Jemenitische Regierungstruppen sitzen auf einem Wagen. | AFP

Bürgerkrieg im Jemen "Größte humanitäre Katastrophe der Welt"

Stand: 09.11.2018 22:30 Uhr

Im Bürgerkriegsland Jemen sind bereits Tausende Menschen gestorben, Millionen sind von Hunger bedroht. Nun eskaliert die Gewalt erneut: Regierungstruppen starteten eine Offensive auf eine von Rebellen kontrollierte Hafenstadt.

Die Vereinten Nationen sprechen von der größten humanitären Katastrophe der Welt: Mehr als drei Jahre dauert nun schon der Bürgerkrieg im Jemen. Nun brachen erbitterte Kämpfe um die jemenitische Hafenstadt Hodeida aus. Binnen 24 Stunden wurden in der strategisch wichtigen Stadt am Roten Meer nach Angaben von Ärzten mehr als 130 Kämpfer getötet, darunter 110 Huthi-Rebellen. Diese leisteten weiter erheblichen Widerstand gegen die Offensive der Regierungstruppen.

Den Ärzten in Hodeida zufolge wurden 110 Rebellen und 22 regierungstreue Kämpfer getötet. Damit stieg die Zahl der Toten auf beiden Seiten seit der Intensivierung der Kämpfe um Hodeida am 1. November auf mindestens 382. 

Karte: Jemen

Alle zehn Minuten stirbt ein Kind

Hilfsorganisationen sind in Sorge um die Lage der Zivilisten in dem Bürgerkriegsland. Das Welternährungsprogramm kündigte an, seine Lebensmittelhilfen verdoppeln zu wollen. Sprecherin Reem Nada sagte in den tagesthemen, dass nur noch ein Drittel der Menschen mit Lebensmitteln versorgt werden könne. Alle zehn Minuten stirbt im Jemen ein Kind.

Ein weiterer Sprecher des Welternährungspogramms (WFP) sagte, derzeit würden täglich Nahrungsmittel für sieben bis acht Millionen Menschen ausgeliefert. Das neue Ziel sei es, 14 Millionen Menschen mit Essen zu versorgen. Das bedeute eine "riesige Menge" logistischer Arbeit, finanzieller Mittel und Vorbereitung. Vor allem aber müsse die Gewalt in dem Land sofort enden, mahnte der Sprecher. "Sonst wird der Jemen ein Land der Gespenster, mit Menschen, die nur noch Knochengerüste sind."

Fast die Hälfte der Bevölkerung von Hunger bedroht

Die Vereinten Nationen hatten im Oktober gewarnt, dass im Jemen 14 Millionen Menschen vom Hunger bedroht seien, fast die Hälfte der Bevölkerung. In Hodeida beschrieb ein Vertreter der Hilfsorganisation Islamic Relief, Salem Dschaffer Baobaid, die "Erschöpfung und Angst" in den Gesichtern seiner Nachbarn, die wegen der nächtlichen Luftangriffe nicht mehr schliefen.

Im Jemen herrscht seit 2014 ein Krieg zwischen schiitischen Huthi-Rebellen und den vom sunnitischen Saudi-Arabien und anderen arabischen Staaten unterstützten Truppen von Präsident Abd Rabbo Mansur Hadi. Nach UN-Angaben wurden bereits rund 10.000 Menschen getötet, unter ihnen Tausende Zivilisten. 

Die USA haben nun angekündigt, die Betankung von Kampfjets der von Saudi-Arabien geführten Allianz zu stoppen. Saudi-Arabien teilte über seine Botschaft in Washington mit, dass es ein Ende der US-Luftbetankung für den Einsatz beschlossen habe, weil es nun selbst damit umgehen könne.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 09.11.2018 um 21:45 Uhr.