die türkischen Behörden sogar das Kopfgeld auf fast eine Million Euro erhöht und ihn in die höchste Kategorie eingestuft. Dort finden sich neben Kemal K. beispielsweise PKK-Gründungsmitglieder oder der Prediger Fethullah Gülen.

Merkel wirft Türkei Missbrauch von Interpol vor

Deutsche Gerichte sehen die türkischen Vorwürfe als unbegründet an. Mehrfach wurde eine Auslieferung in die Türkei abgelehnt. 2010 wurde K., der vor seiner Flucht aus der Türkei dort in der kommunistischen Partei aktiv war, politisches Asyl in Deutschland gewährt. Später erhielt der 53-Jährige die deutsche Staatsbürgerschaft.

Die Festnahme von Kemal K. hatte wegen der Parallelen zum Fall des deutschen Schriftstellers Dogan Akhanli für Schlagzeilen gesorgt. Der mittlerweile nach Deutschland zurückgekehrte Akhanli war ebenfalls wegen einer sogenannten Red Notice von Interpol in Spanien festgesetzt worden. Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte der Türkei damals den Missbrauch von Interpol vorgeworfen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 22. Februar 2018 um 19:45 und 20:00 Uhr in den Nachrichten.

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