Neue Vorwürfe gegen Katar

Kampagne gegen WM-Rivalen?

Stand: 29.07.2018 12:10 Uhr

Die Vergabe der kommenden Fußball-WM an Katar ist schon lange umstritten. Bestechungsvorwürfe konnten nicht bewiesen werden. Nun gibt es Hinweise, wonach Katar gegen weitere FIFA-Vorschriften verstoßen hat.

Gegen den Gastgeber der nächsten Fußball-WM, Katar, werden erneut schwere Vorwürfe im Zusammenhang mit der umstrittenen WM-Vergabe erhoben. Wie die britische Zeitung "Sunday Times" berichtet, hat Katar gezielt falsche Informationen über die Gegenkandidaten verbreitet. Damit hätte Katar gegen die Fifa-Vorschrift verstoßen, wonach Bewerber die Bewerbungen anderer Länder in keinerlei Weise kommentieren dürfen.

Dem Bericht zufolge hatte das Bewerbungskomitee des Golfstaates ehemalige Agenten des US-Geheimdienstes CIA und eine PR-Firma damit beauftragt, Fake-Propaganda über Katars Hauptrivalen Australien und die USA zu verbreiten. Die "Sunday Times" beruft sich auf E-Mails, die sie von einem Whistleblower erhalten habe.

Katar soll in der Bewerbungsphase gezielt die Gegenkandidaten Australien und die USA diffamiert haben.

Im Zuge der Kampagne seien unter anderem Prominente angeheuert worden, um den Eindruck zu vermitteln, dass die jeweiligen Bewerbungen keinen Rückhalt im eigenen Land hätten. Der Weltfußballverband FIFA legt bei der Ausschreibung der Weltmeisterschaften Wert darauf, dass es in der jeweiligen Bevölkerung eine breite Unterstützung für die Bewerbung um die Ausrichtung des Turniers gibt.

Ein Schreiben an den Vizechef des Bewerbungskomitees, Ali al-Thawadi, zeige, dass die katarische Führung über diese geheime Strategie Bescheid gewusst habe.

Um die USA als Rivale auszuschalten, sei in Katars Auftrag sogar eine Resolution für den US-Kongress geplant worden. Darin seien die "schädlichen" Auswirkungen der WM-Bewerbung dargelegt worden. Außerdem habe ein US-Professor 9000 US-Dollar (umgerechnet etwa 7700 Euro) erhalten, um einen Bericht über die wirtschaftliche Belastung der Vereinigten Staaten durch eine Ausrichtung der WM zu erstellen.

Das katarische Organisationskomitee wies "jegliche Vorwürfe" zurück. "Wir haben uns streng an alle Regeln der FIFA im Bieterprozess um die WM 2018/2022 gehalten", teilte das zuständige Supreme Committee mit.

Katar steht seit langem in der Kritik, unter anderem weil beim Bau der WM-Stadien Gastarbeiter ausgebeutet wurden.

Katar steht seit dem überraschenden WM-Zuschlag im Dezember 2010 in der Kritik. FIFA-Ermittlungen ergaben, dass bei der WM-Vergabe hohe Summen an Schmiergeldern geflossen sind. Die Untersuchung unter der Leitung des früheren Chefs der FIFA-Ethikkommission, Michael Garcia, hatte viele weitere verdächtige Details hervorgebracht, Bestechung der Wahlmänner aber nicht belegen können. Außerdem wurde Katar kritisiert, weil für den Bau der Fußballstadien massenhaft Gastarbeiter ausgebeutet wurden.

Die FIFA verwies auf Anfrage zu den Vorwürfen auf den Garcia-Bericht. Beschwerden, "die mögliche Verstöße gegen den FIFA-Ethikcode betreffen", könnten über ein vertrauliches System angezeigt werden, teilte der Weltverband weiter mit.