Feuerwehrleute beobachten in Kalifornien die Brände | AP

Brände in Kalifornien Mehr als 100.000 Menschen auf der Flucht

Stand: 22.08.2020 19:53 Uhr

140.000 Menschen mussten ihre Häuser verlassen - und erst zehn Prozent der Brände sind gelöscht: In Kalifornien kämpfen Feuerwehrleute weiter gegen die verheerenden Feuer. Dazu kommt die Angst vor Corona.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles

Rebecca und Jim Barns aus Vaccaville, die gut 80 Kilometer nordöstlich von San Francisco leben, haben alles verloren. Innerhalb weniger Stunden ist ihr 370 Quadratmeter großes Haus niedergebrannt. "Es ist einfach nur traurig", sagt Jim Barns. "Mein Haus ist zerstört worden in der Nacht, als wir fliehen mussten. Das Feuer ist ein gemeiner Teufel. Man denkt, man könnte es kontrollieren, aber das geht nicht."

Marcus Schuler ARD-Studio Los Angeles

Die Feuer in Kalifornien haben eine Dimension erreicht, wie es sie noch nie gegeben hat. Und die Feuersaison beginnt eigentlich erst im Oktober. Eine Fläche von der Größe des Saarlands ist bislang von den Flammen zerstört worden.

Besonders dramatisch ist die Lage in den Santa Cruz Mountains. Das ist eine sehr bergige Region zwischen Silicon Valley und der Pazifik-Küste. "Wir haben nur begrenzte Ressourcen, wir sind jetzt bei Tag sieben", sagt der dortige Feuerwehrchef. "Mehr als 60.000 Einwohner mussten hier ihre Häuser verlassen. Sorge bereitet uns das Wetter der nächsten Tage. Wir bitten alle, wachsam zu sein."

Angst vor Covid-19

Feuerwehren aus den ganzen USA und Kanada haben sich auf den Weg nach Kalifornien gemacht. Rund 140.000 Menschen mussten in der Bay Area ihre Häuser verlassen. Das Rote Kreuz habe Notunterkünfte eingerichtet, sagt Patrick McKenna von der Hilfsorganisation. Er mache diesen Job jetzt 29 Jahren. "Die ersten 48 Stunden einer Notunterkunft sind immer chaotisch. Wegen Covid-19 haben wir die Flächen hier verdoppelt und verdreifacht. Das bedeutet, unsere Aufnahmekapazitäten sind um 50 Prozent reduziert."

Viele nutzen diese Angebote aber nicht - aus Angst vor einer Ansteckung mit Covid-19. Die Menschen übernachten in Autos oder sind zu Verwandten aufgebrochen.

Erst gut zehn Prozent der Brände gelöscht

Auslöser für die Feuer waren dieses Mal nicht umgestürzte Strommasten, sondern extreme Wetterbedingungen: Anfang der Woche hatte ein Mix aus subtropischer Luft und tagelanger extremer Hitze mit Temperaturen von über 40 Grad für heftige Gewitter gesorgt. Als die sich über der Region rund um San Francisco entluden, zählten Meteorologen 12.000 Blitze in 72 Stunden.

Erst gut zehn Prozent der mehr als 560 Feuer sind gelöscht. Meteorologen haben für die kommenden Tage eine neue Hitzewelle mit Gewittern angekündigt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. August 2020 um 18:00 Uhr.