Kanadas Ministerpräsident Justin Trudeau und Bill Blair, Minister für öffentliche Sicherheit, bei einer Pressekonferenz. | Bildquelle: REUTERS

Nach Amoklauf von Nova Scotia Kanada verbietet Sturmgewehre

Stand: 02.05.2020 16:47 Uhr

Nach dem schlimmsten Amoklauf in der Geschichte des Landes macht Kanadas Premier Trudeau eine Ankündigung aus dem Wahlkampf wahr: Kanada verbietet Schnellfeuergewehre.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Kanadas Premierminister Justin Trudeau wirkt betroffen wie entschlossen, als er sich an die Kanadier wendet: "Es gibt keinen Nutzen und keinen Platz für solche Waffen in Kanada."

Gemeint sind Sturmgewehre. 1500 Modelle und Varianten von Waffen im Militärstil, die nur einem Zweck dienen: So viele Menschen wie möglich zu töten, in so kurzer Zeit wie möglich.

Komplettes Handelsverbot

Ab sofort dürften diese Waffen im Land weder genutzt noch gehandelt werden, erklärte Kanadas zuständiger Minister für öffentliche Sicherheit, Bill Blair: "Der Markt für diese Waffen in Kanada ist geschlossen."

Wer bereits im Besitz einer solchen Waffe ist, hat zwei Jahre Zeit, sie abzugeben. Die Regierung will in den nächsten Monaten über eine entsprechende Entschädigung für die Waffenbesitzer beraten. In der Zwischenzeit können die Sturmgewehre exportiert oder an Hersteller zurückgegeben werden.

Ein Schritt, den Trudeau und seine liberale Partei schon im Wahlkampf angekündigt hatten. Nun macht Trudeaus Regierung ernst. Anstoß ist der schwerste Amoklauf in der kanadischen Geschichte. Vor zwei Wochen hatte ein Schütze in der Provinz Nova Scotia 22 Menschen getötet.

"Ihre Familien brauchen mehr als Gedanken und Gebete. Kanadier brauchen mehr als Gedanken und Gebete", sagte Trudeau. Und räumte ein: Für viele Kanadier, vor allem indigene Völker, gehören Waffen zur Tradition ihres Lebens. Und die breite Mehrheit benutze sie auch verantwortungsvoll.

Ein Waffengeschäft in Ottawa mit zahlreichen Gewehren im Angebot. | Bildquelle: AP
galerie

Ein Waffengeschäft in Ottawa mit zahlreichen Gewehren im Angebot.

Seine Stellvertreterin Chrystia Freeland betonte, als Tochter eines Farmers sei sie mit Waffen groß geworden. Ihr Vater und die anderen Bauern hätten Waffen zur Jagd genutzt. Aber keiner von ihnen habe ein Schnellfeuergewehr gehabt. Freeland warnte: "Diese Waffen machen es leichter, Massenmord zu begehen. Der Fetisch um sie macht das Land vor allem für die Verletzlichsten gefährlicher: Und das sind Frauen und Mädchen."

Vorwurf von Konservativen

Der Vorsitzende der Konservativen Partei, Andrew Scheer, warf Trudeau vor: Er nutze die Gefühlslage nach dem Attantat in Nova Scotia aus, um die ideologische Agenda der Liberalen voranzutreiben und große Änderungen an der Schusswaffenpolitik vorzunehmen.

Doch Trudeau machte klar: "Wir können das Kapitel in unserer Geschichte nicht neu schreiben. Aber was jetzt passiert, liegt an uns. Wir können sitzen und beten. Oder wir können uns als Land vereinen und dem ein Ende bereiten."

Nach Amoklauf: Kanada verschärft Waffengesetze
Antje Passenheim, ARD New York
02.05.2020 16:00 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: