Boris Johnson auf Wahlkampftour im Juli in Wales | Bildquelle: AP

Reise von Premier Johnson Brexit und walisische Schafe

Stand: 30.07.2019 15:26 Uhr

Wales stimmte im Referendum mehrheitlich für den Brexit. Trotzdem muss sich Premier Johnson auf schwierige Gespräche einstellen. Wie so oft geht es um Geld - und um die Zukunft der walisischen Schafe.

Rund 743 Millionen Euro: So viel Fördermittel bekam Wales nach Berechnungen der Walisischen Nationalversammlung pro Jahr aus dem EU-Haushalt. Knapp 300 Millionen Euro davon erhalten die dortigen Landwirte als Direktzahlungen - noch. Auch deshalb muss sich Boris Johnson, frisch gebackener Premierminister des Vereinigten Königreichs, auf einen stürmischen Besuch einstellen.

Bereits vor der Ankunft Johnsons twitterte der walisische Regierungschef Mark Drakeford, wie katastrophal sich der EU-Ausstieg auf die Landwirtschaft und die Industrie auswirken werde.

Schafe schlachten nach dem EU-Ausstieg?

Johnson wirbt derzeit bei Besuchen fernab der Hauptstadt London für seinen Brexit-Kurs. Er verspricht, die Landwirte nach dem EU-Austritt besserzustellen. Doch die wiederholte Ankündigung eines ungeregelten EU-Austritt stießen in Wales umgehend auf Kritik.

Viele Landwirte befürchten wirtschaftliche Nachteile, wenn Großbritannien die EU ohne ein Abkommen verlässt. Möglicherweise müssten Millionen von Schafen geschlachtet werden, wenn Zölle gegen Lammfleisch-Exporte in die EU verhängt würden, argumentieren sie. Nach Angaben der Bauerngewerkschaft werden 40 Prozent der Schafprodukte exportiert.

Johnson hält dagegen: Wenn Großbritannien die EU und deren Politik zur gemeinsamen Landwirtschaft verlasse, werde dies neue Märkte für britische Agrarexporte öffnen.

Weniger Ärger hat der Politiker bei den örtlichen Fischern zu erwarten. Sie haben mit großer Mehrheit für den Brexit gestimmt. Insgesamt befürwortete bei dem Referendum 2016 die Mehrheit der Waliser einen EU-Austritt.

Buh-Rufe in Schottland

Anders war es in Schottland, dessen Bürger sich mehrheitlich für einen Verbleib in der Europäischen ausgesprochen hatten. Dort war Johnson gestern von Demonstranten ausgebuht worden. Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon warnte, dass sein Versprechen, Großbritannien am 31. Oktober mit oder ohne Abkommen aus der EU zu nehmen, gefährlich sei. Dies könnte in die "Katastrophe" führen.

Über dieses Thema berichtete MDR Info am 30. Juli 2019 um 14:36 Uhr.

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