Strand in Kalifornien wieder offen | Bildquelle: AP

Corona in Kalifornien Mit Brett und Maske zurück an den Strand

Stand: 15.05.2020 09:57 Uhr

Schwimmen und Surfen erlaubt, Picknick und Sonnenbad verboten: Nur unter strengen Auflagen dürfen die Kalifornier wieder an ihre Strände. Der klare Kurs des Bundesstaats zeigt Erfolge.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Der Wind pfeift ganz schön am malerischen Strand in Santa Monica. Vor der Kulisse des berühmten Riesenrads am Pier freuen sich einige Surfer über den Wellengang. Seit Mittwoch dürfen die Kalifornier wieder offiziell an ihre Strände, allerdings mit Einschränkungen.

Zum Teil haben die Parkplätze an den Stränden noch geschlossen. Lauren, die mit Mann und zwei Kindern unterwegs ist, beklagt sich: "Nur wer in Laufnähe wohnt, kann an den Strand, das macht es etwas schwieriger. Aber wir finden es teilweise auch gut, denn so ist der Strand noch recht leer."

Strand in Kalifornien wieder offen | Bildquelle: AFP
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Wer nicht im Wasser ist, soll einen Mundschutz tragen. Nicht alle Strandbesucher halten sich daran.

Sportliche Aktivitäten erlaubt

Um den Zugang zu den Stränden hatte es heftige Kämpfe gegeben: Demonstranten forderten erbost, dass sie die öffentlichen Strände nutzen wollten. Landkreise verklagten die demokratische Regierung in Kalifornien. 

Die Einschränkungen besagen, dass die Strandbesucher nicht picknicken oder sonnenbaden dürfen. Schilder weisen darauf hin, dass nur sportliche Aktivitäten erlaubt sind: Surfen, Schwimmen, Joggen, Spazierengehen. Und wer nicht baden geht, soll einen Mundschutz tragen.

Maske am Strand - eine Ausnahme

Marcy trägt ein schwarzes Tuch über dem Mund. Sie spaziert am Meer entlang und sammelt kleine Muscheln auf. Mit ihrem Mundschutz gehört sie zur Minderheit am Strand: "Viele Menschen verhüllen sich nicht, das fühlt sich nicht gut an. Meine Mutter ist älter, ich kann sie derzeit nur vom Fenster aus sehen, und ich versuche, so sicher und sauber wie möglich zu bleiben."

Nicht nur am Strand gilt die Vorschrift: Der Bürgermeister von Los Angeles, Eric Garcetti, hat verkündet, dass nun alle Bürger seiner Stadt einen Mundschutz tragen sollten, wenn sie das Haus verlassen: "Einfach gesagt: Nehmen Sie eine Maske mit, wenn Sie das Haus verlassen. Ziehen Sie diese Maske an. Das wird uns mehr Freiheiten verschaffen in der Stadt, und die Zahl der Infektionen nicht nach oben treiben."

Starke Einschränkungen in Kraft

Noch immer sind die Einschränkungen in Kalifornien vergleichsweise stark: Restaurants, Einkaufszentren, Friseure, Nagelsalons und Spielplätze sind nach wie vor geschlossen. Einige Geschäfte dürfen öffnen, müssen ihre Waren aber zur Abholung anbieten. Publikumsverkehr in Innenräumen gibt es nur für Supermärkte oder Baumärkte.

Die Bewegungseinschränkungen könnten noch Wochen anhalten. Die Gesundheitsbeauftragte des Landkreises, Barbara Ferrer, betonte aber, man könne lockern, wenn es angemessen sei.

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Gut besucht: Der Manhattan-Beach in Kalifornien am Tag der offiziellen Öffnung der Strände.

Betont faktenbasiert

Ferrer, der Bürgermeister von Los Angeles Eric Garcetti und Gouverneur Gavin Newsom sind die drei Gesichter, die die Bürger Kaliforniens immer wieder in der Krise sehen. Im Gegensatz zu Donald Trump fallen sie mit einer betont sachlichen Herangehensweise auf. Man wolle strikt auf die Wissenschaft hören und faktenbasiert entscheiden, heißt von allen Seiten.

Nicht allen Bürgern gefällt dieser Kurs: Im demokratisch geprägten Kalifornien gibt es auch Widerstand und Demonstrationen. Der Ruf nach Öffnung kommt aus dem republikanischen Lager. Manchmal wird da auch Bürgermeister Garcetti emotionaler: Es mache ihn wütend, wenn es heiße: "Ach, das sind alte Menschen. Das sind unsere Eltern, Großeltern, unsere Nachbarn, die sterben."

Zahl der Todesfälle vergleichsweise gering

Über 54 Milliarden Dollar Schulden kostet die Pandemie Kalifornien laut jetzigem Stand. Menschen sind arbeitslos, das Gesundheitssystem und die Schulen werden auf lange Sicht weniger Geld erhalten. Das machte der Gouverneur jetzt schon klar. 

Trotzdem sprechen die Zahlen derzeit für die strikte Herangehensweise: Auch wenn die Zahl der gemeldeten Infektionen leicht steigt, sind die Todesfälle mit 3000 Toten auf 40 Millionen Einwohner in Kalifornien vergleichsweise gering. Viel hängt nun davon ab, wie lange die Politik die Bürger motivieren kann, die Bewegungseinschränkungen zu ertragen.

"Ich hoffe, dass die Leute nicht die gute Arbeit kaputtmachen, indem Geschäfte zu früh geöffnet werden", sagt Strandbesucherin Marcy, "sodass nicht all der Verzicht, das Zuhausebleiben sich in Luft auflöst."

Mit Maske und Surfboard: Das "neue Normal" in Kalifornien
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
15.05.2020 08:28 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR AKTUELL im Hörfunk am 15. Mai 2020 um 11:21 Uhr.

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