Migranten auf den Kanarischen Inseln werden vom Roten Kreuz versorgt. | Bildquelle: AFP

Kanarische Inseln Notlager für Tausende Migranten

Stand: 21.11.2020 03:42 Uhr

Wegen der stark wachsenden Zahl von Migranten auf den Kanarischen Inseln hat die spanische Regierung beschlossen, Notlager für Tausende Menschen zu bauen. Zudem plant Madrid verstärkt Rückführungen in die Heimatländer.

Zur Eindämmung der Migrationskrise auf den Kanaren will Spanien auf den Atlantik-Inseln provisorische Aufnahmezentren für bis zu 7000 Menschen errichten. Diese Lager würden "schon in wenigen Wochen" zur Verfügung stehen, versprach Migrationsminister José Luis Escrivá bei einem Besuch in Las Palmas. Sie sollen auf den Inseln Gran Canaria, Teneriffa und Fuerteventura den Angaben nach auf Grundstücken oder in Gebäuden des Verteidigungsministeriums errichtet werden.

Daneben werde man auch an dem Bau "stabilerer Zentren" ebenfalls für 7000 Migranten arbeiten, erklärte Escrivá. Verkehrsminister José Luis Ábalos, versprach unterdessen mehr Mittel für den Seenotrettungsdienst.

Verhandlungen mit Marokko über schnellere Abschiebungen

Regionalpolitiker werfen der Zentralregierung vor, die Kanaren in der Krise im Stich zu lassen. Rettungsdienste und Polizei seien völlig überfordert. Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch hatte vor Kurzem nach einem Besuch im Flüchtlingscamp auf Gran Canaria die Zustände und Hygienebedingungen für die Migranten als unzumutbar kritisiert.

Die Regierung in Madrid weigert sich derweil, die Migranten auf das Festland zu bringen. Man wolle nicht die Botschaft vermitteln, dass die Kanaren als Sprungbrett nach Europa dienten, hieß es. Bis auf wenige Ausnahmen strebe Madrid die Rückführung aller Migranten an, die auf den Kanaren ankommen, berichtete die Zeitung "El Mundo" diese Woche unter Berufung auf das Außenministerium.

Innenminister Fernando Grande-Marlaska besuchte in der Sache die marokkanische Regierung in Rabat und betonte: "Die Migrationspolitik wird von der EU bestimmt, nicht von Spanien allein." Es gehe darum, die illegale Migration zu bekämpfen. Mit seinem marokkanischen Kollegen Abdelouafi Laftit verhandelte Grande-Marlaska über schnellere Abschiebungen. Seit Beginn des Jahres brachen von dem etwa 110 Kilometer entfernten Marokko immer mehr Migranten in Booten in Richtung Kanaren auf.

Zehnmal so viele Migranten wie im Vorjahreszeitraum

Allein in diesem Jahr sind laut Migrationsbehörde der Vereinten Nationen (IOM) insgesamt 18.000 Menschen auf den Kanaren angekommen. Dies seien zehnmal so viele wie noch im Vorjahreszeitraum. Etwa 5500 der Migranten sind derzeit übergangsweise in 17 Hotels untergebracht - Wegen der Corona-Pandemie sind die Kanaren momentan nicht so stark ausgebucht wie sonst zu dieser Jahreszeit.

Bei der gefährlichen Überfahrt in Richtung Kanaren sterben immer mehr Menschen. Erst Ende Oktober war es vor der Küste des westafrikanischen Senegal zu einem schweren Schiffsunglück gekommen, mindestens 140 Menschen waren dabei ertrunken. Laut der internationalen Migrationsbehörde IOM  ist es das bisher schlimmste Schiffsunglück in diesem Jahr.

Mit Informationen von Dunja Sadaqi, ARD-Studio Nordwestafrika

Wegen starkem Migrationsstrom auf Kanaren - Spanien will Migranten stärker abschieben
Dunja Sadaqi, ARD Rabat
20.11.2020 23:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 21. November 2020 um 13:00 Uhr.

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