Palästineser stoßen mit israelischen Sicherheitskräfte zusammen | AFP

Neue Gewalt in Jerusalem Dutzende Verletzte auf dem Tempelberg

Stand: 10.05.2021 10:29 Uhr

Steinwürfe und Blendgranaten auf dem Tempelberg - bei erneuten schweren Zusammenstößen in Jerusalem hat es Dutzende Verletzte gegeben. Heute feiert Israel die Annexion des Ostteils der Stadt.

Auf dem Tempelberg in Jerusalem ist es erneut zu Ausschreitungen zwischen Palästinensern und israelischen Sicherheitskräften gekommen. Dabei wurden nach Angaben von Rettungskräften Hunderte Menschen verletzt. Mindestens 50 Beteiligte seien ins Krankenhaus eingeliefert worden, berichtet der palästinensische Rote Halbmond.

Im Internet übertragene Bilder zeigen, wie Polizisten Blendgranaten abfeuerten. Palästinenser bewarfen sie mit Steinen. Eine Polizeisprecherin erklärte, die Polizei werde es nicht zulassen, dass "Extremisten" die öffentliche Sicherheit gefährdeten. Journalisten sprechen von den schlimmsten Ausschreitungen seit Jahren.

Israel feiert Jerusalem-Tag

Die Lage in Jerusalem ist derzeit besonders angespannt - unter anderem, weil Israel heute den sogenannten Jerusalem-Tag feiert, zur Erinnerung an die Eroberung 1967.

Die Polizei teilte mit, sie habe Tausende Beamte in den Straßen Jerusalems und auf den Dächern der Häuser im Einsatz, um Ruhe und Frieden zu wahren. Jüdischen Gruppen sei es untersagt worden, bei Flaggenmärschen durch die Altstadt den Tempelberg zu besuchen.

Zahlreiche Verletzte bereits am Wochenende

Am Wochenende hatten zudem drohende Zwangsräumungen zu massiven Protesten von Palästinensern geführt. Bei den schwersten Zusammenstößen seit Jahren wurden mehr als 300 Menschen verletzt. Ein für heute geplanter Gerichtstermin zu den Zwangsräumungen wurde am Sonntag verschoben

Regierungschef Benjamin Netanyahu verteidigte das Vorgehen der israelischen Sicherheitskräfte und versicherte, Israel werde entschlossen vorgehen, um "Recht und Ordnung" durchzusetzen. Alle sechs arabischen Länder, die diplomatische Beziehungen zu Israel unterhalten - Ägypten, Jordanien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Bahrain, Marokko und Sudan - verurteilten dagegen das israelische Vorgehen.

Der Tempelberg in Jerusalem

Der Tempelberg liegt am Rand der Altstadt von Jerusalem und gilt Juden und Muslimen, aber auch Christen als bedeutendes Heiligtum. An der Stelle, an der heute der Felsendom steht, soll Abraham, beziehungsweise Ibrahim - Stammvater der jüdischen, christlichen und muslimischen Religionen - von Gott den Auftrag bekommen haben, seinen Sohn Isaak zu opfern. Dadurch sollte Abraham seine Gottesfurcht beweisen. Gott verhinderte dies der Überlieferung zufolge jedoch in letzter Minute und gab sich mit einem Tieropfer zufrieden.

Darüber hinaus ritt nach islamischer Überlieferung der Prophet Mohammed von dieser Stelle aus mit seinem Pferd in den Himmel. Im Jahr 687 (christlicher Zeitrechnung) wurde dort mit dem Bau des Felsendoms begonnen. Zusammen mit der benachbarten Al-Aksa-Moschee und der Kaaba in Mekka zählt er zu den drei wichtigsten Heiligtümern des Islam.

Auch für Juden ist der Ort das wichtigste Heiligtum, weil dort früher zwei jüdische Tempel standen. Der erste Tempel von König Salomon soll im 6. Jahrhundert v. Chr. von den Babyloniern zerstört worden sein. Der zweite wurde um 515 v. Chr. erbaut, von König Herodes umgestaltet und von den Römern im Jahr 70 zerstört. Die Klagemauer am Fuß des Tempelbergs ist der Überrest der ehemaligen westlichen Stützmauer des zweiten Tempels.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 10. Mai 2021 um 09:00 Uhr.