Eine jemenitische Frau hält einen Fuß von ihrem unterernährten Enkel. (Archiv) | Bildquelle: YAHYA ARHAB/EPA-EFE/REX/Shutters

Krise verschlimmert sich 20 Millionen Menschen im Jemen hungern

Stand: 11.12.2018 05:45 Uhr

Die katastrophale Hungerkrise im vom Krieg zerrissenen Jemen wird schlimmer. Laut UN haben 20 Millionen Menschen große Schwierigkeiten, an ausreichend Lebensmittel zu kommen. Das sind etwa zwei Drittel der Bevölkerung.

Im kriegsgeplagten Jemen hat sich die Knappheit von Lebensmitteln nach UN-Angaben noch einmal verschärft. 20 Millionen Menschen hungerten - und damit 15 Prozent mehr als im Vorjahr, sagte UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock in New York.

UN-Nothilfekoordinator Mark Lowcock | Bildquelle: dpa
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Hunderttausende Menschen sind im Jemen vom Hungertod bedroht, warnte UN-Nothilfekoordinator Lowcock. (Archiv)

Erstmals seien 250.000 Menschen mit einer drohenden "Katastrophe" konfrontiert, was bedeute, dass ihnen Hungertod und Verelendung drohe. Die Menschen würden sich auf einer globalen Skala, die den Schweregrad und das Ausmaß von Lebensmittelknappheit misst, in der sogenannten Phase fünf befinden. Dies sei die gravierendste Stufe, die mit einer Bedrohung durch "Verhungern, Tod und Verelendung" einhergehe, warnte Lowcock. Es gebe nur ein weiteres Land, in dem Menschen in Phase fünf seien - der Südsudan mit 25.000 Betroffenen.

Fünf Millionen Menschen leiden an extremen Hunger

Außerdem gebe es fast fünf Millionen Menschen im Jemen in der Phase vier, die als "Notfall"-Stufe geführt werde. Demnach litten Menschen an extremem Hunger und "sehr hoher akuter Unterernährung sowie übermäßiger Sterblichkeit" - oder an extremem Einkommensverlust mit der Folge gravierender Lebensmittelengpässe.

Betroffene lebten in 152 der 333 Bezirke Jemens. Das ist ein massiver Anstieg im Vergleich zum Vorjahr, als noch von 107 Bezirken die Rede gewesen sei.

"Erhebliche, dramatische Verschlechterung" der Lage

Lowcock kehrte nach eigenen Angaben erst kürzlich von einem Jemen-Besuch zurück. Er habe dort eine "erhebliche, dramatische Verschlechterung" der Lage registriert, sagte er vor Reportern.

Für 2019 würden vier Milliarden Dollar (3,5 Mrd Euro) benötigt, um die UN-Generalsekretär António Guterres die Weltgemeinschaft im Februar in Genf bei einer Spenderkonferenz bitten wolle. Das ist doppelt soviel wie 2017.

Saudi-Arabien, das im Jemen eine Militärallianz im Kampf gegen Huthi-Rebellen anführt sowie die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) hätten erneut hohe Spenden zugesagt, erklärte Lowcock. Die Haltung der Saudis und der verbündeten VAE, im Jemen Krieg zu führen und die Bevölkerung zugleich mit humanitärer Hilfe zu unterstützen, kommentierte Lowcock nicht.

Konflikt seit 2014

Der Jemen-Konflikt entzündete sich an der Einnahme der Hauptstadt Sanaa durch die vom Iran gestützten, schiitischen Huthi-Rebellen 2014. Dabei wurde damals die international anerkannte Regierung verdrängt. Seit 2015 bekämpft eine von Saudi-Arabien befehligte Militärkoalition die Huthis.

Von Riad geführte Luftangriffe haben Schulen, Krankenhäuser und Hochzeiten getroffen. Die Huthis haben Langstreckenraketen ins Landesinnere von Saudi-Arabien gefeuert und Schiffe im Roten Meer angegriffen. Mehr als 10 000 Menschen sind in dem Krieg umgekommen, rund zwei Millionen wurden vertrieben. Beobachter sprechen von der schlimmsten humanitären Krise der Welt.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2018 um 06:00 Uhr.

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