Ölfeld in Khurais/Saudi-Arabien (Archiv) | Bildquelle: ALI HAIDER/EPA-EFE/REX

Spannungen in Nahost Saudische Ölindustrie unter Beschuss

Stand: 14.05.2019 18:13 Uhr

Innerhalb kurzer Zeit ist die saudische Ölindustrie zum zweiten Mal attackiert worden. Der Drohnenbeschuss kam aus Richtung des Jemen. Die Huthis reklamierten den Angriff für sich.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Innerhalb von nur 48 Stunden ist es bereits die zweite Attacke auf Einrichtungen der Ölindustrie in der Golfregion. Nach Angaben des saudischen Energieministers Khalid al-Falih wurden westlich von Riad zwei Ölpumpstationen mit bewaffneten Drohnen angegriffen. Die Stationen sind Teil der Ost-West-Pipeline, mit der Erdöl vom Osten Saudi-Arabiens zum Hafen Yanbu am Roten Meer transportiert wird.

Feuer ausgebrochen - Riad spricht von "Terrorakt"

An einer der Stationen sei ein Feuer ausgebrochen, der Betrieb der Pipeline sei aus Sicherheitsgründen eingestellt worden. Falih sprach von einem Terrorakt. Zuvor hatte der Fernsehsender der Huthi-Rebellen im Jemen gemeldet, die Aufständischen hätten sieben Drohnen abgeschossen, auf "lebenswichtige Einrichtungen" in Saudi-Arabien. Die Huthis werden vom Iran unterstützt, auch mit Waffen, Munition und Bauteilen für Raketen und Drohnen.

Der jemenitische Journalist Hussein al-Bukhaiti, Sympathisant der Huthi, meint dazu: "Ich bin mir sicher, dass dies einige der Drohnen waren, die von der jemenitischen Drohnen-Einheit gegen Saudi-Arabien abgefeuert wurden." Dies sei der erste Schritt in einer Kampagne gegen die wirtschaftliche Infrastruktur der Saudis. "In der Erklärung dazu war heute von 'lebenswichtigen Einrichtungen' die Rede. Zum ersten Mal wurde ein nicht-militärisches Ziel in Saudi-Arabien angegriffen", so al-Bukhaiti.

Zweite Attacke binnen weniger Tage

Vorgestern hatten Unbekannte vier Handelsschiffe im Golf von Oman offenbar mit Sprengstoff angegriffen und beschädigt. Das Außenministerium der Vereinigten Arabischen Emirate sprach von "Sabotageakten", spekulierte aber nicht, wer dafür verantwortlich gewesen sein könnte. Die Vorfälle ereigneten sich vor der Küste des Emirates Fujairah, nicht weit von der Straße von Hormus entfernt.

Im Sender Al-Hadath, der im Besitz von Saudis ist, zog der Analyst Masoud al-Fak Parallelen zwischen beiden Ereignissen: "Bei diesen aufeinander folgenden Attacken wurden gezielt Orte angegriffe, die beim Öl-Export als Alternativen zur Straße von Hormus gelten."

Patrouillenboot und Öltanker im Golf von Oman (13.05.2019) | Bildquelle: AP
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Vor zwei Tagen meldeten die Saudis Sabotageakte auf Schiffen im Golf von Oman.

Der Iran unter Verdacht

Al-Fak verweist auf eine Aussage des iranischen Präsident Hassan Rouhani, der einmal gesagt habe, wenn der Iran das Öl nicht durch die Straße von Hormus exportieren könne, werde niemand mehr auf diesem Weg Öl exportieren. "Parallel dazu gab es ähnliche Drohungen, unter anderem durch den iranischen Außenminister, der sagte: Wir mögen auf dem Weg zum Abgrund sein, aber wir werden nicht allein da reinfallen", so al-Fak weiter.

Die Straße von Hormus ist der Eingang des Persischen Golfs. Durch sie werden etwa 20 Prozent der weltweiten Ölproduktion transportiert. Um dieses Nadelöhr zu vermeiden, exportieren die Emirate seit einigen Jahren mehr Erdöl über Fujairah. Und für die Saudis ist Yanbu am Roten Meer eine interessante Alternative.

Spannungen im Nahen Osten nehmen zu

Die Spannungen am Persischen Golf sind derzeit ungewöhnlich hoch, weil die USA kürzlich angekündigt hatten, ihre Militärpräsenz dort zu verstärken. Gleichzeitig hatten die Amerikaner ihre Wirtschaftssanktionen gegen den Iran verschärft und ihre anti-iranische Rhetorik verstärkt.

Der Iran hat jede Verantwortung für die Sabotageakte vom Sonntag zurückgewiesen. Außenminister Mohammed Javad Zarif sprach während eines Besuchs in Indien von Gefahren, die "Hardliner in der US-Regierung und in der Region" gezielt herbeiführten. Spannungen würden bewusst eskaliert, so Zarifl.

Angriffe auf Ölpumpstationen lassen Spannungen steigen
Carsten Kühntopp, ARD Kairo
14.05.2019 17:38 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. Mai 2019 um 14:52 Uhr.

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