Selbstmordanschlag in Kabul | Bildquelle: AP

Afghanische Hauptstadt 25 Tote bei Doppelanschlag in Kabul

Stand: 30.04.2018 16:13 Uhr

Bei mehreren Anschlägen in Afghanistan sind zahlreiche Menschen getötet worden, darunter viele Journalisten. Allein in Kabul starben 25 Menschen bei einem Doppelanschlag, den der IS für sich reklamierte.

Bei einem Doppelanschlag in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 25 Menschen getötet worden. Mindestens 45 Menschen seien verletzt worden, teilte die Polizei mit und korrigierte damit vorherige Angaben des Gesundheitsministeriums erneut nach oben.

Beide Anschläge hätten sich in der Nähe des Sitzes des Geheimdienstes NDS ereignet, sagte der Chef der Kabuler Notfalldienste, Mohammad Assim. In dem Viertel Schasch Darak befinden sich auch das NATO-Hauptquartier in Afghanistan sowie mehrere Botschaften. Der zweite Anschlag - nur wenige Minuten später - sollte Menschen treffen, die Opfern des ersten zu Hilfe eilten.

AFP-Cheffotograf getötet

Unter den Toten sind nach Angaben von "Reporter ohne Grenzen" mindestens neun Journalisten - sie wurden offenbar gezielt als Opfer des zweiten Anschlags ausgewählt. Unter ihnen ist auch der AFP-Fotograf Shah Marai. Er war Cheffotograf der französischen Nachrichtenagentur in dem Land, wie das Unternehmen bestätigte.

Nach dem ersten Selbstmordanschlag waren er und zahlreiche andere Reporter zum Anschlagsort geeilt. Als sich dort ein zweiter Selbstmordattentäter inmitten von Journalisten in die Luft sprengte, wurde der Fotograf tödlich verletzt. Sechs weitere Journalisten wurden verletzt.

Der zweite Attentäter hatte sich laut Berichten als Journalist ausgegeben und eine Kamera getragen. Die Bombe explodierte, als Helfer sich um die Verletzten des ersten Anschlags kümmerten.

AFP-Cheffotograf Shah Marai wurde bei dem Anschlag in Kabul getötet. | Bildquelle: AFP
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AFP-Cheffotograf Shah Marai wurde bei dem Anschlag in Kabul getötet.

BBC-Reporter bei weiterem Angriff getötet

Bei einem weiteren Attentat in der Provinz Chost im Osten Afghanistans wurde ein BBC-Reporter getötet. In einer in Kabul veröffentlichten Mitteilung informierte der Sender über den Tod des afghanischen Reporters Ahmad Shah, 29. Er habe seit über einem Jahr für das afghanische Angebot der BBC gearbeitet, hieß es. Laut einem Sprecher der Provinz Chost wurde Shah erschossen.

Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte den Doppelanschlag in Kabul über Propagandakanäle im Internet für sich. In Afghanistan verüben sowohl die Taliban als auch der örtliche Ableger des IS regelmäßig Anschläge.

Weitere Attacke in Kandahar

Auch in einem anderen Ort in Afghanistan verübten Islamisten einen Anschlag. Ein Selbstmordattentäter in der Provinz Kandahar riss gegen Mittag mindestens elf Kinder nahe einer Moschee mit in den Tod. In der Provinz Nangarhar wurde ein Polizeimitarbeiter getötet. Mehrere Menschen wurden verletzt, darunter fünf NATO-Soldaten und zwei Polizisten. Die getöteten Kinder besuchten offiziellen Angaben zufolge eine am Explosionsort gelegene Religionsschule und hatten sich um den Konvoi geschart.

Erneuter Anschlag in Kabul

Erst vor gut einer Woche hatten Islamisten einen Anschlag in Kabul verübt und dabei 57 Menschen getötet sowie mehr als 100 verletzt. Der Selbstmordattentäter hatte vor einem Wählerregistrierungszentrum Zivilisten angegriffen, die sich zum Erhalt von Ausweisen versammelt hatten.

Anschlag in Kabuls Stadtzentrum
Jürgen Webermann, ARD Neu-Delhi
30.04.2018 08:29 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. April 2018 um 07:00 Uhr.

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