Kardinal Philippe Barbarin im Gericht. Archivbild | Bildquelle: AFP

Verurteilter Erzbischof von Lyon Barbarin will Papst um Entlassung bitten

Stand: 07.03.2019 14:12 Uhr

Wegen Vertuschung von sexuellen Missbrauchsvorwürfen ist der Erzbischof von Lyon, Barbarin, zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Er kündigte an, den Papst um seine Entlassung zu bitten.

Der wegen der Vertuschung von Kindesmissbrauch verurteilte Erzbischof von Lyon will Papst Franziskus um seine Entlassung bitten. Kardinal Philippe Barbarin sagte in seiner Diözese im Osten Frankreichs, er werde den Papst "in einigen Tagen" aufsuchen und seinen Rücktritt einreichen.  "Unabhängig von meinem persönlichen Schicksal, will ich den Opfern erneut mein Mitgefühl ausdrücken", sagte Barbarin.

Sechs Monate auf Bewährung

Der ranghöchste Würdenträger der katholischen Kirche in Frankreich war zuvor wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden.

Das Gericht in Lyon sprach Barbarin schuldig, den Priester der Diözese, Bernard Preynat, gedeckt zu haben. Preynat soll jahrelang Dutzende junge Pfadfinder sexuell missbraucht haben. Dem Priester steht ein eigenes Verfahren noch bevor.

Barbarin, so berichteten Opfer im Prozess, soll von den Missbrauchsvorwürfen gegen Preynat gewusst haben. Ein Betroffener hatte sich 2014 persönlich an den Kardinal gewandt. Der aber habe nicht reagiert und dem Priester erst 2015 den Umgang mit Jugendlichen verboten.

Eine überraschende Entscheidung

Ein Betroffener, der gegen Barbarin ausgesagt hatte, bezeichnete das Urteil als Sieg. Es sei ein starkes Signal und zeige allen Opfern, dass sie gehört und dass ihnen geglaubt wurde.

Das Urteil ist eine Überraschung, weil selbst die Staatsanwaltschaft gegen einen Schuldspruch war - unter anderem, weil ein Teil der Tatbestände verjährt sei.

Die Vorsitzende Richterin Brigitte Verney erklärte, die Schuld des 68-jährigen Erzbischofs beziehe sich auf sein Schweigen zu einem jüngeren Fall von Missbrauch ab dem Jahr 2014. Barbarin, der selbst bei der Urteilsverkündung nicht anwesend war, ließ durch seine Anwälte mitteilen, er werde in Berufung gehen. Der Anwalt des Kardinals erklärte, das Gericht habe bei seiner Entscheidung unter großem öffentlichen Druck gestanden.

Das Urteil kommt kurz nach dem ersten Gipfel zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche im Vatikan und nur wenige Tage vor der beginnenden Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

Mit Informationen von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Überraschendes Urteil - Kardinal Barbarin zu 6 Monaten auf Bewährung veurteilt
Sabine Wachs, ARD Paris
07.03.2019 13:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. März 2019 um 12:00 Uhr.

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