Tausende Demonstranten versuchen am Montag, den gesamten Flughafen in Barcelona lahmzulegen. | Bildquelle: AFP

Proteste von Separatisten Weitere Flugausfälle in Barcelona

Stand: 15.10.2019 13:34 Uhr

Auch heute hat es am Flughafen von Barcelona weitere Ausfälle gegeben. Dort waren am Abend die Proteste gegen die Verurteilung katalanischer Separatistenführer eskaliert. Mindestens 170 Menschen wurden verletzt.

Die massiven Proteste in Katalonien gegen die harten Gerichtsurteile für neun Separatistenführer führen weiter zu Beeinträchtigungen im Flugverkehr. Nachdem am Flughafen Barcelona bereits gestern zahlreiche Verbindungen ausgefallen waren, wurden für heute mindestens 45 Flüge abgesagt. Dutzende weitere Verbindungen konnten nur mit Verspätung starten. Die meisten der mehr als 1000 Flüge sollen aber normal stattfinden.

Bei den Protesten am Flughafen El Prat waren gestern 75 Menschen verletzt worden. Insgesamt gab es gestern bei den Protesten in Katalonien mindestens 170 Verletzte. Unter ihnen seien etwa 40 Polizisten, teilten die Behörden mit.

Demonstranten hatten sich am Flughafen heftige Auseinandersetzungen mit der Polizei geliefert. Sie bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen und Mülleimern, die Polizei setzte Schlagstöcke ein. Drei Aktivisten seien festgenommen worden, berichtete das spanische Fernsehen. Nach Angaben des Betreibers Aena wurden 110 Flüge gestrichen.

Die Organisatoren der Proteste hatten massenhaft Billig-Flugtickets für die Demonstranten gekauft. Nicht mit dem Ziel tatsächlich zu fliegen - sondern um mit den Ticket den Sicherheitsbereich zu betreten. Dort versperrten die mehreren tausend Unabhängigkeitsbefürworter die Gänge und legten den Flugbetrieb teilweise lahm. Tausende Protestierende blockierten zudem vorübergehend die Zugangswege zum Flughafen.

75 Verletzte bei Protesten in Barcelona
tagesschau 09:00 Uhr, 15.10.2019

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Lange Haftstrafen für Separatistenführer

In der Innenstadt versammelten sich am Abend Tausende Katalanen, um für eine Unabhängigkeit Kataloniens zu demonstrieren. Vor dem Sitz der Regionalregierung forderten sie zudem die Freiheit für mehrere Separatistenführer. Auch hier kam es vereinzelt zu gewaltsamen Zusammenstößen zwischen Polizisten und Demonstranten. Für heute werden weitere Proteste erwartet.

Das Oberste Gericht in Madrid hatte gestern neun Separatistenführer wegen Aufruhrs zu langjährigen Haftstrafen zwischen neun und 13 Jahren verurteilt. Es ging dabei um die Rolle der Angeklagten bei dem von der Justiz verbotenen Unabhängigkeitsreferendum vom 1. Oktober 2017 und einem daraus resultierenden Unabhängigkeitsbeschluss der Regionalregierung. Hauptangeklagter war der frühere stellvertretende Regionalpräsident Oriol Junqueras. Der Großteil der Angeklagten sitzt bereits seit zwei Jahren in Untersuchungshaft.

Junqueras fordert neues Referendum

Junqueras forderte inzwischen ein erneutes Referendum für die Unabhängigkeit Kataloniens. "Ich bin sicher, dass dieser Konflikt über Wahlurnen gelöst werden muss. Wir sind davon überzeugt, dass ein Referendum früher oder später unvermeidlich ist, denn wie können wir ansonsten den Bürgern eine Stimme geben?", sagte er in seinem ersten Interview nach dem Urteil. Seine Antworten wurden der Nachrichtenagentur Reuters. am späten Montagabend aus dem Gefängnis übermittelt.

Junqueras zeigte sich überzeugt, dass die langjährigen Haftstrafen gegen ihn sowie acht weitere Anführer der katalanischen Separatisten die Unabhängigkeitsbewegung nur noch stärker und entschlossener gemacht hätten. Er kündigte an, zusammen mit anderen gegen die Urteile beim Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg Berufung einzulegen.

Katalonien: Andauernde Proteste nach langen Haftstrafen für Separatisten
Marc Dugge, ARD Madrid
15.10.2019 07:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Oktober 2019 um 20:00 Uhr.

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