Der wegen Missbrauchs verurteilte Kardinal Pell (Archivbild). | Bildquelle: dpa

Revision gegen Missbrauchsurteil Australischer Kardinal Pell bleibt in Haft

Stand: 21.08.2019 03:52 Uhr

Ein australisches Gericht hat das Missbrauchsurteil gegen Kardinal Pell, den ehemaligen Finanzchef des Vatikans, bestätigt. Beobachter erwarten allerdings, dass Pell auch diese Entscheidung anfechten wird.

Der ehemalige Finanzchef des Vatikans, der australische Kardinal George Pell, muss wegen Missbrauchs von zwei minderjährigen Chorknaben im Gefängnis bleiben. Der Oberste Gerichtshof in Melbourne bestätigte eine Verurteilung aus erster Instanz. Auf Grundlage dieser Entscheidung kann der 78-Jährige frühestens im Jahr 2022 aus der Haft entlassen werden.

Pell war als Finanzchef des Vatikans praktisch die Nummer drei in der Hierarchie. Im März wurde er als ranghöchster Geistlicher in der Geschichte der katholischen Kirche wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt. Ein Geschworenengericht verhängte sechs Jahre Haft. Gegen die Entscheidung hatte der ehemalige Vertraute von Papst Franziskus Berufung eingelegt. Er weist alle Vorwürfe seit jeher zurück.

Berufung abgelehnt: Ex-Finanzchef des Vatikans Pell bleibt wegen Kindesmissbrauchs verurteilt
tagesschau 16:00 Uhr, 21.08.2019

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Vorwürfe reichen bis 1996 zurück

Die Vorwürfe reichen in die Jahre 1996/97 zurück, als Pell gerade Erzbischof von Australiens zweitgrößter Stadt Melbourne geworden war. Die beiden Chorknaben waren damals 13 Jahre alt. Einen der Jungen zwang er nach Überzeugung des Gerichts zum Oralsex. Von den Chorknaben lebt nur noch einer. Der heute 35 Jahre alte Mann war in dem Prozess der entscheidende Belastungszeuge.

Der Supreme Court - das höchste Gericht des Bundesstaats Victoria - lehnte die Berufung gegen das Urteil des Geschworenengerichts nun ab. Die Entscheidung der drei Berufsrichter fiel allerdings nicht einstimmig aus, sondern mit einer Mehrheit von 2:1. Wahrscheinlich ist nun, dass Pell vor Australiens oberstes Gericht zieht, den High Court. Der Vatikan hatte nach dem Urteil im März angekündigt, abwarten zu wollen, bevor er über weitere Konsequenzen entscheidet.

Auch jetzt gab der Vatikan bekannt, die Entscheidung des Surpreme Courts anzuerkennen, aber trotzdem das Urteil in letzter Instanz abwarten zu wollen. Pell habe immer beteuert, dass er unschuldig sei, erklärte Vatikan-Sprecher Matteo Bruni. Es sei sein recht, auch den High Court anzurufen.

Pells Fürsprecher sehen ihn als Sündenbock

Der Fall ist in Australien und darüber hinaus seit jeher umstritten. Pells Fürsprecher behaupten, dass der prominente Kardinal zum Sündenbock für die Missbrauchsskandale der katholischen Kirche insgesamt gemacht werden solle. Ein erster Prozess in Australien war geplatzt, weil sich die Geschworenen nicht einigen konnten. Die Vorsitzende Richterin des Supreme Court, Anne Ferguson, meinte: "Man kann sagen, dass dieser Fall die Gemeinschaft geteilt hat."

Die Richterin wies jedoch Zweifel an der Glaubwürdigkeit des Hauptbelastungszeugen zurück. Der Mann habe im Prozess stets gewirkt "wie jemand, der die Wahrheit sagt". Pell nahm das Urteil mit steinerner Miene zur Kenntnis. Nach fünf Monaten Gefängnis war dem 78-Jährigen jedoch anzusehen, dass ihm die Haftstrafe zu schaffen macht. Nach dem Urteil wurde er von Polizeibeamten abgeführt.

Kindesmissbrauch Berufung von Kardinal Pell gescheitert
Lena Bodewein, ARD Singapur
21.08.2019 05:19 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 21. August 2019 um 04:58 Uhr.

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