Joshua Wong wird von uniformierten Kräften aus dem Gefängnis in Hongkong entlassen. | Bildquelle: AFP

Proteste aus Hongkong Aktivist Wong vorzeitig aus Haft entlassen

Stand: 17.06.2019 07:37 Uhr

Die Massenproteste in Hongkong gehen weiter, aber inzwischen hält sich die Polizei zurück. Zeitgleich wurde der führende Aktivist Joshua Wong vorzeitig aus der Haft entlassen.

Seit Tagen demonstrieren Hunderttausende in Hongkong. Nun ist Joshua Wong, einer der führenden Köpfe der Demokratiebewegung, vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Der 22-jährige ehemalige Studentenführer sollte wegen seiner Rolle in der "Regenschirm"-Bewegung 2014 eigentlich eine zweimonatige Haftstrafe absitzen. Aber nun wurde er einen Monat früher aus dem Gefängnis entlassen.

Die Demonstrationen für mehr Demokratie vor fünf Jahren hatten wochenlang Teile der chinesischen Sonderverwaltungsregion lahmgelegt. Die Bewegung bekam ihren Namen von den Regenschirmen, die gegen die Sonne und das Pfefferspray der Polizei eingesetzt worden waren. Seither hat die kommunistische Führung in Peking die Zügel straffer gezogen.

Vor Reportern kündigte Wong kurz nach seiner Entlassung an, sich auch an den aktuellen Protesten in der halbautonomen Sonderverwaltungszone zu beteiligen. Damit meint er die Massenprotesten der vergangenen Tage gegen das Gesetz für Auslieferungen an China. Obwohl Regierungschefin Lam das Gesetz am Samstag ausgesetzt hat und sich auch bei den Hongkongern für ihr Vorgehen entschuldigte, ist die Verärgerung unter den sieben Millionen Einwohnern der asiatischen Wirtschafts- und Finanzmetropole noch immer groß.

Polizei hält sich zurück

Am Sonntag waren mehr als eine Million Menschen aus Protest gegen die Regierung auf die Straße gegangen. Auch am Montag ging die Protestaktion weiter - wenn auch kleiner. So blockierten Dutzende Demonstranten eine mehrspurige Hauptverkehrsstraße nahe des Regierungssitzes, indem sie auf dem Boden saßen oder lagen. Die Polizei hielt sich in ihrem Vorgehen zurück: Statt - wie vor einer Woche - mit Tränengas und Wasserwerfern gegen die Demonstranten vorzugehen, baten sie um Kooperation. Die Leute könnten auf den Bürgersteigen bleiben, sollten die Straßen aber freimachen. Das verweigerten die Demonstranten Medienberichten zufolge zunächst, verließen schlussendlich dann aber doch die Straße.

Demonstranten, die für Demokratie einstehen, liegen aus Protest auf einer Hauptstraße in Hongkong. | Bildquelle: dpa
galerie

Demonstranten, die für Demokratie einstehen, liegen aus Protest auf einer Hauptstraße in Hongkong.

Der Streit um das Auslieferungsgesetz hat Hongkong in die größte politische Krise seit langem gestürzt. Das Gesetz würde Hongkongs Behörden erlauben, von China verdächtigte Personen an die Volksrepublik auszuliefern. Kritiker warnen, Chinas Justiz sei nicht unabhängig und diene als Werkzeug der politischen Verfolgung. Auch drohten Folter und Misshandlungen.

In Hongkong gelten Sonderrechte

Die Proteste sollen nach dem Willen der Organisatoren andauern, bis das Gesetz vollständig zurückgezogen wird. Die Gewerkschaft der Sozialarbeiter hat für Montag zu Arbeitsniederlegungen aufgerufen.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe an China 1997 nach dem Grundsatz "ein Land, zwei Systeme" als eigenes Territorium autonom regiert. Anders als die Menschen in der Volksrepublik genießen die Hongkonger nach dem Grundgesetz der chinesischen Sonderverwaltungsregion das Recht auf freie Meinungsäußerung sowie Presse- und Versammlungsfreiheit.

Nach Protestmarsch in Hongkong - Joshua Wong aus Haft entlassen
Axel Dorloff, ARD Peking, zzt. Hongkong
17.06.2019 07:47 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Juni 2019 um 09:00 Uhr.

Darstellung: