Yoshihide Suga nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses seiner Partei LDP. | Bildquelle: AFP

Neuer Chef der Regierungspartei Yoshihide Suga soll Japan führen

Stand: 14.09.2020 09:43 Uhr

Japans Regierungspartei LDP hat Yoshihide Suga zum Parteivorsitzenden gewählt - er wird damit auch die Nachfolge von Premier Abe antreten. Doch wer ist der Mann, der lange an Abes Seite stand?

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Yoshihide Suga ist ein Asket. Er raucht nicht, trinkt nicht und soll täglich 200 Situps machen. Seinen bislang größten Auftritt hatte er im vergangenen Jahr, als er im Zuge des Kaiserwechsels die neue Ära Reiwa ankündigte. Damals begann eine neue Zeitrechnung.

Das ist in gewisser Weise auch jetzt ein bisschen der Fall, denn mit dem Abtritt von Shinzo Abe Ende August geht eine Ära zu Ende. Und mit Yoshihide Suga kommt einer, der es nicht immer leicht hatte im Leben.

Die Eltern des 71-Jährigen hatten einen Erdbeerhof, wie Suga erzählt: "Ich bin der älteste Sohn einer Bauernfamilie aus der Akita-Präfektur. Weil ich den elterlichen Betrieb nicht übernehmen wollte, zog ich direkt nach der Schule nach Tokio. In einer kleinen Fabrik musste ich zunächst Geld verdienen. Deshalb konnte ich erst zwei Jahre später an die Uni gehen."

Yoshihide Suga | Bildquelle: REUTERS
galerie

Yoshihide Suga nach Bekanntgabe des Abstimmungsergebnisses seiner Partei LDP. Die Wahl zum nächsten Premier Japans durch das Unterhaus des Parlaments gilt als sicher.

Rechte Hand von Premier Abe

Suga studiert Politikwissenschaft, mit 26 geht er in die Politik und wird fast 20 Jahre später ins Parlament gewählt. In Abes erster Regierungszeit 2006 bis 2007 ist er Innenminister, ab 2012 dann Regierungssprecher. Er hat sich hochgearbeitet, kennt alle Seiten des Lebens - das könnte ein Vorteil sein, sagt Politikanalyst Tobias Harris: "Er hat möglicherweise einen ganzheitlicheren Blick auf die Politik und die Regierung als die Premierminister vor ihm. Das könnte ein Grund für Optimismus sein, wenn er das Amt übernimmt."

Suga galt viele Jahre nicht nur als rechte Hand Abes, sondern auch als derjenige mit Visionen. So sei es seine Idee gewesen, die Tür für Migranten stärker zu öffnen, sagt Harris, der gerade eine Biographie über den scheidenden Premier Abe veröffentlicht hat: "Er ist ein größerer politischer Realist als Abe, hat eher im Blick, wie sich Japan international aufstellen muss, um erfolgreich zu sein." Viel Spielraum hat er jedoch nicht in der zunächst auf ein Jahr angesetzten Amtszeit.

Der frühere japanische Premierminister Shinzo nach seiner Stimmabgabe. | Bildquelle: AFP
galerie

Yoshihide Suga galt viele Jahre als seine rechte Hand: Der scheidende Premier Shinzo Abe nach seiner Stimmabgabe zur Wahl des Vorsitzenden der japanischen Liberaldemokraten.

Große Herausforderungen

Suga selbst klingt derweil eher nach einem Weiterso: "Ich werde die Abenomics fortsetzen und weiterentwickeln. Und ich möchte dasselbe Verhältnis zur japanischen Notenbank pflegen wie Premierminister Abe." Also weiterhin eine lockere Geldpolitik und noch mehr Schulden? Auf den künftigen Regierungschef, warten große Herausforderungen.

Dessen ist sich Suga bewusst: "Wir erleben durch das Coronavirus den größten wirtschaftlichen Niedergang der Nachkriegszeit. Das Erste, was wir tun müssen, ist, diese Krise zu bewältigen. Das ist sehr wichtig." Der Liberaldemokrat will dafür unbedingt den Tourismus wieder ankurbeln, der nahezu zum Stillstand gekommen ist.

Beziehung zu den USA als Basis

So wie Suga verlässlich fast jeden Tag Buchweizennudeln isst, so verlässlich will er an der bisherigen Außenpolitik festhalten: "Die Beziehung zu den USA ist die Basis unserer Diplomatie. Deshalb habe ich auch vergangenes Jahr die USA besucht und mich unter anderem mit Vizepräsident Pence getroffen. Diese Allianz ist auch der Ausgangspunkt, um mit unseren Nachbarländern Beziehungen aufzubauen", so Suga.

Zum Beispiel zu Nordkorea, um endlich zu klären, was aus den vor Jahrzehnten entführten Japanern geworden ist. Seinem Vorgänger Abe ist das nicht gelungen.

Der Schattenmann: Japans wahrscheinlicher neuer Regierungschef
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
14.09.2020 08:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 14. September 2020 um 10:13 Uhr.

Darstellung: