Zusammenstöße am Damaskustor in Jerusalems Altstad | dpa

Jerusalem Erneut Verletzte bei Ausschreitungen

Stand: 09.05.2021 19:09 Uhr

Bei Protesten gegen drohende Zwangsräumungen in Jerusalem hat es erneut schwere Ausschreitungen gegeben. Die israelische Polizei ging gegen palästinensische Demonstranten vor. Mehr als 90 Menschen wurden verletzt.

Bei gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Palästinensern und israelischen Polizisten in Jerusalem sind erneut zahlreiche Menschen verletzt worden. Nach Angaben des palästinensischen Roten Halbmonds gab es mehr als 90 Verletzte. Die israelische Polizei berichtete von mindestens einem verletzten Polizisten.

Bei den Zusammenstößen am Tempelberg setzte die Polizei israelischen Medienberichten zufolge Gummigeschosse, Tränengas und Blendgranaten gegen Steine werfende Palästinenser ein. Laut der Zeitung "Haaretz" war die Lage eskaliert, nachdem dort am Abend Zehntausende Muslime für das Samstagsgebet zum Ende des Fastenmonats Ramadan in der Al-Aksa-Moschee zusammengekommen waren.

In Ost-Jerusalem kam es den Berichten zufolge zu ähnlichen Zusammenstößen. Dort gingen Palästinenser erneut gegen drohende Zwangsräumungen auf die Straße, entzündeten Feuer, zerstörten Barrikaden israelischer Sicherheitskräfte und bewarfen Polizisten mit Steinen. Die Polizei setzte unter anderem Wasserwerfer und Blendgranaten ein.

Bereits am Abend zuvor hatte es Zusammenstöße auf dem Tempelberg und in Teilen Ost-Jerusalems gegeben, bei denen mehr als 200 Menschen verletzt worden waren.

Streit über Besitzansprüche in Jerusalem

Die Proteste richten sich gegen die drohende Räumung von Häusern im Ost-Jerusalemer Stadtteil Scheich Dscharrah. Diese werden von jüdischen Siedlern beansprucht. In der Nähe befindet sich auch eine historische Stätte, die von religiösen Juden verehrt wird.

Anfang des Jahres hatte das Jerusalemer Bezirksgericht entschieden, dass die Häuser der palästinensischen Familien rechtmäßig jüdischen Familien gehörten. Nach israelischem Recht können jüdische Israelis Besitzansprüche auf Häuser in Ost-Jerusalem anmelden, wenn ihre Vorfahren vor dem arabisch-israelischen Krieg (1948-49) dort im Besitz von Grundstücken waren.

Lage zunehmend angespannt

Darüber hinaus sind viele Palästinenser wütend, weil die israelische Polizei Bereiche der Altstadt abgesperrt hat, um Versammlungen zu verhindern.

Am Samstagabend wurde erneut eine Rakete aus dem Gazastreifen über die Grenze nach Israel geschossen, woraufhin die israelische Luftwaffe nach eigenen Angaben einen militärischen Posten der islamistischen Hamas attackierte, die in dem abgeschotteten Küstengebiet herrscht.

Nahost-Gesandte besorgt

Das sogenannte Nahost-Quartett aus USA, Russland, EU und Vereinten Nationen zeigte sich "tief besorgt" über die inzwischen "täglichen Auseinandersetzungen und Gewaltakte". "Wir sind alarmiert aufgrund der provokanten Stellungnahmen mancher politischer Gruppen, der Attacken mit Raketen und Brandballons aus dem Gazastreifen auf Israel wie auch aufgrund der Angriffe auf palästinensisches Ackerland im Westjordanland", hieß es in einer gemeinsamen Mitteilung der Gesandten des Nahost-Quartetts.

Auch die Zwangsräumungen seien "sehr besorgniserregend". Die israelische Seite solle während des Ramadans besondere Zurückhaltung walten lassen und "alle Schritte vermeiden, die die Lage weiter eskalieren könnten".

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. Mai 2021 um 04:52 Uhr.