Boris Johnson spricht auf einer Wahlveranstaltung, einen Abend, bevor die Abgeordneten der Partei im Unterhaus erstmals über ihren neuen Parteichef abstimmen. | Bildquelle: REUTERS

Zweiter Wahlgang bei Tories Johnson weiter Favorit auf May-Nachfolge

Stand: 18.06.2019 22:00 Uhr

Der britische Ex-Außenminister Johnson bleibt Favorit im Rennen um die Nachfolge von Premierministerin May an der Partei- und Regierungsspitze. Auch im zweiten Wahlgang der Fraktion lag er vorne.

Die britischen Konservativen setzen offenbar weiter auf Boris Johnson als Nachfolger von Theresa May. Bei der zweiten Runde zur Wahl des neuen Vorsitzenden der konservativen Partei Großbritanniens erhielt der Brexit-Hardliner 126 Stimmen von den insgesamt 313 Tory-Abgeordneten im Unterhaus.

Der derzeitige Außenminister Jeremy Hunt landete mit deutlichem Abstand hinter Johnson auf Platz zwei. Er erhielt 46 Stimmen. Für Umweltminister Michael Gove stimmten 41 Abgeordnete. Auf Entwicklungsminister Rory Stewart entfielen 37 Stimmen - fast doppelt so viele wie vergangene Woche. Er gilt als gemäßigt und EU-freundlich. Innenminister Sajid Javid kam auf 33 Stimmen. Drei Stimmen weniger erhielt Ex-Brexit-Minister Dominic Raab. Er schied damit aus.

Das heißt, dass von sechs Bewerbern in der Runde jetzt noch fünf dabei sind.

Fernsehduell der Kandidaten

Der Gewinner Johnson war mit 114 von 313 Stimmen bereits als klarer Sieger aus dem ersten Wahlgang hervorgegangen. Er gilt als Charismatiker. Kritiker werfen ihm jedoch auch einen gewissen Dilettantismus vor.

Mit Fernsehauftritten hielt sich Johnson zuletzt zurück. Erstmals nahm er am Abend an einem Fernsehduell der fünf Kandidaten für die May-Nachfolge in der BBC teil.

Weitere Wahlgänge noch diese Woche

Die Abgeordneten wählen erneut am Mittwoch und Donnerstag. Die Abstimmungen gehen so lange weiter, bis nur noch zwei Kandidaten übrig sind. Diese müssen sich dann dem Votum der rund 160.000 Parteimitglieder stellen.

Das Wahlergebnis soll Ende Juli bekannt gegeben werden. Bis zu diesem Zeitpunkt bleibt May geschäftsführend im Amt. May war als Tory-Chefin zurückgetreten, nachdem sie in ihrer Partei über Monate keinen ausreichenden Rückhalt für ihren Brexit-Kurs erhalten hatte.

Boris Johnson | Bildquelle: ANDY RAIN/EPA-EFE/REX
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Boris Johnson kündigte an, er würde die Austrittsrechnung Großbritanniens nicht begleichen, bis die EU besseren Austrittskonditionen zustimme.

Brexit - mit oder ohne Abkommen

Johnson hatte nach dem Rücktritt Mays versprochen, dass Großbritannien die EU am 31. Oktober verlassen werde - egal ob mit oder ohne Abkommen. Bei seinem offiziellen Wahlkampfauftakt für den Posten des Parteivorsitzenden in der vergangenen Woche hatte er gemäßigtere Töne angeschlagen und einen Brexit ohne Abkommen als "letzten Ausweg" bezeichnet.

Der ehemalige Londoner Bürgermeister hatte zudem angekündigt, er würde die Austrittsrechnung Großbritanniens nicht begleichen, bis die EU besseren Austrittskonditionen zustimme. Dem aktuellen Brexit-Abkommen zufolge müsste Großbritannien schätzungsweise 40 bis 45 Milliarden Euro zahlen. Brüssel pocht auf die Milliardenzahlung auch im Falle eines "No Deals".

Boris Johnson ohne Glanz in TV-Debatte - aber weiter klarer Favorit
Jens-Peter Marquardt, ARD London
18.06.2019 23:46 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juni 2019 um 20:00 Uhr.

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