Kamala Harris | AP

Nominierung der US-Demokraten Biden zieht mit Harris in den Wahlkampf

Stand: 12.08.2020 00:43 Uhr

Erst trat sie gegen ihn an, jetzt ist sie an seiner Seite: Die kalifornische Senatorin Harris wird Vize des designierten demokratischen US-Präsidentschaftskandidat Biden. Gemeinsam wollen sie Amtsinhaber Trump herausfordern.

Kamala Harris soll Joe Bidens US-Vizepräsidentschaftskandidatin werden. Biden, der designierte Präsidentschaftskandidat der Demokraten, teilte seine Entscheidung auf Twitter mit. Sie sei eine "furchtlose Kämpferin für den kleinen Mann", schrieb Biden.

Sollte Biden sich im November gegen Trump durchsetzen, würde Harris die erste weibliche Vizepräsidentin in der Geschichte der USA und gleichzeitig die erste Schwarze auf diesem Posten.

Von der Konkurrentin zum "running mate"

Die kalifornische Senatorin, die sich zwischenzeitlich selbst um die Präsidentschaftskandidatur der US-Demokraten beworben hatte, ist eine der bekanntesten schwarzen Politikerinnen des Landes und verfügt über große Erfahrung. Sie war jahrelang Generalstaatsanwältin und damit Justizministerin von Kalifornien. Seit 2017 vertritt sie den Bundesstaat im US-Senat. Sie ist damit die zweite schwarze Amerikanerin in der Geschichte, die in den Senat gewählt wurde.

Harris schrieb auf Twitter, sie fühle sich "geehrt", an der Seite von Joe Biden in die Wahl im November zu ziehen. Biden "kann das amerikanische Volk einen, weil er sein ganzes Leben damit verbracht hat, für uns zu kämpfen". Er werde ein Land aufbauen, das "unseren Idealen gerecht" werde, fügte Harris hinzu.

Während der Präsidentschaftsvorwahlen im vergangenen Jahr, bei denen sie zunächst selbst antrat, sorgte Harris mit harten Attacken auf Biden für Aufsehen. Sie warf ihm in TV-Debatten wohlwollende Äußerungen über Senatoren vor, die vor Jahrzehnten die Rassentrennung befürwortet hatten. Nach ihrem Ausstieg aus dem Vorwahlrennen versöhnten sich beide aber und Harris stellte sich hinter Biden.

Harris als Nachfolgerin?

Bidens Entscheidung war mit Spannung erwartet worden, weil sie sich nicht nur auf seine Wahlchancen, sondern auch entscheidend auf die Zukunft des Landes auswirken könnte. Bei Amtsantritt wäre Biden 78 Jahre alt. Es wird erwartet, dass er nur eine Amtszeit lang regieren würde, sollte er die Wahl am 3. November gewinnen. Als Vizepräsidentin könnte sich Harris an seiner Seite profilieren und Biden potenziell nachfolgen.

Biden hatte angekündigt, auf jeden Fall mit einer Frau als "running mate" bei der Präsidentenwahl am 3. November gegen Amtsinhaber Donald Trump antreten zu wollen. Nach dem gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd Ende Mai und den Black-Lives-Matter-Protesten wuchs zudem der Druck, sich für eine schwarze Kandidatin zu entscheiden. Harris galt daher als eine der Favoritinnen auf die Nominierung für den Vizeposten.

Erste Breitseite von Trumps Team

Ex-US-Präsident Barack Obama lobte die Auswahl von Harris. "Joe Biden hat mit dieser Entscheidung den Nagel auf den Kopf getroffen". Dass sein früherer Stellvertreter Biden sich Senatorin Harris als "Amerikas nächste Vizepräsidentin ausgesucht" habe, zeuge von dessen eigenem Urteilsvermögen und Charakter, ergänzte der frühere Präsident.

Vom Wahlkampfteam Trumps kam direkt die erste Breitseite: Es griff Harris in einem kurzen Video als "Schwindlerin" an. "Phony Kamala Harris" sei extrem nach links gerückt, um die Gunst der Wähler zu gewinnen - diese hätten sie jedoch durchschaut. "Aber nicht Joe Biden, er ist nicht so smart", hieß es weiter. Die beiden seien "perfekt zusammen, aber falsch für Amerika". Trump retweetete das Video auf seinem Twitter-Profil zunächst ohne weiteren Kommentar.

Trump war nach eigenen Worten "ein bisschen überrascht" über die Entscheidung für Harris. Denn schließlich habe sich Harris bei den Vorwahlen der Demokraten "sehr respektlos gegenüber Joe Biden" verhalten, sagte Trump bei einer Pressekonferenz im Weißen Haus. "Es ist schwierig, jemanden auszuwählen, der so respektlos ist."

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 11. August 2020 um 22:15 Uhr.