Stanley und Boris Johnson | Bildquelle: REUTERS

Familie Johnson Alle blond, sonst ziemlich bunt

Stand: 23.07.2019 03:12 Uhr

Was sie eint, ist die Haarfarbe. Ansonsten sind die Geschwister von Boris Johnson aber ziemlich anders als ihr großer Bruder. Und der Vater hat Boris schon mal zum Premier gemacht - wenn auch aus Versehen.

Von Jens-Peter Marquardt, ARD-Studio London

"Ist Boris noch Premierminister, Entschuldigung: Ist er noch Außenminister? Ich hoffe, er ist es." Das waren die Worte von Stanley Johnson, als er 2017 aus dem Dschungelcamp in die Wirklichkeit zurückkehrte. Boris Johnsons Vater war noch ein bisschen verwirrt, nach dem Verzehr von Kakerlaken und anderem Ungeziefer. Das mit dem Premierminister, da habe er sich versprochen, fügte er deshalb hinzu.

Um Boris Johnson zu verstehen, muss man den heute 78 Jahre alten, aber immer noch ziemlich blonden Vater Stanley kennen. Den Enkel des letzten Innenministers des Osmanischen Reichs Ali Kemal. Und Sohn von Marie Louise Freiin von Pfeffel, mit deutschen Wurzeln. Internationaler und europäischer geht es kaum.

Weltbank, Europaparlament, Dschungelcamp

Stanley Johnson arbeitete für die Weltbank, die Europäische Kommission, war fünf Jahre konservativer Abgeordneter im Europaparlament, hat einen Haufen Bücher geschrieben, wurde in Afghanistan entführt. Und fand, dass das Essen im Dschungelcamp ihm viel mehr beim Abnehmen helfe als jede Magenoperation.

Stanley Johnson hat vier Kinder: Boris, Rachel, Jo und Leo. Boris, der Älteste, ist in New York geboren. Rachel, die einzige Tochter, ist in Brüssel zur Welt gekommen. Sie ist Journalistin und Kolumnistin, flog schnell aus der englischen "Big Brother"-Show raus, ist Brexit-Gegnerin und scheiterte als Kandidatin der EU-freundlichen "Change UK"-Partei bei der Wahl zum Europaparlament.

Stanley und Rachel Johnson | Bildquelle: picture alliance / empics
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Vater Stanley und Tochter Rachel Johnson - hier bei einer Parteiveranstaltung im vergangenen Jahr. Beide sind in Großbritannien äußerst prominent.

Schwester empfiehlt Leo - nicht Boris

Im Interview mit dem ARD-Studio London nannte sie das Versprechen der Brexit-Antreiber von paradiesischen Zuständen nach dem EU-Austritt eine "mächtige Lüge". Trotzdem wünschte sie ihrem großen Bruder Boris alles Gute: "Er glaubt, dass er das Richtige tut. Und ich glaube, dass ich das Richtige tue. In der Johnson-Familie haben wir immer jedem Raum gegeben, die eigenen Dinge zu tun. Wir kritisieren uns niemals gegenseitig."

Als das Mikrofon abgeschaltet war, sagte Rachel dann aber, dass es in der eigenen Familie eigentlich nur einen gebe, der das Zeug zum Premierminister habe: der jüngste Bruder Leo. Der sei ein unglaublich kluger Mensch. Doch Leo ist kein Politiker, er ist Manager bei den Wirtschaftsprüfern PWC.

Im BBC-Radio beschäftigt er sich mit den intellektuellen Herausforderungen der Zukunft: "Es wird Gesellschaften geben, die es ablehnen, von Algorithmen regiert zu werden. Die einfach ein bisschen Durcheinander wollen. Ich glaube, dass wir uns immer jeder Kontrolle widersetzen werden und selber über unsere Kreativität entscheiden", so Leo Johnson.

Jo Johnson | Bildquelle: AFP
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Jo Johnson sieht den Brexit völlig anders als sein großer Bruder Boris.

Von der Hinterbank aus gegen den Brexit

Über Bruder Jo schließlich sagt Rachel, er sei unter allen Johnsons der schüchternste. Im Kabinett May hatte er es immerhin bis zum Staatssekretär im Verkehrsministerium gebracht. Er warnte dort vor der Katastrophe eines "No Deal"-Brexit und trat zurück, als er sich in der Regierung nicht mit der Forderung nach einem zweiten Referendum durchsetzen konnte. "Ich werde mich jetzt als Hinterbänkler dafür einsetzen, dass das Land noch einmal inne hält und reflektiert, bevor wir etwas unwiderruflich Dummes tun."

Jo Johnson klingt also ganz anders als das Programm seines großen Bruders. Trotzdem saß Jo zusammen mit Vater Stanley in der ersten Reihe, als Boris seine Kandidatur für die May-Nachfolge verkündete. Bei allen politischen Meinungsverschiedenheiten: Die Johnson-Familie hält zusammen.

Die Johnsons - Großbritanniens blondeste Familie
Jens-Peter Marquardt, ARD London
22.07.2019 21:45 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 23. Juli 2019 um 07:05 Uhr.

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