Kardinal Philippe Barbarin im Gericht | Bildquelle: AFP

Vertuschung von Missbrauch Erzbischof von Lyon schuldig gesprochen

Stand: 07.03.2019 11:35 Uhr

In Frankreich ist der Erzbischof von Lyon wegen Vertuschung von sexuellen Missbrauchsvorwürfen zu sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Die Strafe geht über die Forderung der Staatsanwaltschaft hinaus.

Der einflussreiche Erzbischof von Lyon, Philippe Barbarin, ist wegen Vertuschung von Missbrauchsvorwürfen zu sechs Monaten Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden.

Das Gericht in Lyon sprach Barbarin schuldig, den Priester seiner Diözese, Bernard Preynat, gedeckt zu haben. Preynat soll jahrelang Dutzende junge Pfadfinder sexuell missbraucht haben. Dem Priester steht ein eigenes Verfahren noch bevor.

Barbarin, so berichteten Opfer im Prozess, soll von den Missbrauchsvorwürfen gegen Preynat gewusst haben. Ein Betroffener hatte sich 2014 persönlich an den Kardinal gewandt. Der aber habe nicht reagiert und seinem Priester erst 2015 den Umgang mit Jugendlichen verboten.

Ein Betroffener, der gegen Barbarin ausgesagt hatte, bezeichnete das Urteil als Sieg. Es sei ein starkes Signal und zeige allen Opfern, dass sie gehört und dass ihnen geglaubt wurde.

Eine überraschende Entscheidung

Das Urteil ist eine Überraschung, weil selbst die Staatsanwaltschaft gegen einen Schuldspruch war - unter anderem, weil ein Teil der Tatbestände verjährt sei.

Die Vorsitzende Richterin Brigitte Verney erklärte, die Schuld des 68-jährigen Erzbischofs beziehe sich auf sein Schweigen zu einem jüngeren Fall von Missbrauch ab dem Jahr 2014.

Barbarin, der selbst bei der Urteilsverkündung nicht anwesend war, ließ durch seine Anwälte mitteilen, er werde in Berufung gehen. Der Anwalt des Kardinals erklärte, das Gericht habe bei seiner Entscheidung unter großem öffentlichen Druck gestanden.

Das Urteil kommt kurz nach dem ersten Gipfel zum Thema Missbrauch in der katholischen Kirche im Vatikan und nur wenige Tage vor der beginnenden Frühjahrsvollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz.

Die Vorwürfe gegen den Priester Preynat und die Rolle des Kardinals Barbarin sind Thema des Spielfilms "Grace à Dieu" ("Gelobt sei Gott") des französischen Regisseur Francois Ozon. Der Film, der auf der Berlinale den Preis der Jury erhielt, ist seit drei Wochen in den französischen Kinos zu sehen.

Mit Informationen von Sabine Wachs, ARD-Studio Paris

Überraschendes Urteil - Kardinal Barbarin zu 6 Monaten auf Bewährung veurteilt
Sabine Wachs, ARD Paris
07.03.2019 13:05 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. März 2019 um 12:00 Uhr.

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