Die 19-jährige Aschwak T. auf einer Aufnahme aus dem Video, in dem sie über ihre Begegnung mit ihrem Peiniger vom IS berichtete. | Bildquelle: dpa

Bundesanwaltschaft ermittelt Traf Jesidin auf IS-Peiniger?

Stand: 18.08.2018 07:30 Uhr

Eine von der Terrormiliz IS versklavte Jesidin aus dem Irak ist offenbar nach ihrer Flucht ihrem IS-Peiniger in Deutschland wieder begegnet. Ihre Angaben sollen nun weitere Zeugen bestätigt haben.

Nach dem Fall einer vom IS verschleppten und versklavten jungen Jesidin, die nach ihrer Flucht nach eigener Aussage in Deutschland ihrem IS-Peiniger begegnete, gibt es Berichte über weitere ähnliche Fälle. 

Laut Zentralrat der Jesiden gibt es weitere Zeuginnen, die einen in Deutschland lebenden mutmaßlichen IS-Mann erkannt haben wollen. Ein Vorstandsmitglied teilte dem SWR mit, dass sie den gleichen Mann erkannt haben wollen. Er soll die Frauen angeblich im Irak als Sklavinnen gehalten haben. Laut Zentralrat handelt es sich dabei um den gleichen Mann, dem auch die Jesidin in einem Internetvideo Missbrauch vorwirft. In dem Video, das offenbar im Nordirak entstanden ist und das seit Dienstag im Internet kursiert, gibt eine junge Jesidin an, sie habe drei Jahre in Deutschland gelebt und sei erst kürzlich in den Irak zurückgekehrt.

Die Jesidin und ihr Peiniger
tagesthemen 21:45 Uhr, 17.08.2018, Eric Beres, SWR

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Keine konkrete Person identifiziert

Im Februar sei sie in Schwäbisch Gmünd einem Mann begegnet, der sie 2015 als IS-Mitglied gekauft und missbraucht habe. Die Frau wandte sich anschließend an die Polizei. Die Bundesanwaltschaft bestätigte Meldungen, sie befasse sich mit dem Fall.

Dem SWR teilte die Behörde mit, anhand der Schilderungen der Zeugin sei es nicht gelungen, eine konkrete Person zu identifizieren. Die Ermittlungen liefen jedoch weiter.

Für 100 Dollar an IS-Kämpfer verkauft

Die 19-jährige Aschwak T. hatte geschildert, sie sei am 3. August 2014 vom IS im Irak verschleppt und für 100 Dollar an einen IS-Kämpfer verkauft worden. Dieser Mann habe sich Abu Humam genannt und sie als Sexsklavin gehalten und monatelang missbraucht, bis ihr nach mehr als drei Monaten am 22. Oktober die Flucht gelungen sei.

Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrem kleinen Bruder, die ebenfalls zeitweise Gefangene des IS waren, floh Aschwak T. 2015 nach Deutschland. Die drei lebten in einem Flüchtlingsheim in Schwäbisch Gmünd, der Vater blieb im Irak zurück.

Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" in der irakischen Stadt Mossul, Archivbild | Bildquelle: REUTERS
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Kämpfer der Terrormiliz "Islamischer Staat" im Oktober 2016 in der irakischen Stadt Mossul.

Beim Namen gerufen

In Schwäbisch Gmünd ging Aschwak T. zur Schule und lernte Deutsch, wie sie berichtete. Bis zum 21. Februar dieses Jahres: An dem Tag war sie nach eigenen Worten in einem Supermarkt, als sie einen Mann aus einem Auto steigen sah. Der Mann habe sie beim Namen gerufen und auf Deutsch gesagt, er sei Abu Humam.

Verängstigt habe sie so getan, als kenne sie ihn nicht, doch der Mann habe auf Arabisch auf sie eingeredet. "Er hat mir gesagt 'lüg mich nicht an, ich weiß genau dass du Aschwak bist und mit deiner Mutter und deinem Bruder in Deutschland lebst'", berichtete Aschwak. "Er hat sogar meine Adresse genannt und andere Einzelheiten aus unserem Leben in Deutschland."

Nach dem Vorfall wandte sich Aschwak T. sofort an die Polizei. "Sie haben mir gesagt, dass der Mann genau wie ich als Flüchtling gekommen sei und mir eine Telefonnummer für den Notfall gegeben", sagte die 19-Jährige. Nach eigenen Worten sichtete Aschwak mit den Polizisten auch Videomaterial aus einer Überwachungskamera des Supermarkts.

"Für Rückfragen aktuell nicht erreichbar"

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg erklärte, es habe am 13. März Ermittlungen zu dem Fall aufgenommen. Diese könnten derzeit jedoch nicht fortgesetzt werden, weil Aschwak T. als Zeugin "für Rückfragen aktuell nicht erreichbar ist".

Tatsächlich verließ sie Ende März nach eigenen Worten aus Angst vor ihrem IS-Peiniger Deutschland und kehrte in den Irak zurück, wo sie seither mit ihrer Mutter und ihrem Bruder lebt. Ihr in einem Flüchtlingslager im kurdischen Norden des Irak lebender Vater sah die Rückkehr der drei mit gemischten Gefühlen. "Aber als ihre Mutter mir sagte, dass sie diesen Dschihadisten getroffen hat, habe ich ihr gesagt, sie soll zurückkommen. Deutschland ist offensichtlich kein sicherer Ort mehr für sie."

Flüchtende Jesiden an der Grenze des Irak zu Syrien
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Im Sommer 2014 zwingt der Vormarsch der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) im Nordirak Zehntausende Jesiden zur Flucht.

Zeitweise weite Teile des Irak erobert

Ein Sprecher der Bundesanwaltschaft sagte, T. Angaben seien der Behörde bekannt und die Ermittler seien diesen nachgegangen. "Aber es ist uns bislang nicht gelungen, anhand der zur Verfügung stehenden Beweismittel den mutmaßlichen Täter mit der gebotenen Sicherheit zu identifizieren." Die Untersuchung laufe weiter.

Der IS hatte im Sommer 2014 zeitweise weite Teile des Irak erobert. Im Nordwesten des Landes verschleppten die Islamisten Tausende Angehörige der religiösen Minderheit der Jesiden. Die Terroristen sehen die Jesiden als Ungläubige an und verfolgen, misshandeln und töten sie.

Als Sexsklavinnen missbraucht oder getötet

Tausende jesidische Frauen wurden als Sexsklavinnen missbraucht oder getötet. Offiziellen Statistiken zufolge konnten bislang 3315 Jesiden aus den Händen des IS entkommen. Etwa ebenso viele werden noch immer von den Dschihadisten festgehalten oder gelten als vermisst.

Aschwak T. lebt heute wieder im Norden des Irak. Nach Deutschland will sie aus Furcht vor ihrem Peiniger nicht zurückkehren. Doch auch im Irak lebt sie nach eigenen Worten in Angst, weil Abu Humam Verwandte in Bagdad habe.

Mit Informationen von Eric Beres und Alexander Bühler, SWR

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. August 2018 um 21:45 Uhr. Am 18. August 2018 berichtete tagesschau24 um 09:00 Uhr.

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