Eine Frau aus Kaschmir geht an indischen paramilitärischen Soldaten vorbei. | dpa

Waffenstillstand in Kraft "Eine gute Nachricht für Kaschmir"

Stand: 26.02.2021 10:42 Uhr

Keine Schüsse mehr in der Region Kaschmir: Nach einem Waffenstillstand zwischen Indien und Pakistan herrscht an der "Line of Control" Hoffnung. Doch das ist nicht das erste Mal.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

In Kaschmir ist ein Waffenstillstand in Kraft getreten. Indien und Pakistan haben in einer gemeinsamen Erklärung zugestimmt, sich an ein Abkommen aus dem Jahr 2003 zu halten: Es sieht eine Feuerpause entlang der umstrittenen Grenzlinie zwischen dem von Pakistan und Indien kontrollierten Teil von Kaschmir vor. Seit Jahren gibt es an der sogenannten "Line of Control" fast täglich Schusswechsel und andere Zwischenfälle.

Bernd Musch-Borowska ARD-Studio Neu-Delhi

Indien werde sich an das Abkommen halten, sagte der Sprecher des Außenministeriums, Anurag Srivastava, das Land wolle normale nachbarschaftliche Beziehungen mit Pakistan. Indien sei entschlossen, alle Schwierigkeiten mit Pakistan auf friedlichem Weg zu regeln. Aber in Grundsatzfragen sei die indische Position weiterhin unverändert.

Die Vereinten Nationen und die USA begrüßten die gemeinsame Erklärung Indiens und Pakistans. Dieser Schritt öffne den Weg für einen weiteren Dialog, so UN-Generalsekretär Antonio Guterres.

Schießereien an der Grenze

Auch in Kaschmir selbst gab es positive Reaktionen. Sabraiz Basheer, ein Einwohner von Srinagar, der Hauptstadt des von Indien kontrollierten Teils der Region, sagte:

Jedes Mal, wenn es Schießereien gibt zwischen Indien und Pakistan, dann stirbt ein junger Kaschmiri und das kümmert schon niemanden mehr - weder die indische Regierung noch die pakistanische. Wenn die sich jetzt endlich einigen und das Problem lösen, dann ist das eine gute Nachricht für die Menschen in Kaschmir."

"Line of Control" seit Jahren ein Brennpunkt

Seit dem ersten Kaschmir-Krieg zwischen den beiden Nachbarstaaten von 1947 bis 1949 trennt die "Line of Control" den von Pakistan und den von Indien kontrollierten Teil der Provinz, auf die beide Staaten gleichermaßen Anspruch erheben. "Azad Kaschmir" heißt die Region auf pakistanischer Seite, "Jammu & Kaschmir" auf indischer Seite.

Der indische Professor Happymon Jacob von der Nehru-Universität in Delhi hat die Soldaten auf beiden Seiten der "Line of Control" schon mehrfach begleitet und die immer wieder vorkommenden Verletzungen des Waffenstillstands in seinem Buch "Line on Fire" dokumentiert.

Die 'Line of Control' ist schon seit Jahren ein Brennpunkt. Nach dem Waffenstillstand im Jahr 2003 war es einige Jahre lang ruhig. Aber nach dem Terroranschlag von Mumbai im Jahr 2008 fing das an und der Waffenstillstand wurde immer wieder gebrochen. Pro Jahr gibt es bis zu 3000 Verletzungen des Waffenstillstands.

Pakistans Premier verspricht Freiheit

Jedes Jahr am 5. Februar wird in Pakistan der Tag der Solidarität mit Kaschmir begangen. Dies ist der Jahrestag einer UN-Resolution aus dem Jahr 1948. Darin wurde ein dann nie erfolgtes Referendum in Kaschmir darüber verlangt, ob die Kaschmiris zu Indien oder zu Pakistan gehören wollen.

Dieses Jahr versprach Premierminister Imran Khan am Jahrestag den Kaschmiris auf beiden Seiten der umstrittenen Grenzlinie Freiheit. Er sei sicher, dass die Kaschmiris in Azad Kaschmir und in Jammu Kaschmir, wenn sie erstmal die Möglichkeit bekämen, über ihre Zukunft abzustimmen, zu Pakistan gehören wollten. "Und Pakistan wird Euch die Möglichkeit geben, Teil Pakistans zu werden oder ganz frei zu sein", betonte er.

Hoffnung auf Entschärfung der Lage

Kaschmir ist ein zentraler Streitpunkt in den Beziehungen zwischen den beiden Atommächten. Sollten sich Indien und Pakistan nach 18 Jahren endlich an den Waffenstillstand aus dem Jahr 2003 halten, wäre dies ein wichtiger Schritt zur Entschärfung der Lage.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. Februar 2021 um 14:00 Uhr in den Nachrichten.