Hinter einem Auto mit Blaulicht steigen Flammen auf dem Highway 162 in Oroville auf. | Bildquelle: dpa

Brände an US-Westküste 500.000 Menschen droht die Evakuierung

Stand: 12.09.2020 04:18 Uhr

Mehr als eine halbe Million Menschen sind an der US-Westküste aufgerufen, sich angesichts der verheerenden Waldbrände auf Evakuierungen vorzubereiten. Die Zahl der Todesopfer steigt weiter. Meteorologen machen Hoffnung auf eine Abkühlung.

Bei den größten Bränden an der US-Westküste seit Menschengedenken sind mindestens 16 Menschen gestorben, mehr als 500.000 Bewohner betroffener Gebiete sind aufgerufen worden, sich auf Evakuierungen vorzubereiten. Die wirkliche Zahl der Opfer sowie das Ausmaß der Schäden blieben jedoch buchstäblich in Rauch gehüllt, viele Ortschaften in den Bundesstaaten Kalifornien, Oregon und Washington waren durch gigantische Feuerwände von der Außenwelt abgeschnitten.

Begünstigt wurden die Flammen durch starke Winde und eine Hitzewelle. Etwas Hoffnung bietet eine heranziehende Wetterfront mit kühleren Temperaturen. Allein in der Region von Butte im Norden von Kalifornien wurden seit Beginn der Woche zehn Todesopfer entdeckt. Insgesamt starben in den Bränden entlang der Westküste nach Angaben der Behörden mindestens 16 Menschen. Unter ihnen war ein einjähriger Junge, dessen Eltern mit ihm auf der Flucht vor einem gigantischen Feuer östlich von Seattle waren. Seine Eltern erlitten schwere Verbrennungen. Die Behörden warnten, dass weitere Todesopfer zu befürchten seien.

Kampf um Menschenleben

Im Kampf gegen die Flammen in Oregon gehe es nun "vor allem darum, Menschenleben zu retten", erklärte die Feuerwehr des Bundesstaates. Allein in Oregon brennt es derzeit auf mehr als 3600 Quadratkilometern, einer Fläche von der Größe Mallorcas. Bereits fünf Städte wurden weitgehend zerstört. 

Nach Angaben von Gouverneurin Kate Brown ging innerhalb von 72 Stunden zweimal so viel Land in Flammen auf wie durchschnittlich innerhalb eines Jahres. "Wir haben noch nie so viele unkontrollierte Brände in unserem Bundesstaat erlebt." In der Stadt Molalla ging die Polizei von Tür zu Tür, um sicher zu gehen, dass die Bewohner ihre Häuser verließen. "Es ist furchtbar, das ist mein Zuhause", sagte Denise Pentz, die seit elf Jahren in der Stadt wohnt, während sie die Sachen ihrer Familie in einen Wohnwagen lud. "Es ist eine Sache, wenn man aus seinem Haus auszieht. Es ist etwas ganz anderes, wenn man gesagt bekommt, dass man es verlassen muss." Aber wichtiger seien letztlich ihre Babys, ihr Mann und die Haustiere - "und dass alle meine Nachbarn sicher rausgekommen sind". 

Brände schließen sich zusammen

In Kalifornien wiederum verbrannten bis Freitagmorgen mehr als zehntausend Quadratkilometer Land. Am Donnerstag hatten sich mehrere Brände zum größten Wald- und Buschfeuer zusammengeschlossen, das der Bundesstaat jemals gesehen hat. Hohe Temperaturen und trockener Wind fachen den Brand an, der auf einer Fläche von fast 2000 Quadratkilometern wütete. 

Kaliforniens Gouverneur Gavin Newsom machte den betroffenen Menschen sowie den 20.000 im Einsatz befindlichen Feuerwehrkräften an der Westküste Hoffnung, da das Wetter "zu kooperieren" beginne. Vorausgesagt werden nachlassender Wind sowie etwas Regen in den kommenden Tagen.

Kalifornien, Oregon und Washington kämpfen seit dem vergangenen Wochenende mit den sich schnell ausbreitenden Waldbränden, die von einer beispiellosen Hitzewelle und trockenen Winden verstärkt werden. Busch- und Waldbrände haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen, wofür Experten die Erderwärmung mitverantwortlich machen. Beim bisher folgenschwersten Waldbrand der kalifornischen Geschichte waren im November 2018 in Norden des Bundesstaats 86 Menschen ums Leben gekommen.

Brände in Kalifornien mit traurigem Rekord
Katharina Wilhelm, ARD Los Angeles
12.09.2020 09:34 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 11. September 2020 die tagesschau um 09:00 Uhr sowie am 12. September 2020 tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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