Boris Johnson besucht eine Hühnerfarm in Wales | Bildquelle: AP

Schottland und Wales Johnson buhlt vergeblich

Stand: 30.07.2019 20:47 Uhr

Auch wenn Johnson jetzt die Schotten und Waliser mit Geld locken will: Sein Brexit-Kurs überzeugt dort nicht. Optimismus herrscht derzeit fast nur bei der Regierung in London.

Eine Analyse von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Buhrufe in Schottland, Gegenwind in Wales: Käpt'n Johnson ist in unruhigen Gewässern unterwegs bei seinen Antrittsbesuchen. Sein Versprechen, am liebsten mit Abkommen aus der EU auszutreten und den No-Deal-Brexit nur für den äußersten Notfall vorzubereiten, glaubt ihm dort niemand. Jeder kann sehen, dass sich die Regierung in London ganz auf einen harten Austritt konzentriert, Besuche in Brüssel, Berlin und Paris sind erstmal nicht geplant.

Kein Konzept für die Einheit

Die Anhänger seiner Tories kann Boris Johnson mit diesem Kurs mobilisieren, damit kann er sie von der Brexit-Partei weglocken. Aber das Land gewinnen oder gar einen kann er so nicht. Und die Kollateralschäden seines Crash-Kurses sind enorm. Die Hälfte der Schotten glaubt, dass sein Vorgehen eine schottische Unabhängigkeit wahrscheinlicher macht, ihr Land also aus dem Vereinigten Königreich heraustreiben könnte.

Das ist zwar wenig wahrscheinlich, denn die Schotten hängen gewissermaßen am Fliegenfänger: Wenn Großbritannien als Ganzes die EU am 31. Oktober verlässt, dann mit ihnen, den Schotten. Und dass die sich danach ihrerseits vom Vereinigten Königreich trennen, ist kaum anzunehmen, denn dann würden sie ja weder dem einen noch dem anderen angehören - für die Schotten wohl das schlimmste aller Szenarien. Aber der Besuch in Schottland zeigt: Unterstützung für seinen Kurs wird er dort nicht finden.

Von der EU kommt mehr Geld

Da hilft es auch nicht, dass der neue Premier jetzt mit dem Geldbeutel unterwegs ist. 300 Millionen Pfund hat er versprochen für die Regionen. Aber allein Wales erhält pro Jahr mehr als 700 Millionen Euro aus den Fördertöpfen der EU, die nach einem Austritt wegfallen würden. Johnson wird in den alten walisischen Bergwerken lange nach einer Goldader schürfen müssen, um das Geld zu finden, das er für seine Versprechen braucht - oder die Neuverschuldung des Landes kräftig nach oben schrauben müssen.

Boris Johnson muss erkennen: Mit purem Enthusiasmus und Optimismus kann er vielleicht einen Teil seiner konservativen Parteifreunde begeistern - auch da längst nicht alle -, aber ganz bestimmt nicht das ganze Land. Es ist keineswegs so, dass die Briten seinem Hurra-Brexit folgen und nur noch von den Chancen und Möglichkeiten reden. Davon redet im Moment nahezu allein nur die Brexit-Regierung in London.

Scharfer Gegenwind: Johnson in Schottland und Wales
Thomas Spickhofen, ARD London
30.07.2019 20:12 Uhr

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Über dieses Thema berichtete WDR 5 am 31. Juli 2019 um 07:22 Uhr im Morgenecho.

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