Premier Johnson im Parlament | Bildquelle: AFP

Lockerungen in Großbritannien Johnsons Corona-Pläne sorgen für Kritik

Stand: 07.05.2020 16:20 Uhr

Auch wenn sich sein Land im Krisenmodus befindet, will Großbritanniens Premier Johnson die Corona-Maßnahmen lockern - "mit größter Vorsicht". Dass nicht alle Landesteile eingebunden sind, sorgt für Kritik.

Großbritannien leidet schwer unter der Corona-Krise. Mehr als 32.000 Tote - nirgendwo in Europa starben mehr Menschen an dem Virus. Doch die Regierung will die strikten Maßnahmen lockern.

Am Sonntag will Premier Boris Johnson seine Pläne veröffentlichen. Ein Regierungssprecher sagte, es werde um moderate Lockerungen gehen. Großbritannien wolle "mit größter Vorsicht" voranschreiten, um keine zweite Infektionswelle zu riskieren.

Offene Parks, Cafés und Sportplätze?

Doch die Ankündigungen des nach seiner Covid-19-Erkrankung genesenen Regierungschefs sorgen für Kritik: Lockerungen müssten mit den Landesteilen abgestimmt werden, sagte der Fraktionschef der Schottischen Nationalpartei SNP im Unterhaus, Ian Blackford. Weder er noch Schottlands Regierungschefin Nicola Sturgeon seien informiert worden, was Johnson überhaupt plane. England, Wales, Nordirland und Schottland müssten zusammenarbeiten, forderte Blackford.

Ähnlich äußerte sich der Chef der oppositionellen Labour-Partei, Keir Starmer: "Wir haben gemeinsam im Vereinigten Königreich die Ausgangsbeschränkungen gestartet", sagte er der BBC. Es wäre sinnvoller, eine Lockerung gemeinsam abzustimmen und umzusetzen.

Britische Medien hatten bereits über erste Schritte spekuliert, die Johnson planen könnte: Dazu zählt angesichts des schönen Wetters die Öffnung von mehr Parkanlagen, die Zulassung von Picknicks und die Wiedereröffnung von Cafés im Freien. Auch mehr Sport draußen soll ermöglicht werden, heißt es. Kritiker halten das für zu früh. Viele Menschen hielten sich schon jetzt nicht an die Vorgaben.

Zentralbank rechnet mit Wirtschaftseinbruch um 14 Prozent

Die Auswirkungen auf die Wirtschaft des Landes werden laut einer Prognose der britischen Zentralbank dramatisch. Demnach könnte die Wirtschaftsleistung in diesem Jahr um 14 Prozent einbrechen. Im Jahr 2021 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) aber um satte 15 Prozent zulegen.

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