Boris Johnson mit Maske | Bildquelle: dpa

Johnson und Corona Danach war der Ton ein anderer

Stand: 02.10.2020 16:28 Uhr

Zu Beginn der Pandemie nahm der britische Premier Johnson Corona bewusst auf die leichte Schulter. Dann erkrankte er selber und kämpfte um sein Leben. Seitdem spricht er anders über Corona.

Von Thomas Spickhofen, ARD-Studio London

Noch Anfang März alberte Boris Johnson jovial herum: "Ich war gerade gestern Abend im Krankenhaus, habe allen Leuten da die Hand geschüttelt. Da waren auch Corona-Patienten darunter." Und er werde damit auch weitermachen, sagte Johnson.

Zu diesem Zeitpunkt hatte sich das Virus schon längst in seinem Land ausgebreitet. Aber während rundum in Europa bereits Einschränkungen verhängt wurden, vermittelt der britische Premierminister seinen Landsleuten nur eins: Alles nicht so schlimm, Händewaschen reicht.

Quarantäne in 10 Downing Street

Ende März erwischt es ihn dann selbst, er begibt sich in Quarantäne in 10 Downing Street, bleibt aber bei seiner Botschaft: Kein Drama, er habe nur milde Symptome und alles im Griff.

Nach einer Woche meldet er sich mit einem Videoclip aus seinem Amtssitz, er sieht noch ein bisschen zerwühlter aus als sonst, klingt auch etwas atemlos, meint aber trotzdem: Locker bleiben, ich bin auf dem Weg der Besserung, alles wird gut: "Hallo Leute, kurzes Update zu unserem Kampf gegen das Virus. Was mich selbst angeht: Obwohl ich mich besser fühle und seit sieben Tagen in Quarantäne bin, habe ich immer noch milde Symptome, vor allem ein bisschen Fieber. Ich werde mich deshalb ganz nach den Regeln weiter in Selbstisolation halten, bis diese Symptome weg sind."

Johnson kämpft um sein Leben

Zwei Tage nach diesem Clip kommt Johnson ins Krankenhaus, und dann am nächsten Tag dort gleich auf die Intensivstation. Ein Schreckmoment für die Briten, aber spätestens jetzt ist jedem klar: Es ist ernst. Zwei Tage kämpft der Premier auf der Intensivstation um sein Leben. Anschließend begibt er sich zur Erholung auf den Landsitz des Premierministers in Chequers. In seiner Botschaft von dort ist der Ton nun ganz anders: "Ich weiß, wie schwer die Krankheit ist, ich bin nur knapp davon gekommen."

"Zwei Pfleger möchte ich besonders erwähnen: Jenny aus Neuseeland und Louis aus Portugal. Sie haben Tag und Nacht an meinem Bett gestanden und immer genau das richtige veranlasst. Und das machen Hunderttausende im ganzen Land, rund um die Uhr: Sie kümmern sich um uns, so wie Jenny und Louis."

Kampf gegen Fettleibigkeit

In den folgenden Wochen wird Johnson nicht müde, die Leistungen des britischen Gesundheitsdienstes NHS zu preisen, taucht regelmäßig bei den Pressekonferenzen zur aktuellen Lage auf und kann auch bei einschränkenden Maßnahmen darauf setzen, dass die Leute wissen: Der weiß, wovon er redet.

Und noch ein konkretes politisches Ergebnis hat seine persönliche Corona-Erkrankung gebracht: Johnson führt die Schwere seiner Erkrankung auf sein Übergewicht zurück - und hat jetzt nicht nur selbst abgenommen, sondern auch dem ganzen Land den Kampf gegen die Fettleibigkeit angesagt.

Boris Johnson und sein Umgang mit der eigenen Covid19-Infektion
Thomas Spickhofen, ARD London
02.10.2020 15:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 02. Oktober 2020 um 15:06 Uhr.

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