Japans Kaiser Akihito geht an seinem Sohn und Nachfolger Naruhito vorbei. | AFP

Neuer Kaiser in Japan Die "Reiwa"-Ära hat begonnen

Stand: 30.04.2019 19:01 Uhr

In Japan ist die "Heisei"-Zeit offiziell vorbei. Die Abdankung von Kaiser Akihito wurde mit dem Mitternachtsschlag in Tokio wirksam. Sein Sohn dürfte seinem Vater nacheifern, aber auch für frischen Wind sorgen.

Japan hat einen neuen Kaiser. Nach der Abdankung seines Vaters Akihito ging die Herrschaft um Mitternacht Ortszeit auf dessen Sohn Naruhito über. Gleichzeitig begann im Inselstaat mit "Reiwa" die Ära der "schönen Harmonie". Sie gilt, solange der 59-jährige Naruhito auf dem Chrysanthemen-Thron sitzt.

Tausende Menschen zog es trotz regnerischen Wetters in der Nacht auf die Straßen der Hauptstadt Tokio und anderer Städte, um den historischen Epochenwechsel zu feiern. Das Fernsehen zeigte Hochzeitspaare, die sich um Punkt Mitternacht das Jawort gaben, Feuerwerke wurden gezündet und T-Shirts mit der Aufschrift "Reiwa" getragen.

Übergabe der Insignien erfolgt morgen

Naruhito wird morgen in einer separaten, rund zehnminütigen Zeremonie die kaiserliche Insignien empfangen und damit laut offizieller Zählung im Palast die Nachfolge seines Vaters als 126. Kaiser der Nation antreten. Bei der kleinen Feier dürfen keine weiblichen Hofangehörigen anwesend sein, auch nicht seine Frau Masako.

Erst am 22. Oktober folgt dann eine große öffentliche Zeremonie mit zahlreichen internationalen Staatsgästen und einem Autokorso durch Tokio.

Naruhito will sich seinen Vater, der mit vielen alten Traditionen am Hofe brach und dem Volk so nah war wie kein anderer Kaiser vor ihm, zum Vorbild nehmen. Zugleich dürfte er für frischen Wind sorgen. Palastbeobachter gehen davon aus, dass er sich als erster Kaiser, der im Ausland studierte, verstärkt auf globale Fragen konzentrieren wird. Masako ist eine in Harvard ausgebildete Diplomatin.

Menschen schwenken in Tokio zum Thronwechsel die japanische Flagge. | REUTERS

Viele Japaner waren gegen Mitternacht mit Regenschirmen und japanischen Flaggen auf den Straßen unterwegs, um die neue Ära zu feiern. Bild: REUTERS

"Verantwortung als Symbol Japans"

Während einer kurzen Zeremonie am Nachmittag erklärte Akihito in seiner letzten Rede den Thronverzicht. Der 85-Jährige sagte, er habe seine 30-jährige Herrschaft mit "tiefem Respekt und mit Liebe für das Volk" ausgeübt. "Das war ein großer Segen." Er danke dem japanischen Volk "von Herzen", dass es ihn als "Symbol des Staates akzeptiert und unterstützt" habe. Japan und der gesamten Welt wünschte er Frieden und Wohlstand unter seinem Sohn.

An der Zeremonie nahmen mehr als 300 Menschen teil, darunter neben Mitgliedern der Kaiserfamilie auch Vertreter von Japans Regierung und Parlament, hochrangige Richter und regionale Regierungschefs. Die Öffentlichkeit blieb ausgeschlossen.

Regierungschef Shinzo Abe würdigte das Wirken des Kaiserpaars. Akihito und seine Frau Michiko hätten den Japanern vor allem in schweren Zeiten "Mut und Hoffnung" gespendet. "Seine Majestät hat die Verantwortung als Symbol Japans erfüllt", sagte Abe.

Akihito kam nicht zur Thronbesteigung

Es ist das erste Mal seit rund 200 Jahren in der ältesten Erbmonarchie der Welt, dass ein Kaiser zu seinen Lebzeiten abdankt. 2016 hatte Akihito sein Land in Aufregung versetzt, als er seinen Wunsch verkündete, sich von seinen Kaiserpflichten zurückzuziehen. Als Grund nannte er sein hohes Alter und seine angeschlagene Gesundheit.

Eine Abdankung des Kaisers aber war in Japans Nachkriegsverfassung nicht vorgesehen. Deshalb mussten eigens ein Gesetz verabschiedet und das Verfahren festgelegt werden. In Japan ist der Kaiser als Symbol für Staat und Einheit des Volkes definiert. Er hat keine politische Macht.

Akihito wird nach seiner Abdankung Kaiser emeritus sein und keine öffentlichen Verpflichtungen mehr haben. Er wollte auch nicht zur Thronbesteigung seines Sohnes kommen, um den neuen Kaiser nicht zu stören. Stattdessen wird er wohl seinen Ruhestand genießen - zum Beispiel in einer kaiserlichen Villa am Meer, wo er sich dem Studium von Barschen widmet.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 30. April 2019 um 16:00 Uhr.