Huthi Rebellen recken ihre Waffen in die Luft | Bildquelle: dpa

Jemen Friedensgespräche in Genf gescheitert

Stand: 08.09.2018 15:07 Uhr

Die Jemen-Friedensgespräche sind vorerst gescheitert. Nach drei Tagen vergeblichen Wartens auf die Delegation der Huthi-Rebellen brach UN-Vermittler Griffiths das Treffen ab.

Von Martin Mair, ARD-Studio Zürich

Martin Griffiths mühte sich redlich. Der UN-Sondervermittler für den Jemen versuchte, Optimismus zu verbreiten. Sorgfältig wägte er seine Worte ab. "Wir haben uns auf den Weg gemacht zurück zu Friedensgesprächen", so Griffith.

Wie unendlich mühsam und lang dieser Weg für den Jemen ist, hat sich in den vergangenen drei Tagen gezeigt, in denen es Gespräche in Genf gab. Eigentlich hätte es das erste Treffen aller Konfliktparteien seit zwei Jahren sein sollen - ein Hoffnungsschimmer für die Menschen des Bürgerkriegslandes. Doch der währte nur kurz, denn die Delegation der Huthi-Rebellen kam trotz stundenlanger Verhandlungen nicht in die Schweiz. Die Gespräche waren damit gescheitert, ehe sie begonnen hatten.

UN-Vermittler Martin Griffith kommt im Jemen an. | Bildquelle: AFP
galerie

Im Juni reiste UN-Vermittler Griffiths in den Jemen.

"Ein empfindlicher Moment"

Auch hier versuchte Griffiths, optimistisch zu klingen und blieb vage: "Ein Neustart ist immer ein schwieriger, ein empfindlicher Moment. Die Delegationen sehen vielleicht, dass nicht alle ihre Forderungen erfüllt sind oder dass Gespräche keinen Erfolg bringen. Da ist es nicht ungewöhnlich, dass so etwas passiert. Ich werte das jedenfalls nicht als Blockade der Friedensgespräche."

Konkrete Gründe, warum die Rebellen nicht die Schweiz kamen, wollte der UN-Sondervermittler nicht nennen. Die Huthi selbst erklärten, sie hätten keine Garantien für eine sichere Rückreise bekommen. Griffiths wollte keine Seite dafür verantwortlich machen, dass die Gespräche nicht stattfinden konnten.

Das übernahm - aus seiner Sicht - der jemenitische Außenminister Khaled Al Yamani: "Der Friedensprozess fährt immer gegen die Wand wegen der unverantwortlichen Aufrührer. Diese Putschisten nutzen die Bemühungen der internationalen Gemeinschaft und der jemenitischen Regierung nur aus, sind aber nicht an Frieden interessiert. Sie handeln völlig unverantwortlich."

Verfahrene Lage

Die Vorwürfe des Außenministers zeigen, wie verfahren die Lage im Jemen ist. Vordergründig kämpft die Regierung gegen die Huthi-Rebellen, einer politisch-militärischen Bewegung eines Zweigs von Schiiten. Sie probten 2004 den Aufstand gegen die jemenitische Regierung, das Land stürzte in den Bürgerkrieg.

Männer, die die Huthi-Miliz unterstützen, mit Gewehren
galerie

Die Huthi werden vom Iran unterstützt.

Vor drei Jahren dann übernahmen die Huthi-Milizen faktisch die Macht. Eine Militärkoalition versucht, die Huthi zurückzudrängen - sie wird von Saudi-Arabien angeführt. Der Krieg im Jemen ist somit auch einer der zwei zutiefst verfeindeten Länder - mit verheerenden Folgen für die Menschen des Landes.

Größte humanitäre Krise

Die Vereinten Nationen sprechen seit längerem von der größten humanitären Krise weltweit. Doch die Lage habe sich weiter verschlechtert, sagte William Spindler vom UN-Flüchtlingshilfswerk: "Der Konflikt hat sich in den vergangenen drei Monaten dramatisch verschärft, vor allem in der Hafenstadt Hudaida. Wir erleben eine der tödlichsten Phasen dieses Konfliktes seit Beginn im März 2015."

Regierungsnahe Truppen feuern südlich des Flughafens von Hudaida. | Bildquelle: AFP
galerie

Regierungsnahe Truppen feuern südlich des Flughafens von Hudaida.

Auch deshalb werteten viele Beobachter es als Erfolg, dass UN-Sondervermittler Griffiths zumindest alle Konfliktparteien überzeugen konnte, überhaupt wieder direkt miteinander zu sprechen. Das Scheitern ist denn auch ein Rückschlag für ihn. Aber Griffiths bleibt optimistisch. Er sei sicher, dass es eine große Sehnsucht nach Frieden im Jemen gebe und glaube an eine Lösung.

"Das war ein Anfang, aber wir kommen wieder", sagte der UN-Sondervermittler. Er wolle jetzt in den Jemen reisen, um dort noch einmal mit den Huthi-Rebellen und der Regierung zu sprechen. Wann es einen neuen Anlauf für Friedensgespräche geben könne, ließ er offen - und lächelte dann wieder optimistisch.

Friedensgespräche für den Jemen vorerst gescheitert
Martin Mair, ARD Zürich
08.09.2018 14:31 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. September 2018 um 12:24 Uhr.

Darstellung: