Sicherheitskräfte in Kabul

Terrororganisation "Islamischer Staat" Mehr als 80 Tote bei Anschlag in Kabul

Stand: 23.07.2016 16:59 Uhr

Bei einer Demonstration in Kabul haben sich nach offiziellen Angaben zwei Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt. Mindestens 80 Menschen wurden getötet. Es gab viele Verletzte. Der "Islamische Staat" bekannte sich zu dem Anschlag.

Zwei Selbstmordattentäter haben sich am Samstag in der afghanischen Hauptstadt Kabul bei einer Demonstration von Schiiten in die Luft gesprengt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums wurden dabei mindestens 80 Menschen getötet und 231 verletzt. Die Opfer sind überwiegend Zivilisten.

Während die Taliban bestreiten, für den Anschlag verantwortlich zu sein, bekannte sich die Terrororganisation "Islamische Staat" dazu. Das meldete die IS-nahe Nachrichtenagentur Amaq. Die beiden Selbstmordattentäter hätten sich in einer Menge von Schiiten mit Sprengstoffgürteln in die Luft gesprengt, so Amaq.

Amerikanische Militärkreise gehen von bis zu 3000 IS-Kämpfern in Afghanistan aus. Dabei handele es sich in großen Teilen um abtrünnige Taliban-Kämpfer, die sich nach dem Tod von Taliban-Gründer Mullah Omar von der Bewegung losgesagt haben.

Mindestens 80 Menschen sterben bei Anschlag auf Demonstration in Kabul
tagesschau 20:00 Uhr, 23.07.2016, Gabor Halasz, ARD Neu-Delhi

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Detonationen während einer Demonstration

Die Detonationen ereigneten sich während einer Demonstration auf einem zentralen Platz in Kabul. Dort hatten sich Angehörige der Hazara-Volksgruppe zu Protesten gegen eine Stromleitung versammelt. Mehr als 10.000 Menschen hatten an der Demonstration teilgenommen.

"Erst dachten wir, das sei eine Minen-Explosion, aber als ich das Areal erreichte, wurde mir klar, dass es eine Selbstmordattacke mit einem Auto war", sagte ein Demonstrant, der sich in der Nähe aufgehalten hatte. Kabul war für den Protestmarsch weitgehend abgeriegelt worden. Die Polizei blockierte wichtige Zufahrtsstraßen mit Lastwagen und Containern, um die Teilnehmer von der Innenstadt fernzuhalten.

Verletzter mit Verband um das linke Beim
galerie

Afghanen helfen einem verletzen Mann nach der Explosion. Krankenhäuser in Kabul bitten um Blutspenden für die vielen Verletzten.

Präsident Aschraf Ghani verurteilte den Anschlag. "Friedliche Demonstrationen sind das Recht jeden Bürgers von Afghanistan und die Regierung wird alles ihr Mögliche tun, sie zu sichern", erklärte Ghani. Amnesty International erklärte: "Solche Angriffe sind eine Erinnerung, dass der Konflikt in Afghanistan nicht zu Ende geht, wie manche es glauben, sondern eskaliert."

Mehrere Angriffe auf Hazara-Minderheit

Die Hazara machen etwa 15 Prozent der geschätzten 30 Millionen Menschen in Afghanistan aus und gelten als arme, oft diskriminierte Minderheit. Viele Hazara sind schiitische Muslime, während in Afghanistan insgesamt Sunniten in der Überzahl sind.

In den vergangenen Monaten sind sie mehrmals von sunnitischen Extremisten angegriffen worden. So haben die Taliban mehrfach Reisebusse und Autos gestoppt, um Hazara-Angehörige zu entführen oder zu töten.

Protestanten mit Schirmen und einem großen Banner
galerie

Angehörige der Minderheit Hazara demonstrieren für die Verlegung einer großen Stromtrasse. Die Hazara sind eine persischsprachige Minderheit und meist schiitische Muslime.

Demonstration gegen Umleitung einer Stromtrasse

Bei der Demonstration protestierten Hazara-Mitglieder gegen ihre Diskriminierung. Sie werfen der Regierung vor, die ursprünglich durch ihre Siedlungsgebiete geplante Stromtrasse Tutap absichtlich umzuleiten, damit andere Bevölkerungsgruppen von dem Millionenprojekt profitieren können.

Tutap gilt als wichtiges Entwicklungsprojekt, da derzeit weniger als 40 Prozent der Afghanen einen Stromanschluss haben. Fast 75 Prozent der Elektrizität wird importiert. Die Hazara befürchten, dass die Umleitung der neuen Stromtrasse ihre soziale und wirtschaftliche Benachteiligung in Afghanistan zementiert.

Planer erklären die Verlegung der Strecke mit Kostengründen. Die Hazara beharren jedoch auf der ursprünglichen Route durch das arme Bamian. Im Mai hatten Zehntausende schon einmal für dieses Ziel demonstriert.

Mit Informationen von Sandra Petersmann, ARD-Studio Neu-Delhi

Kabul - Tote und Verletzte nach Terroranschlag auf Demonstration
S. Petersmann, ARD Neu-Delhi
23.07.2016 16:27 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Darstellung: