Karte: Kamerun

Kamerun Separatisten entführen fast 80 Schüler

Stand: 05.11.2018 20:09 Uhr

In Kamerun sind knapp 80 Schüler offenbar von Separatisten entführt worden. Diese wollen einen eigenen Staat aufbauen. Es ist die erste Massenentführung dieses Ausmaßes in dem afrikanischen Staat.

Von Stefan Ehlert, ARD-Studio Nordwestafrika

Nach der Entführung von 79 Schülern und drei Erwachsenen aus einer Schule im Nordwesten Kameruns ist ein mutmaßliches Bekennervideo aufgetaucht. Demnach übernehmen Separatisten die Verantwortung für die Tat. Das nicht verifizierte Video liegt der Nachrichtenagentur AFP vor. Darin heißt es, die Täter wollten ihre eigenen Schulen eröffnen und für einen eigenen Staat namens "Ambazonien" kämpfen.

In dem Clip treten der AFP zufolge mehrere der entführten Schüler vor die Kamera, sagen ihren Namen und dass sie von den "Amba-Boys" entführt worden seien, also von den militanten Separatisten. Die sollen schon zuvor staatliche Schulen angegriffen haben. Doch nie zuvor kam es in Kamerun zu einer vergleichbaren Massenentführung wie jetzt in Bamenda, der Provinzhauptstadt des Nordwestens.

Vorgehen erinnert an Boko Haram

Aus dem benachbarten Nigeria ist die Praxis bekannt. Dort hatten Mitglieder der islamischen Terrorgruppe Boko Haram 2014 mehr als 200 Mädchen entführt. Von vielen fehlt bis heute jede Spur.

Unter welchen Umständen genau die Aufständischen in Kamerun es nun geschafft haben, mehr als 80 Menschen zu entführen, ist noch unklar. Bei den 79 Kindern und Jugendlichen soll es sich mehrheitlich um Jungen handeln, hinzu kommen einigen Quellen zufolge der Schuldirektor der Presbyterianischen Oberschule, ein Lehrer und ein Fahrer. Die Schule hat nach eigenen Angaben 700 Schüler. Ethnisch, religiös und sprachlich ist die Schule gemischt.

Kameruns Regierung kündigte an, für die Suche nach den Geiseln alle Kräfte zu mobilisieren. Die UN-Koordinatorin für Kamerun, Allegra del Pilar Baiocchi, verurteilte die Geiselnahme als durch nichts gerechtfertigt. Sie sagte, wieder einmal seien Kinder die Opfer einer Krise, für die sie nicht verantwortlich seien.

Minderheit strebt nach Unabhängigkeit

Seit gut einem Jahr eskaliert der Konflikt zwischen Vertretern der englischsprachigen Minderheit in Kamerun und den Sicherheitskräften. Dabei sollen nach Angaben von Nichtregierungsorganisationen allein 2018 bereits 400 Zivilisten sowie 175 Polizisten und Militärangehörige getötet worden sein. Die Zahl der Flüchtlinge wird von den Vereinten Nationen auf rund 200.000 geschätzt.

Paul Biya, Präsident der Republik Kamerun, beim EU-Afrika-Gipfel. | Bildquelle: dpa
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Paul Biya, Präsident der Republik Kamerun, will die Unabhängigkeitsbewegung der englischsprachigen Minderheit unterbinden.

Der anglophone Teil Kameruns in den Provinzen Nordwest und Südwest macht etwa ein Fünftel der Gesamtbevölkerung von 22 Millionen Bürgern aus. Die Minderheit beklagt systematische Diskriminierung und Missachtung durch die Regierung von Präsident Paul Biya. Er hatte mehrfach gesagt, er wolle mit harter Hand gegen die Unabhängigkeitsbewegung vorgehen. Verhandlungen lehnt er  ab.

Die aktuelle Entführung ereignete sich einen Tag, bevor der 85-jährige Biya zu seiner siebten Amtszeit vereidigt werden soll. Die Wahlen hatte er Anfang Oktober mit 72 Prozent der Stimmen gewonnen. Doch die spektakuläre Verschleppung von so vielen Schülern wird bei der feierlichen Vereidigung des Präsidenten kaum Feierstimmung aufkommen lassen.     

Massenentführung von 79 Schülern in Kamerun
Stefan Ehlert, Stefan, ARD Rabat
05.11.2018 19:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. November 2018 um 16:00 Uhr in den Nachrichten.

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