Interview

Skyline von Doha | Bildquelle: dpa

Ausstieg aus der OPEC "Katar wird enorme Einnahmen erzielen"

Stand: 03.12.2018 15:58 Uhr

Im kommenden Monat verlässt Katar die OPEC und wird dadurch unabhängiger. Nach Einschätzung des Analysten Mohamed Abbas wird das viel Geld in die Kassen spülen. Den Konflikt mit Saudi-Arabien werde dies eher befeuern.

tagesschau.de: Wird der Rückzug Katars aus der OPEC den Ölpreis beeinflussen?

Mohamed Abbas: Der Ölpreis wird dadurch nicht maßgeblich beeinflusst. Der Anteil Katars am Weltmarkt ist nicht groß. Sie fördern 600.000 Fass Öl täglich. Verglichen mit anderen Erdöl exportierenden Ländern ist das sehr wenig. Saudi-Arabien produziert mehr als zehn Millionen Fass Öl.

tagesschau.de: Welche Folgen wird dieser Schritt für Länder wie Saudi-Arabien oder die Vereinigten Arabischen Emirate haben, die Katar wegen angeblicher Unterstützung von Terrorismus boykottieren?

Abbas: Ich glaube, der Konflikt wird sich weiter zuspitzen. Die Botschaft lautet: Katar ist zu keinen Kompromissen bereit und wird nicht auf die Forderungen der vier Länder eingehen. Aus deren Sicht liegt die Vermutung nahe, dass es seine Rolle als Gas exportierendes Land stärken und damit andere Länder herausfordern will.  

Ägypten etwa möchte nicht nur Gas exportieren, sondern künftig auch zu einem globalen Zentrum des Gashandels werden. Das heißt, sie werden mit Katar in absehbarer Zeit hart konkurrieren müssen.

alt Mohamed Abbas  | Bildquelle: Daniel Hechler

Zur Person

Mohamed Abbas ist Analyst am Ahram-Zentrum für politische und strategische Studien in Kairo mit dem Schwerpunkt Naher Osten und Iran.

Das Ahram-Zentrum wurde 1968 als unabhängige Forschungseinrichtung gegründet und gilt heute als eines der führenden Wissenschaftszentren der Region.

Die Entscheidung stärkt Katar

tagesschau.de: Was bedeutet dieser Schritt für Katar?

Abbas: Katar wird enorme zusätzliche Einnahmen erzielen. Sie wollen ihre Gasexporte von 77 Millionen Tonnen jährlich auf mehr als 110 Millionen Tonnen erhöhen. Studien zufolge wird die Welt in den nächsten zehn Jahren mehr als 400 Millionen Tonnen Gas verbrauchen. Katar wird mehr als ein Viertel dieses globalen Bedarfs produzieren. Damit wird seine Bedeutung auf dem internationalen Gasmarkt noch wichtiger.

Das wird auch die Wirtschaft stärken. Je mehr Gas produziert wird, desto höher die Einnahmen. Für Katar wären das mehr als 40 Milliarden Dollar.

Der Hauptsitz von Qatar Petroleum, dem staatlichen katarischen Unternehmen, das Erdöl und Erdgas fördert. | Bildquelle: STR/EPA-EFE/REX/Shutterstock
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Der Hauptsitz von Qatar Petroleum, dem staatlichen katarischen Unternehmen, das Erdöl und Erdgas fördert.

Sanktionen laufen ins Leere 

tagesschau.de: Wie hat sich Katar seit Beginn des Konflikts im Juni 2017 wirtschaftlich entwickelt?

Abbas: Bislang haben die Sanktionen und Drohungen der vier Länder Katar nicht nennenswert beeinflusst. Es musste keine Kompromisse schließen oder auf Forderungen eingehen, wie den Fernsehsender Al Dschasira zu schließen, die Unterstützung der Muslimbrüder zu beenden oder seine Beziehungen zum Iran einzufrieren. Das zeigt, dass der Druck auf Katar tendenziell nachlässt.

Die vier Länder müssen sich derzeit mit anderen Konflikten auseinandersetzen, Saudi Arabien etwa mit dem Krieg im Jemen und dem Fall von Jamal Khashoggi. 

Das Interview führte Daniel Hechler, ARD-Studio Kairo

Wer ist die OPEC?

Die Mitgliedstaaten der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) liefern weltweit etwa ein Drittel des Rohöls und besitzen rund drei Viertel der bekannten Reserven. In den vergangenen Jahren hat das Kartell etwas an Einfluss verloren, weil die USA neue Förderquellen mit der Fracking-Technologie erschlossen haben. Dennoch bleibt die OPEC eine mächtige Produzentengruppe. Gegründet wurde das Kartell 1960 in Bagdad von Saudi-Arabien, dem Iran, dem Irak, Kuwait und Venezuela. Heute hat das Ölkartell 14 Mitgliedsländer.

Über dieses Thema berichteten am 03. Dezember 2018 die tagesschau um 12:00 Uhr, 15:00 Uhr, 16:00 Uhr sowie um 17:00 Uhr und Deutschlandfunk um 13:43 Uhr.

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