Zwei von 83 Containern mit Plastikmüll stehen geöffnet im Hafen der kambodschanischen Stadt Sihanoukville. | Bildquelle: AP

Plastikmüll aus Industrieländern "Kambodscha ist kein Mülleimer"

Stand: 17.07.2019 18:02 Uhr

Viele Industrieländer versuchen, ihren Plastikmüll loszuwerden, indem sie ihn in andere Länder verschicken. Auch in Kambodscha sind Tausende Tonnen Abfall gelandet - doch der soll per Retoure an den Absender zurückgehen.

Kambodscha folgt dem Beispiel anderer südostasiatischer Staaten und wehrt sich gegen die Einfuhr von Plastikmüll aus anderen Ländern. Konkret geht es um 83 Container mit rund 1600 Tonnen Plastikabfall.

Seit Oktober stehen diese Container im Hafen der Stadt Sihanoukville. Ihr Inhalt wurde offiziell als Recycling-Rohstoffe deklariert. Beim Öffnen der Container stießen Kontrolleure auf die Ballen mit Plastikmüll. 70 Container stammen laut kambodschanischem Umweltministerium aus den USA, 13 aus Kanada.

Abfall soll in Ursprungsländer zurück

"Kambodscha ist kein Mülleimer, wo andere Länder veralteten Elektronikschrott entsorgen können", kritisierte der Sprecher des Ministeriums, Neth Pheaktra. Der Müll soll in seine Ursprungsländer zurückgeschickt werden. Das Importunternehmen müsse mit einer hohen Strafe rechnen. Pheaktra betonte, Kambodscha habe die Einfuhr von Plastikmüll immerhin bereits vor zwei Jahrzehnten verboten.

Behördenmitarbeiter inspizieren die Ladung mehrerer Container voller Plastikmüll, die in der Stadt Sihanoukville in Kambodscha angekommen sind. | Bildquelle: AFP
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83 Container aus den USA und Kanada landeten in Kambodscha - insgesamt rund 1600 Tonnen Plastikmüll.

Auch Deutschland gehört zu Müll-Exporteuren

Dass westliche Nationen, darunter auch Deutschland, versuchen, ihres Plastikmüll-Problems Herr zu werden, indem sie den Abfall zum Recyceln in andere Länder verschicken, ist nicht neu. Bis Anfang 2018 war China der größte Abnehmer, verhängte dann aber einen umfassenden Importstopp, um die eigene Umweltbilanz aufzupolieren.

Seitdem landet der Müll häufig in anderen Staaten, darunter Indonesien, Malaysia und nun eben auch Kambodscha. Doch die wollen den Müll nicht. Mehrere betroffene Länder schickten die Plastikberge aus dem Ausland daher quasi wieder auf Retoure. Die Philippinen sendeten Kanada seinen Müll zurück und zuletzt kündigte Indonesien an, fast 50 Container an mehrere Industrieländer zurückgehen zu lassen - auch an Deutschland sollen einige der Container zurückgeschickt werden.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. Juli 2019 um 17:00 Uhr.

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