Karte: Kamerun

Kamerun Entführte Schüler wieder frei

Stand: 07.11.2018 10:10 Uhr

Die in Kamerun entführten Schüler sind nach Regierungsangaben wieder frei. Zwei erwachsene Angestellte der Schule würden noch festgehalten. Für die Entführung sollen englischsprachige Separatisten verantwortlich sein.

Die am frühen Montagmorgen im Nordwesten Kameruns verschleppten Schüler sind nach Angaben der Regierung wieder frei. "Alle Schüler sind befreit", sagte Kommunikationsminister Issa Bakary Tchiroma der Nachrichtenagentur AFP. Sie alle seien unversehrt, berichteten der britische Rundfunksender BBC und der französische Auslandsrundfunk RFI. Über die Umstände der Befreiung ist noch nichts bekannt.

Zwei Angestellte weiter in Gefangenschaft

Zwei der drei ebenfalls gefangen genommenen Mitarbeiter der Schule befänden sich dagegen weiter in der Gewalt der Entführer, sagte Fonki Samuel Forba von der presbyterianischen Kirche Kameruns. Sie seien in eine Kirche in der Nähe von Bamenda im Westen des Landes gebracht worden. Sie seien offenbar müde und hätten während der Gefangenschaft gelitten.

Die Kirche werde ihre Schulen in der Region aus Sicherheitsgründen bis auf weiteres schließen, sagte Fonki. "Wir haben die Eltern angerufen und ihnen gesagt, dass sie ihre Kinder jetzt wieder nach Hause mitnehmen können."

Identität der Entführer weiter unklar

Die Armee hatte am Dienstag eine großangelegte Suche gestartet, die zunächst erfolglos blieb. Armee und Separatisten, die im Westen des zentralafrikanischen Staates Krieg führen, hatten sich gegenseitig vorgeworfen, für die Entführung verantwortlich zu sein.

Die Schule in Bamenda, der größten anglophonen Stadt in Kamerun, war der deutschen Missionsgesellschaft "Mission 21" zufolge bereits Ende Oktober Ziel einer Entführung. Die Organisation, die die Schule in Bamenda unterstützt, erklärte, die Identität der Entführer sei unklar.

Paul Biya, Präsident der Republik Kamerun, beim EU-Afrika-Gipfel. | Bildquelle: dpa
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Paul Biya, Präsident der Republik Kamerun, will die Unabhängigkeitsbewegung der englischsprachigen Minderheit unterbinden.

Minderheit strebt nach Unabhängigkeit

Hintergrund des Konflikts im Westen Kameruns sind Vorwürfe der englischsprachigen Minderheit, nach denen die Regierung einseitig die französischsprachige Mehrheit im Land bevorzuge. Der anglophone Teil Kameruns im Nordwesten und Südwesten macht etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung aus.

Präsident Paul Biya geht mit harter Hand gegen die Unabhängigkeitsbewegung vor. Verhandlungen lehnt er ab. Proteste von Lehrern und Richtern, die vor zwei Jahren eine Angleichung der Lebensverhältnisse gefordert hatten, hatte die Armee gewaltsam niedergeschlagen.

Seitdem ist die Lage eskaliert. Beiden Seiten werden schwere Menschenrechtsverletzungen vorgeworfen. Dabei sollen nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen allein 2018 bereits 400 Zivilisten sowie 175 Polizisten und Militärangehörige getötet worden sein. Die Zahl der Flüchtlinge wird von den Vereinten Nationen auf rund 200.000 geschätzt.

Entführte Schüler in Kamerun sind wieder frei
Stefan Ehlert, ARD Rabat
07.11.2018 11:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 07. November 2018 um 10:00 Uhr.

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