Time Magazine kürt Khashoggi zu Person des Jahres | Bildquelle: Reuters

Time Magazine Khashoggi ist "Person des Jahres"

Stand: 11.12.2018 17:06 Uhr

Das "Time Magazine" hat vier Journalisten und eine Zeitungsredaktion zur "Person des Jahres" gekürt. Unter den Geehrten ist auch der ermordete saudische Journalist Jamal Khashoggi.

Von Georg Schwarte, ARD-Studio New York

Zum 91. Mal hat das "Time Magazine" die "Person des Jahres" ausgerufen - zum ersten Mal ist ein Toter unter den Ausgezeichneten: der ermordete saudische Journalist Jamal Khashoggi. Außer ihm geehrt wurden drei weitere Journalisten und eine ganze Redaktion.

Jamal Khashoggi, der offenbar im Auftrag des saudischen Kronprinzen ermordet wurde, hatte noch kurz vor seinem brutalen Tod gesagt, er fordere für Saudi-Arabien gar nicht die Demokratie - er bitte doch nur um das Minimum: das Recht, Reden zu dürfen. "Es ist sehr selten, dass der Einfluss eines Menschen so sehr nach seinem Tod wächst. Khashoggis Ermordung lässt den saudischen Kronprinzen in einem neuen Licht erscheinen und auch den Krieg im Jemen", sagt Chefredakteur Edward Felsenthal.

Die Ausgezeichneten stünden stellvertretend für jene Journalisten, die im Kampf um die Wahrheit große Risiken auf sich genommen haben. Zum Beispiel Maria Ressa, Chefredakteurin einer Onlineseite auf den Philippinen, die sich im Kampf um die Wahrheit den diktatorischen Präsidenten Rodrigo Duterte zum Gegner gemacht hat. "Macht korrumpiert, Macht setzt unter Druck", sagt Ressa. Eine Woche, nachdem US-Präsident Donald Trump die New York Times 'Fake News' genannt habe, habe Duterte ihre Seite ebenso bezeichnet.

Time Persons of the Year | Bildquelle: AFP
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Personen des Jahres 2018: Jamal Khashoggi, die Redaktion der Capital Gazette in Annapolis, Maryland, Maria Ressa, und die in Myanmar inhaftierten Reuters-Journalisten Wa Lone und Kyaw Soe Oo, deren Frauen auf dem Titelbild ihre Fotos in den Händen halten. (von links)

Zunächst auch Putin und Trump nominiert

Journalisten als "Person des Jahres": Das hat es zuvor noch nie gegeben. Die "Verteidiger und der Krieg gegen die Wahrheit", schreibt das Magazin in seiner Begründung und erklärt, die Welt heute werde angeführt von einem US-Präsidenten, der die Nähe zu Despoten suche und dessen Angriffe auf die Presse einen beunruhigenden Grundton gesetzt hätten.

Chefredakteur Felsenthal sagt, Trump und auch der russische Präsident Wladimir Putin seien ebenfalls Kandidaten für die "Person des Jahres" gewesen. Aber am Ende habe man sich für die Verteidiger der Wahrheit entschieden: "Als wir uns die Kandidaten anschauten, wurde uns klar, dass der Missbrauch und die Manipulation der Wahrheit die größte Gefahr bei ganz vielen Geschichten in diesem Jahr war. Von Russland über Saudi-Arabien bis zum Silicon Valley."

Ausgezeichnete Journalisten in Haft

Ausgezeichnet wurden von "Time Magazine" auch zwei Reuters-Journalisten, die seit mehr als einem Jahr in Myanmar im Gefängnis sitzen, weil sie über die Ermordung von Rohingya schrieben. Ausgezeichnet wurde außerdem die Redaktion der "Capital Gazette" aus Annapolis im Bundesstaat Maryland. Dort hatte im Juni ein Attentäter fünf Journalisten in den Redaktionsräumen erschossen - das Team brachte am nächsten Tag trotzdem eine Zeitung heraus.

 

Time Magazine Person des Jahres 2018 - Verfolgte Journalisten weltweit
Georg Schwarte, NDR New York
11.12.2018 16:20 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2018 um 17:00 Uhr.

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