Das FIFA-Logo in Zürich

Korruptionsvorwürfe rund um WM-Vergabe Neue Fragen in der Causa Katar

Stand: 09.06.2014 13:01 Uhr

Die neuen Enthüllungen der "Sunday Times" um die WM in Katar offenbaren wieder einen Blick hinter die Kulissen der FIFA und des milliardenschweren Fußballgeschäfts. Im Zusammenhang mit den Korruptionsermittlungen fällt nun erstmals auch der Name Beckenbauer.

Von Hans-Jürgen Maurus, ARD-Hörfunkstudio Zürich

Der Druck auf den Weltfussballverband FIFA steigt. Zwar möchte man sich am liebsten auf die anstehende Fußball-WM in Brasilien konzentrieren, doch die negativen Schlagzeilen über Korruption bei der Vergabe der WM 2022 nach Katar holt die FIFA immer wieder ein. Heute wird FIFA-Chefermittler Michael Garcia seinen eigenen Untersuchungsbericht abschließen, doch das Dokument wird erst nach der WM in Brasilien veröffentlicht. Kein Zufall, sondern Taktik.

Doch Druck machen nun auch zwei der größten WM-Sponsoren. Der Elektronikriese Sony und der Sportartikelhersteller Adidas verlangen schnelle Aufklärung der Korruptionsvorwürfe. Offenbar fürchten die Konzerne einen Imageschaden. Vor allem dann, wenn sich die Vorwürfe bewahrheiten. Dann gerate die FIFA noch stärker unter Druck, meint der Basler Strafrechtsprofessor und Korruptionsexperte Mark Pieth. In der Folge müsste die Verbandsspitze Konsequenzen ziehen. "Falls sich herausstellen sollte, dass die Vergabe gekauft wurde, dann muss man sich ernsthaft überlegen, ob man die WM neu vergibt oder die Vergabe rückgängig macht. Das hätte große finanzielle Konsequenzen."

Eindeutige Beweise nötig

Ein überdimensionaler Fußball steht in Doha, der Hauptstadt von Katar.
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In Doha, der Hauptstadt von Katar, laufen die Vorbereitungen für die WM 2022.

Denn Katar hat bereits Milliardeninvestitionen aufgelegt und könnte mit rechtlichen Konsequenzen drohen, meint FIFA Experte Pieth. Schon deshalb müsse die Beweislast eindeutig sein. "Wenn man die WM neu vergibt, ohne Beweise zu haben, könnte Katar möglicherweise klagen." Die Finanzreserven der FIFA seien zwar groß, aber so groß?

Möglich ist aber auch, dass die FIFA im Vertragswerk mit Katar eine Klausel eingebaut hat, die juristische Schritte ausschließt.

Dem Bericht von Chefermittler Garcia kommt also eine wichtige, vielleicht sogar entscheidende Bedeutung zu. Der amerikanische Ex-Bundesstaatsanwalt wird nach Abschluss seiner Untersuchung die Unterlagen an den Münchner Richter Hansjoachim Eckert übergeben, der den Ethikausschuss leitet. Ohne deren Urteil läuft in der Causa Katar erstmal nichts.

Welche Rolle spielt Franz Beckenbauer?

Für zusätzlichen Druck auf die FIFA sorgte auch ein Interview von FIFA-Exekutivmitglied Theo Zwanziger. Er hatte in der "Neuen Zürcher Zeitung" Garcia aufgefordert, ohne Rücksicht auf Ämter und Personen zu ermitteln.

Franz Beckenbauer
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Rund um die Korruptionsermittlungen fiel nun auch der Name Beckenbauer.

Das ist in der Tat zwingend notwendig. Denn die "Sunday Times" hatte an diesem Wochenende erneut nachgelegt. Danach sind die Schmiergeldzahlungen des Ex-FIFA-Vizepräsidenten und katarischen Geschäftsmannes Mohammed Bin Hamman höher als bisher bekannt. Neben den fünf Millionen Dollar an Offizielle für die Unterstützung der WM in Katar soll Bin Hammam weitere 1,7 Millionen Dollar für Stimmen aus Asien bezahlt haben.

Auch der Name Beckenbauer ist erstmals gefallen. Bin Hammam soll Franz Beckenbauer zusammen mit Managern eines Hamburger Unternehmens nach Doha eingeladen haben, allerdings fünf Monate nach der Wahl des Golfstaats als WM-Austragungsort. Die deutsche Firma hat das Treffen bestätigt, doch sei es nach den Gesprächen zu keinem Vertragsabschluss gekommen.

Dieser Beitrag lief am 09. Juni 2014 um 19:11 Uhr im Deutschlandfunk.

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