Josephine Baker (Archivbild: 27.11.1973) | AFP

Zeremonie in Paris Josephine Baker zieht ins Panthéon ein

Stand: 30.11.2021 18:38 Uhr

Sie war Tänzerin, Widerstandskämpferin und Bürgerrechtlerin: Seit heute hat Josephine Baker einen Platz im Pariser Panthéon. Sie ist die erste schwarze Frau in Frankreichs nationaler Ruhmesstätte.

Das Pariser Panthéon, in dem die Helden und Heldinnen Frankreichs ihre letzte Ruhestätte finden, würdigt erstmals auch eine schwarze Frau: die Tänzerin, Widerstandskämpferin und Bürgerrechtlerin Josephine Baker.

Zumindest symbolisch erhielt die einstige Königin der Tanzhallen heute posthum die Ehre, an der Seite von gefeierten Franzosen und Französinnen wie Voltaire, Alexandre Dumas oder Marie Curie in die Heldenhalle einzuziehen.

Bei der "Pantheonisierung" wurden allerdings nicht die sterblichen Überreste Bakers nach Paris gebracht. Diese bleiben auf Wunsch der Familie in Monaco. Stattdessen gibt es im Panthéon einen Sarg mit Erde aus den Ländern, die in Bakers schillerndem Leben die zentrale Rolle spielten. In dem Sarg befindet sich je eine Handvoll Erde aus ihrer amerikanischen Heimat, aus Paris, der Dordogne und aus Monaco.

Ein Sarg mit Erde aus den USA, Frankreich und Monaco wird im Pantheon in Paris niedergelegt. | AP

Über einen roten Teppich zum Pariser Panthéon: In dem Sarg befindet sich Erde von vier Orten, an denen Baker gelebt hat. Bild: AP

Botschaft gegen Rassismus

Die Würdigung wurde angestoßen durch eine Petition und entschieden von Präsident Emmanuel Macron. Sie gelte einer außergewöhnlichen Frau der französischen Geschichte, solle aber zugleich als Botschaft gegen den Rassismus verstanden werden und die französisch-amerikanische Beziehung unterstreichen, hieß es.

Bereits am Montagabend wurde in New York zu Ehren Bakers das Empire State Building in den Farben Frankreichs beleuchtet. Ab Einbruch der Dunkelheit erstrahlte der obere Teil des berühmten US-Wolkenkratzers in blau, weiß und rot. Es handele sich um eine Würdigung für die "erste schwarze Frau, die in die Ruhmeshalle aufgenommen wurde", hieß es auf dem Twitter-Account des 102-stöckigen Gebäudes.

Auftritt in zahlreichen Shows

Baker, geboren 1906 in St. Louis (USA) als uneheliche Tochter einer Waschfrau und eines Spaniers, wuchs in ärmlichen Verhältnissen auf. Sie arbeitete zunächst als Hausangestellte und schaffte es dann als Tänzerin nach Paris. 1925 wurde sie in der französischen Hauptstadt zum Star. Nur mit einem "Bananenrock" bekleidet eroberte sie im Théatre des Champs Elysées das Publikum. Später trat sie als Sängerin und Schauspielerin in Erscheinung.

Wichtige Rolle im Zweiten Weltkrieg

Ab 1939 spielte Baker eine wichtige Rolle im Widerstand gegen die Besatzer während des Zweiten Weltkriegs. Sie nutzte ihren Status als Künstlerin, um der französischen Armee vertrauliche Informationen zuzuspielen.
Sie spionierte im Auftrag der alliierten Streitkräfte und übergab auf ihren internationalen Reisen geheime Dokumente, die mit unsichtbarer Tinte auf Partituren geschrieben waren.

Charlie Chaplin gratuliert Josephine Baker nach einem Auftritt. (Archivbild: 20.05.1953) | AP

Gratulation von Charlie Chaplin nach einem Auftritt: Josephine Baker 1953. Bild: AP

Frankreich habe sie zu dem gemacht, was sie sei, und sie werde dafür ewig dankbar sein, hatte Baker einst dem Offizier Jacques Abtey gesagt. Die Pariser hätten ihr alles gegeben, vor allem ihr Herz. Sie sei deshalb bereit, ihnen ihr Leben zu geben. Eines ihrer bekanntesten Lieder, "J'ai deux amours", handelt von ihren beiden Lieben: ihrem Land und Paris. 

Adoption als Symbol für Toleranz

Zurück in den USA wurde Baker Opfer der rassistischen Diskriminierung von Schwarzen im öffentlichen Leben. Anfang der 1960er-Jahre reiste sie erneut nach Amerika, um die Bürgerrechtsbewegung von Martin Luther King zu unterstützen. Sie adoptierte zwölf Kinder unterschiedlicher Herkunft und Religion als Symbol für Toleranz. Baker starb im April 1975 in Paris im Alter von 68 Jahren. Begraben wurde sie in Monaco.

Das Datum für den Einzug in den Pariser Ruhmestempel wurde nicht zufällig gewählt, denn am 30. November 1937 hatte Baker den jüdischen Industriellen Jean Lion geheiratet, wodurch sie Französin wurde.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. November 2021 um 20:00 Uhr.