Rettungskräfte suchen nach Überlebenden in der Japanischen Stadt Atami | EPA

Suche nach Vermissten in Atami Mit jeder Stunde schwindet die Hoffnung

Stand: 05.07.2021 13:02 Uhr

Nach der Schlammlawine im japanischen Atami suchen Rettungskräfte weiter nach Verschütteten. Vier Tote wurden bislang geborgen, die Überlebenschancen der 80 Vermissten werden geringer.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Bis hoch in den zweiten Stock steht mancherorts der Schlamm in der Stadt Atami. Die dicke braune Lawine, die am Sonnabend über Teile der Stadt hinüberrollte, die 90 Kilometer südwestlich von Tokio liegt, hat viel unter sich begraben.

Kathrin Erdmann ARD-Studio Tokio

Die Helfer suchen weiter nach Überlebenden, einige hatten sie gestern im Laufe des Tages noch gefunden. Längst sind Spürhunde im Einsatz. Sie sollen Lebenszeichen erkennen. Doch mit jeder weiteren Stunde schwinden die Hoffnungen.

Ein Anwohner hatte Glück, sein Haus und er sind unversehrt geblieben. Die Schlammlawine sei ganz in der Nähe niedergegangen - noch sei unklar, ob nicht noch mehr Schlamm hinterherkomme, erzählt er. "Ich habe auch noch Strom, aber derzeit kein fließendes Wasser. Ich kenne jemanden, dessen Haus wurde komplett zerstört, und einige, die immer noch vermisst werden. Mein Haus ist heil geblieben, ich bete für die, die noch gesucht werden."

Mehr als 100 Häuser zerstört

Wie viele andere aus Atami füllt er sich sein Trinkwasser jetzt aus einem Tanklastwagen ab. Insgesamt wurden mehr als 100 Häuser teilweise oder ganz zerstört, manche wurden durch die Wucht der Lawine an ihre Nachbarhäuser gedrückt.

Heftige Regenfälle hatten die Lawine ausgelöst. In der Region regnete es innerhalb kurzer Zeit so viel wie sonst im ganzen Monat.

Mittlerweile 1500 Rettungskräfte im Einsatz

Eine Anwohnerin hatte nicht so viel Glück. Sie steht vor den Trümmern ihres Hauses: "Mein Haus ist voller Wasser. Ich habe mir Sorgen gemacht und bin deshalb erstmal in eine Notunterkunft gegangen." Sie habe keine Ahnung, wie lange sie dort bleiben müsse. "Die Ungewissheit ist wirklich das Schlimmste."

Die Zahl der Hilfs- und Rettungskräfte wurde ständig erhöht, mittlerweile sind 1500 im Einsatz. Da der Regen zwischendurch immer wieder ausgesetzt hat, hoffen sie, jetzt zügig voranzukommen.

Nach jüngsten Angaben der Regionalregierung waren am Sonnabend 100.000 Kubikmeter Erde in den nahegelegenen Fluss von einem Abhang in die Stadt gestürzt. Aus Sorge vor weiteren Erdrutschen wurden einige Schulen und Kindergärten vorerst geschlossen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 05. Juli 2021 um 06:30 Uhr.