Japans Kaiser Akihito winkt Tausenden Japanern von Palastbalkon aus zu | Bildquelle: dpa

Akihitos Neujahrswünsche Und letztmals grüßt der Kaiser

Stand: 02.01.2019 09:36 Uhr

Zehntausende Japaner haben Kaiser Akihito bei seinem letzten Neujahrsgruß vor der Abdankung zugejubelt. Die Zukunft der Kaiserfamilie beschäftigt viele - eine Idee sorgt für Streit.

Von Martin Fritz, ARD-Studio Tokio

"Banzai", er lebe hoch - mit diesem Jubelruf verabschiedeten sich Zehntausende von Japanern mit wehenden Nationalfähnchen von Kaiser Akihito. Zum letzten Mal wünschte der Tenno ihnen vom Palastbalkon aus ein gutes neues Jahr. Der Andrang war so groß, dass sich Akihito mit seiner Familie häufiger als geplant auf dem Balkon zeigte.

Abdankung nach 30 Jahren

Ende April wird er als erster japanischer Kaiser seit rund 200 Jahren zu Lebzeiten abdanken. Damit geht seine Regierungszeit, die Heisei heißt, nach 30 Jahren zu Ende. Heisei bedeutet "Frieden überall". Während dieser Zeit etablierte Akihito eine neue Rolle des Kaisers als "Symbol des Staates" und bemühte sich dabei um möglichst große Nähe zum einfachen Volk.

Sein politisches Erbe ist die Mahnung, dass Japan die Lehren des Weltkrieges nicht aus den Augen verlieren dürfe, wie der 85-Jährige vor knapp zwei Wochen bei seiner letzten Pressekonferenz bekräftigte. "Wir dürfen die zahllosen Menschenleben, die im Zweiten Weltkrieg verloren gingen, nicht vergessen", sagte er. "Es ist wichtig, dass wir diese Geschichte akkurat an die Nachkriegsgenerationen weitergeben."

Kronprinz Naruhito besteigt Thron im Mai

Japans Kronprinz Naruhito | Bildquelle: AFP
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Japans Kronprinz Naruhito wird den Thron im Mai besteigen

Am 1. Mai wird Kronprinz Naruhito den Chrysanthementhron besteigen. Dann beginnt eine neue Kaiser-Ära. Ihr Name wird am 1. April bekannt gegeben.

Die Freude darüber wird jedoch durch die unsichere Zukunft des Kaiserhauses getrübt. Denn für den kommenden Kaiser Naruhito gibt es in der nächsten Familiengeneration nur noch einen einzigen Thronfolger, den heute zwölf Jahre alten Hisahito. Bekäme er später keinen Sohn, würde die Kaiserfamilie aussterben, weil nur Männer auf den Thron dürfen.

Debatte über Zulassung von Kaiserinnen

Japans Thronfolger Hisahito | Bildquelle: AFP
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Der 12-jährige Hisahito ist der einzige männliche Thronerbe in der Enkelgeneration Akihitos.

Die einfachste Lösung wäre daher, dass auch weibliche Kaiser zugelassen werden. Das sagt auch Toshihiro Nikai, Generalsekretär der regierenden Liberaldemokratischen Partei. "Dass Frauen nur bei der Thronfolge nicht akzeptiert werden, ist seltsam, obwohl Frauen in der heutigen Zeit doch überall anerkannt sind. Das ist nicht mehr zeitgemäß", sagt Nikai.

Die Kaiserfamilie ist bereits auf fünf Männer und 13 Frauen geschrumpft. Doch bisher verlieren die Frauen bei einer Heirat mit einem bürgerlichen Mann ihren Adelsstatus und scheiden aus der Kaiserfamilie aus. Eine Gesetzesreform zugunsten der Frauen blieb nach der Geburt von Hisahito vor zwölf Jahren stecken.

Lösung für Zukunft der Kaiserfamilie lässt auf sich warten

Zwar mahnte das japanische Parlament vor sieben Monaten in einer Resolution erneut eine Lösung an. Aber die Zulassung von Kaiserinnen wird bisher durch konservative Kräfte verhindert. Zu ihnen gehört Professor Tsuneyasa Takeda von der Universität Keio, der mit der Blutlinie argumentiert: "Was sich ganz nett anhört, bedeutet, dass nichtadelige Männer in das Kaiserhaus eintreten. Das zerstört die ununterbrochene männliche Linie, weil Kaiser auf der mütterlichen Linie entstehen. Das wird bei der Diskussion oft verschwiegen."

Die japanische Politik neigt dazu, Probleme erst anzupacken, wenn es sich wirklich nicht mehr vermeiden lässt. Daher könnte es noch dauern, bis die Zukunft der Kaiserfamilie durch eine Reform dauerhaft und langfristig gesichert wird.

Japaner bejubeln die Kaiserfamilie beim letzten Neujahrsgruß von Kaiser Akihito | Bildquelle: FRANCK ROBICHON/EPA-EFE/REX
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Zehntausende Japaner bejubelten die Kaiserfamilie beim letzten Neujahrsgruß von Kaiser Akihito

Letzter Auftritt von Kaiser Akihito in Japan
Martin Fritz, ARD Tokio
02.01.2019 10:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 02. Januar 2019 um 12:38 Uhr.

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