Radovan Karadzic | Bildquelle: PETER DEJONG/POOL/EPA-EFE/REX

UN-Tribunal zu Srebrenica Lebenslange Haft für Karadzic

Stand: 20.03.2019 15:54 Uhr

Ein UN-Tribunal hat den ehemaligen bosnischen Serbenführer Karadzic wegen Kriegsverbrechen in den 1990er-Jahren zu lebenslanger Haft verurteilt. In erster Instanz war Karadzic noch zu 40 Jahren Haft verurteilt worden.

Wegen des Völkermordes von Srebrenica ist der politisch Hauptverantwortliche, Ex-Serbenführer Radovan Karadzic, zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Fast ein Vierteljahrhundert nach diesem schlimmsten Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg sprachen die Richter des UN-Kriegsverbrechertribunals in Den Haag das Urteil gegen Karadzic und erhöhten das Strafmaß gegenüber der Vorinstanz. Der Richterspruch kann nicht angefochten werden.

"Extrem schwerwiegende" Verbrechen

In erster Instanz war der 73-jährige noch zu 40 Jahren Haft verurteilt worden. Die Verbrechen seien so "extrem schwerwiegend", dass eine 40-jährige Haftstrafe "unangemessen und ungerecht" sei, sagte der Vorsitzende Richter. Karadzic, gekleidet in einen dunklen Anzug, reagierte äußerlich nicht auf die Urteilsverkündung.

Die Richter verurteilten den früheren Psychiater wegen Völkermords, Kriegsverbrechen sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Balkan-Krieges in den 1990er-Jahren. Sie sahen seine Schuld an tausendfachem Mord als erwiesen an. Zudem sei er verantwortlich für Verfolgung und Zwangsvertreibung bosnischer Muslime und für die 44-monatige Belagerung der bosnischen Stadt Sarajevo.

Radovan Karadzic | Bildquelle: PETER DEJONG/POOL/EPA-EFE/REX
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Karadzic bezeichnete sich als "Friedensstifter des Balkans".


Und schließlich wurde Karadzic wegen des Völkermords von Srebrenica schuldig gesprochen. Im Sommer 1995 hatten serbische Einheiten unter General Ratko Mladic die damalige UN-Schutzzone überrannt. Die niederländischen Blauhelme hatten sich kampflos ergeben. Serben hatten anschließend rund 8000 muslimische Männer und Jungen ermordet.

Angehörige von Opfern jubelten im Gerichtssaal, als die Richter das Urteil verkündet hatten. "Endlich Gerechtigkeit", sagte Munira Subasic von der Organisation "Mütter von Srebrenica". Eine lebenslange Haftstrafe sei die einzig gerechte Strafe für Karadzic. "Die Wahrheit und die Gerechtigkeit haben gesiegt."

Demonstration vor UN-Tribunal in Den Hag während Karadzic-Verfahren | Bildquelle: AP
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Demonstrantinnen aus Srebrenica vor dem UN-Tribunal in Den Haag: Die Organisation "Mütter von Srebrenica" begrüßte das Urteil.

Unschuld beteuert

Karadzic hatte während des Prozesses immer wieder seine Unschuld beteuert. Die Vorwürfe seien "haltlos", er sei kein Kriegstreiber, sondern im Gegenteil der "Friedensstifter des Balkans" gewesen. Er hatte Freispruch gefordert. Auch die Anklage hatte nach dem Urteil der ersten Instanz Berufung eingelegt. Sie hatte eine lebenslange Strafe gefordert und wollte, dass auch die Verfolgung von Muslimen in bosnischen Kommunen als Völkermord eingestuft wird. Das aber lehnten die Richter ab.

Das Berufungsverfahren war vom sogenannten Residual-Mechanismus für UN-Tribunale verhandelt worden, der Nachfolge-Organisation der Kriegsverbrechertribunale für Ex-Jugoslawien und Ruanda.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 20. März 2019 um 16:00 Uhr.

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