Rettungskräfte suchen nach dem Luftangriff nach Toten und Verletzten. | Bildquelle: dpa

Angriff auf Gefängnis im Jemen Helfer befürchten noch mehr Tote

Stand: 02.09.2019 07:44 Uhr

Bei dem Luftangriff im Jemen sind womöglich mehr Menschen gestorben als bisher angenommen. Helfer befürchten bis zu 130 Tote. Huthi-Rebellen hatten die Opfer in dem Gebäude gefangen gehalten.

Nach dem Luftangriff auf ein Gefängnis im Jemen befürchtet das Internationale Komitee des Roten Kreuzes (ICRC) bis zu 130 Tote. Wie das Komitee mitteilte, wurden in dem Gebäude in Dhamar im Südwesten des Landes etwa 170 Menschen gefangen gehalten. 40 von ihnen seien bei dem Angriff verletzt worden, die übrigen 130 vermutlich tot. Zuvor war von 100 Toten die Rede gewesen.

"Diesen gewaltigen Schaden zu sehen, die Leichen zwischen den Trümmern, war ein richtiger Schock", sagte der Leiter der Rot-Kreuz-Delegation im Jemen, Franz Rauchenstein, bei einem Besuch des Angriffsortes in Dhamar.

Mehrere Angriffe auf das Gebäude

Die von Saudi-Arabien angeführte Militärkoalition bestätigte einen Angriff in Dhamar. Die Attacke habe ein Lager für Drohnen und Raketen getroffen, hieß es in einer Mitteilung der Koalition. Der Angriff sei in Einklang mit internationalem Recht erfolgt. "Alle Vorsichtsmaßnahmen wurden getroffen, um Zivilisten zu schützen", teilte das Bündnis mit.

Kampfflugzeuge hätten etwa acht Angriffe auf das Gebäude geflogen, berichteten Augenzeugen. Das getroffene Gefängnis der Huthis war früher ein Universitätsgebäude. Das Rote Kreuz bestätigte, das es dort Häftlinge besucht habe. Ein Sprecher des Gefangenenkomitees der Huthis sagte, der saudischen Koalition sei bekannt gewesen, dass in dem Gebäude Gefangene festgehalten wurden.

Krieg seit 2015

Im Jemen herrscht seit 2015 Krieg zwischen den von Saudi-Arabien, den Vereinigten Arabischen Emiraten und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi und den Huthi-Rebellen, hinter denen der Iran steht. Nach UN-Angaben wurden in dem Konflikt bereits mehr als 10.000 Menschen getötet, unter ihnen Tausende Zivilisten. 3,3 Millionen Menschen wurden in die Flucht getrieben.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 02. September 2019 um 04:00 Uhr.

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