Eine israelische Raketenabwehr startet, um eine aus dem Gazastreifen abgefeuerte Rakete abzufangen. | dpa

Nahost-Konflikt Raketen auf Gaza, Raketen auf Jerusalem

Stand: 07.08.2022 13:57 Uhr

Der gegenseitige Beschuss von Israel und Islamischem Dschihad geht weiter. Erstmals wurde dabei auch Jerusalem Ziel eines Angriffs. Mit Sorge wird auch auf die Entwicklung am Tempelberg geblickt.

Von Julio Segador, ARD-Studio Tel Aviv 

Nach einer fünfstündigen Waffenruhe in der Nacht flogen im Morgengrauen erneut Raketen. Erstmals seit Beginn der Angriffe wurde dabei auch Jerusalem Ziel des Islamischen Dschihads.

Julio Segador ARD-Studio Tel Aviv

Mehrere Raketen wurden vom israelischen Abwehrschutzschild - der sogenannten Eisernen Kuppel - in Vororten der Hauptstadt des Landes abgefangen. An anderen Orten gingen dennoch Raketen mit voller Wucht nieder. Die Anwohner blieben meist unverletzt, sie hatten nach dem Raketenalarm im Schutzbunker Zuflucht gesucht.

Auch Israel setzt Beschuss fort

Auch das israelische Militär setzt seit dem Morgen seinen Beschuss in Gaza fort. Dabei wurden vor allem Ziele im Norden des Gazastreifens beschossen. Nach Angaben der palästinensischen Autonomiebehörde gab es dabei bei Detonationen zwei weitere Todesopfer. Israelische Behörden gehen aber davon aus, dass beide durch eine fehlgeleitete Rakete des Islamischen Dschihads getötet wurden. Was kein Einzelfall zu sein scheint, wie Israels Militärsprecher Richard Hecht betont:

Der Islamische Dschihad missachtet die eigene Bevölkerung komplett. Etwa ein Drittel ihrer abgeschossenen Raketen landen innerhalb des Gazastreifens und bedrohen die eigene Bevölkerung.

Man wolle keine Eskalation der Situation. Die Sicherheit der Bevölkerung sei das wichtigste, ergänzte Hecht.

Verwandte trauern um ihren palästinensischen Angehörigen. Er wurde in einem Flüchtlingslager im nördlichen Gazastreifen getötet. | AFP

Verwandte trauern um einen jungen Palästinensers, der in der Nacht im nördlichen Gazastreifen getötet worden war. Bild: AFP

Zahl der Todesopfer steigt weiter

Insgesamt ist damit die Zahl der Todesopfer seit Beginn der Kampfhandlungen am Freitag auf rund 30 gestiegen, darunter sind auch einige Kinder. Mehr als 250 Menschen wurden verletzt.

Am Morgen äußerte sich Ministerpräsident Jair Lapid zur aktuellen Lage. Er betonte erneut, die Militäraktion so lange wie nötig fortzusetzen. Israel handle dabei verantwortungsbewusst, um den Schaden für Unbeteiligte so gering wie möglich zu halten.

Karte Israel mit Westjordanland und Gazastreifen

Lapid und Netanyahu klären Sicherheitsfragen

Lapid traf sich dabei am Vormittag auch mit Oppositionsführer und Ex-Premier Benjamin Netanyahu. In dem Gespräch erörterten beiden Politiker zentrale Sicherheitsfragen. In einem Statement betonte Netanyahu, er unterstütze die Regierung und die Militärführung des Landes vollständig.

Und: Er habe dem Ministerpräsidenten zudem mit Blick auf seine politische Erfahrung zahlreiche Ratschläge gegeben - eine heikle Aussage, die den Ministerpräsidenten nicht gut aussehen lässt. Beide - Netanyahu und Lapid - sind bei der Parlamentswahl am 1. November die größten Konkurrenten.

Nationalreligiöse Juden am Tempelberg

Mit Spannung wird derzeit auch die Entwicklung am Tempelberg beobachtet: An dem heutigen jüdischen Feiertag, der an die Zerstörung der beiden jüdischen Tempel erinnert, gehen nationalreligiöse Juden traditionell auf den Tempelberg, was für die muslimische Bevölkerung eine Provokation darstellt.

Unter dem Protest muslimischer Einwohner Jerusalems beteiligte sich auch der umstrittene rechtsradikale Abgeordnete Ben Gvir an dem Marsch über den Tempelberg. Unklar ist derzeit, wie die islamistische Hamas auf diese - aus ihrer Sicht - Provokation reagieren wird.

Juden beten in der Nähe der Tür der Al-Aksa-Moschee in der Altstadt während des jüdischen Fasten- und Trauertags Tischa BeAv | dpa

Juden beten in der Nähe der Tür der Al-Aksa-Moschee in der Altstadt während des jüdischen Fasten- und Trauertags Tischa BeAv. Bild: dpa

Hamas hält sich weiterhin raus

Noch hat sich die Hamas, die in Gaza das Sagen hat, nicht an Kampfhandlungen beteiligt. Nicht zuletzt davon hängt es ab, ob dieser Konflikt zwischen Israel und dem Islamischen Dschihad noch weiter eskalieren könnte.

Im Hintergrund bemühen sich vor allem Ägypten, Katar und die Vereinten Nationen um eine Beendigung der Kampfhandlungen. In New York soll sich morgen der UN-Sicherheitsrat mit der Krise beschäftigen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 07. August 2022 um 14:00 Uhr.