Jemen: Eine Frau und ein Kind malen während einer Kunstaktion Gaffiti an eine Wand | Bildquelle: dpa

USA und Fall Khashoggi Neue Hoffnung für den Jemen?

Stand: 22.11.2018 07:17 Uhr

Trump hält im Fall Khashoggi zu Saudi-Arabien, doch andere US-Politiker fordern Konsequenzen - wie etwa, Waffenlieferungen an Riad zu stoppen. Könnte das den Krieg im Jemen beenden?

Von Torsten Teichmann, ARD-Studio Washington

Über den Umgang mit Saudi-Arabien ist in Washington noch nicht das letzte Wort gefallen. US-Senator Rand Paul von den Republikanern sieht zum Beispiel deutlich mehr politischen Spielraum als US-Präsident Donald Trump: "Ich würde weiter Öl von Saudi Arabien nehmen, aber ich würde ihnen keine Waffen mehr verkaufen. Damit beenden wir weder Handel noch Diplomatie. Es macht den Saudis aber deutlich, dass wir den Krieg im Jemen nicht länger unterstützen, der eine vollständige Katastrophe ist."

Durch den Mord am saudischen Journalisten Jamal Khashoggi hat sich nichts an der geopolitischen Lage verändert. Aber der Blick auf den saudischen Kronprinzen Mohammed Bin Salman ist in Washington ein anderer, auch wenn US-Präsident Trump an ihm festhält.

US-Verteidigungsminister James Mattis stellt zumindest für kommenden Monat eine Jemen-Konferenz in Aussicht: "Wir wollen alle Parteien am Verhandlungstisch sehen. Auf Basis einer Waffenruhe, einem Rückzug der Huthi-Rebellen von der saudischen Grenze und einem Ende der Bombenangriffe, so dass der UN-Sondergesandte Martin Griffith mit allen verhandeln kann. Das ist der einzige Weg, um den Konflikt zu lösen."

 USA: Keine Politik gegenüber dem Jemen

Die USA sind am Bürgerkrieg beteiligt. Sie unterstützen Saudi-Arabien, das militärisch in den Konflikt eingegriffen hat, mit Ausrüstung und Geheimdienstinformationen. Der Politikwissenschaftler Bruce Riedel vom Brookings Institute in Washington sagt, die US-Regierung sei der saudischen Politik häufig einfach gefolgt: "Wir haben keine Politik gegenüber Jemen. Wir haben eine Politik gegenüber Saudi-Arabien, die auf höchster Ebene verfolgt wird. Aber Jemen ist nur ein Unterpunkt."

So auch im Jahr 2015: Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman hatte als Verteidigungsminister mit einer Allianz aus arabisch-sunnitischen Staaten begonnen, Ziele in Jemen zu bombardieren - um zu verhindern, dass der Iran seine Vormachtstellung in der Region ausbaut, wie es hieß. Iran unterstützt die Huthi-Rebellen, die in Jemen um Macht und Einfluss kämpfen.

Die Obama-Administration unterstütze den saudischen Vorstoß wohl auch, weil der Atomdeal mit dem Kontrahenten Iran das Verhältnis zu Saudi-Arabien schwer belastet hatte. US-Präsident Trump sah im saudischen Kronprinzen dagegen von Anfang an einen Partner für eine Konfrontation mit Iran.

Jemen-Krieg in wenigen Tagen vorbei?

Politikwissenschaftler Riedel erklärt die Beweggründe des US-Präsidenten so: "Es gibt die Vorstellung in der Trump-Administration, dass, wenn die Saudis die Huthi-Rebellen in Jemen besiegen, das ein tödlicher Schlag für die Regierung im Iran wäre. Das ist komplette Fantasie."

Tatsächlich kann der Iran mit relativ geringem Aufwand Konfliktparteien in Jemen unterstützen. Saudi-Arabien kostet der Krieg dagegen Millionen. Die USA sehen sich Kritik von Politikern wie Senator Paul gegenüber, sie hätten zur humanitären Katastrophe beigetragen. "Wenn wir keine Ersatzteile mehr zur Verfügung stellen, wäre der Krieg vorbei", glaubt Paul. "Denn die Saudis brauchen einen Strom von Ersatzteilen, Menschen, die reparieren und ausbilden. Wenn wir das einstellen, würde Saudi-Arabien seine Bombardierungen innerhalb von Monaten beenden."

Riedel glaubt, der Krieg wäre in dem Fall sogar innerhalb von Tagen beendet. Der Mord an Jamal Khashoggi biete den Vereinigten Staaten "einen Anlass, den Blick auf Jemen zu richten und den Krieg so schnell wie möglich zu beenden."

Nach Khashoggi: Zwingt US-Kongress Trump zu neuer Strategie in Jemen?
Torsten Teichmann, ARD Washington
22.11.2018 06:39 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 22. November 2018 um 06:23 Uhr.

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