Geschlossene Seebrücke von Santa Monica | Bildquelle: AFP

Coronavirus in Kalifornien Vom Musterschüler zum Problemkind

Stand: 14.07.2020 05:04 Uhr

Seit die Restriktionen in Kalifornien zum Teil aufgehoben wurden, gibt es einen massiven Anstieg von Covid-19 Fällen. Dabei hatte die Regierung im März noch rigoros reagiert. Nun müssen unter anderem Bars wieder schließen.

Von Katharina Wilhelm, ARD-Studio Los Angeles

Rolle Rückwärts in Kalifornien: Eigentlich hatte der bevölkerungsreichste und wirtschaftlich stärkste Bundesstaat der USA seit Mai langsam begonnen, die Ausgangsbeschränkungen zu lockern, Geschäfte durften wieder aufmachen. Doch die Coronavirus-Fälle nehmen rapide zu. Mehr als 325.000 bestätigte Fälle von Covid-19 gibt es in Kalifornien und insgesamt mehr als 7000 Todesfälle. Das bereitet dem demokratischen Gouverneur Gavin Newsom Sorgen:

"Wir sehen, dass mehr Leute ins Krankenhaus kommen; die Belegung auf Intensivstationen nimmt langsam zu. Und auf Grund unserer Datenlage sehen wir, dass wir unsere Ausgangsbeschränkungen wieder anpassen müssen."

Konkret heißt das: Die Innenbereiche der Restaurants werden geschlossen, ebenfalls Bars, Zoos, Museen. In Bezirken mit besonders vielen Fällen sollen außerdem Kirchen, Friseursalons und Einkaufszentren wieder zumachen.

Kalifornien verschärft Corona-Maßnahmen nach Infektionsanstieg
tagesschau 20:00, 14.07.2020, Verena Bünten, ARD Washington

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Los Angeles besonders betroffen

Besonders der Großraum Los Angeles mit mehr als zwölf Millionen Einwohnern ist betroffen. Was ist schief gelaufen, fragen sich viele Kalifornier, wo doch der Bundesstaat zu Beginn der Pandemie noch als vorbildlich galt, die Kurve zunächst flacher wurde?

Barbara Ferrer, die Direktorin des Gesundheitsamtes in Los Angeles County hat dafür eine Antwort: Corona-Müdigkeit.

"Die Zahl der Bürger, die zu Hause blieben, und nur das Nötigste draußen erledigt haben, ist rasant abgefallen. Im April waren es noch 86 Prozent, jetzt sind es nur noch 58 Prozent. Umfragen zeigen auch, dass die Anzahl der Leute, die mit anderen Menschen außerhalb ihres Haushalts in Kontakt kommen, gestiegen ist. Es ist klar, dass nach Monaten in dieser Pandemie die Menschen viele Regeln missachten, die uns aber helfen, die Verbreitung zu minimieren. So kann es nicht weitergehen!"

Der Journalist und Arzt Alok Patel schätzte gegenüber dem TV Sender ABC 7 ebenfalls ein, dass sich die Bürger bei sozialen Aktivitäten anstecken.

"Die Contact-Tracer, die untersuchen, wo sich Menschen angesteckt haben, konnten dies auf Geburtstags- und Grillparties zurückführen. Es ist wohl beides, die Öffnung der Wirtschaft und Menschen, die die Sicherheitsregeln weniger beachten."

Maskenpflicht gilt bereits

Mitte Juni hatte der Gouverneur erst eine allgemeine Maskenpflicht für alle Bürger Kaliforniens angeordnet - parallel dazu wurde vielen Unternehmen wieder erlaubt, ihre Läden zu öffnen. Wahrscheinlich zu früh, und möglicherweise auch, weil viel Druck ausgeübt wurde. Beispielsweise von Tesla Chef Elon Musk.

In Alameda County hatte sich Elon Musk den Anweisungen widersetzt und seine E-Auto-Produktionsstätte wieder eröffnet. Er beschimpfte die Politik in Kalifornien als "faschistisch" - die Behörden beugten sich letztlich dem Druck, die Fabrik durfte weiter produzieren.

Die Fallzahlen in Alameda County steigen nun auffällig an - und wie die "Washington Post" recherchierte, gab es auch Coronavirus-Fälle innerhalb des Tesla-Werks. Wie viele genau, sei aber unklar.

Präventionsparadox in Kalifornien?

Möglicherweise erlebt Kalifornien das sogenannte Präventionsparadox: Weil der Staat zu Beginn mit einem blauen Auge davon kam,  wächst möglicherweise die Sorglosigkeit. Kühlwägen mit Corona-Leichen und Massenbeerdigungen - diese Bilder gab es in New York, aber nicht an der Westküste. Gouverneur Newsom warnte in seiner Ansprache am Montag vor falschen Schlussfolgerungen.

"Das Virus nimmt sich keinen Sommerurlaub, es geht bei Hitze nicht weg, wie wir sehen. Wir müssen einfach akzeptieren, dass Covid-19 demnächst nicht verschwinden wird."

Ein Großteil der Schulen im Schulbezirk Los Angeles wird im August nicht wieder eröffnen, sondern auf Online-Unterricht setzen, auch dies wurde am Montag bekannt gegeben. Und auch ein Teil der Wirtschaft aus dem Silicon Valley reagiert auf den Anstieg der Coronavirusfälle: Apple beispielsweise hat seine Arbeitnehmer in allen US-Apple Geschäften gebeten, von zu Hause aus zu arbeiten - bis zum Jahresende.

Corona-Krise: Rolle rückwärts in Kalifornien
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
14.07.2020 06:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 14. Juli 2020 um 06:45 Uhr.

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