Polizei und Demonstranten stehen sich in der Innenstadt von Barcelona gegenüber. | Bildquelle: TONI ALBIR/EPA-EFE/REX

Proteste in Katalonien "Freiheit ist nicht aufzuhalten"

Stand: 19.10.2019 20:28 Uhr

Nach fünf Tagen zum Teil gewaltsamer Proteste bereitet sich Barcelona auf weitere Unruhen vor. Radikale Separatisten haben zu neuen Kundgebungen aufgerufen. Regionalpräsident Torra forderte von Madrid neue Gespräche.

Die katalanische Hauptstadt Barcelona macht sich nach den gewaltsamen Protesten von Unabhängigkeitsbefürwortern auf neue Unruhen gefasst. In der vergangenen Nacht hatte es bei Ausschreitungen in der spanischen Region mindestens 180 Verletzte gegeben, mehr als 150 davon allein in Barcelona. Wie die Regional-Behörden mitteilten, wurden in ganz Katalonien 83 Demonstranten festgenommen, unter ihnen auch Minderjährige.

Die Situation war eskaliert, nachdem mehr als eine halbe Million Menschen friedlich protestiert hatten. Radikale Demonstranten, die Barrikaden errichtet hatten, warfen Steine und Metallgegenstände auf Polizisten. Die Beamten reagierten mit dem Einsatz von Tränengas und Gummigeschossen. Die Zahl der gewalttätigen Demonstranten wurde auf 4000 geschätzt.

Eine bei den gewaltsamen Ausschreitungen zerstörte Bushaltestelle in Barcelona | Bildquelle: JESUS DIGES/EPA-EFE/REX
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Eine bei den gewaltsamen Ausschreitungen vom Freitag zerstörte Bushaltestelle in Barcelona.

Für heute hat Arran, eine Bewegung junger und radikaler Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens, zu einer neuen Demonstration "gegen Unterdrückung" aufgerufen.

Bis zum Abend fiel die Beteiligung im Vergleich zu den letzten Tagen gering aus. Die katalanische Regierung sprach von einigen Tausend Demonstranten, die sich in der Stadt versammelt hätten.

Tausende Menschen haben sich im baskischen San Sebastian im Norden Spaniens versammelt, um ihre Unterstützung der Separatismusbewegung in Katalonien zu demonstrieren. | Bildquelle: JAVIER ETXEZARRETA/EPA-EFE/REX
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Unterstützung aus dem Norden Spaniens: Tausende Menschen haben sich im baskischen San Sebastian versammelt, um ihre Solidarität mit der Separatismusbewegung in Katalonien zu demonstrieren.

Torra fordert von Madrid neue Gespräche

Barcelonas linke Bürgermeisterin Ada Colau verurteilte "jegliche Arten von Gewalt". Sie sagte: "Das kann nicht so weitergehen, das hat Barcelona nicht verdient." Der separatistische Regionalpräsident Quim Torra betonte in einem Statement, die Vorfälle spiegelten nicht die friedliche Unabhängigkeitsbewegung wider: "Keine Form von Gewalt vertritt uns." In Teilen der spanischen Presse wurde allerdings konstatiert, dass Torra die Ausschreitungen und Übergriffe der vergangenen Tage nicht ausdrücklich verurteilte. Dazu hatte ihn die spanische Zentralregierung wiederholt aufgefordert.

"Die Sache der Freiheit ist nicht aufzuhalten", sagte Torra weiter. "Und wir werden so weit gehen, wie es die Menschen in Katalonien wollen." Von der Zentralregierung in Madrid forderte er ein Treffen mit Ministerpräsident Pedro Sánchez, um den Dialog zu beginnen, für den sich die Unabhängigkeitsbewegung seit Monaten einsetze. Die Verurteilung von neun Separatistenführern durch das Oberste spanische Gericht bezeichnete Torra erneut als "unfair".

Aus Madrid hieß es in einer Reaktion, Torra müsse zunächst die Gewalt klar verurteilen. Erst wenn das Gesetz respektiert werde, könne es auch einen Dialog geben.

Auslöser der neuen Proteste war das Gerichtsurteil gegen prominente katalanische Politiker. Sie waren am Montag vom Obersten Gerichtshof Spaniens zu bis zu 13 Jahren Haft verurteilt worden - wegen ihrer Rolle bei dem umstrittenen Referendum zur Unabhängigkeit Kataloniens im Jahr 2017. Seitdem gab es in mehreren katalanischen Städten immer wieder Protestkundgebungen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. Oktober 2019 um 12:00 Uhr.

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