Eine Frau streckt sich auf einem Balkon des Kreuzfahrtschiffs "Diamond Princess". | Bildquelle: REUTERS

Coronavirus auf Kreuzfahrtschiff Aus der Kabine nur mit Maske

Stand: 11.02.2020 10:20 Uhr

Fiebermessen und nur alle zwei Tage Freigang an Deck: Wegen des Coronavirus sitzen seit einer Woche rund 2500 Passagiere auf der "Diamond Princess" fest. Ein Deutscher berichtet, wie er sich die Zeit vertreibt.

Von Kathrin Erdmann, ARD-Studio Tokio

Martin Lutterjohann freut sich sichtlich, einmal nicht nur mit seiner Frau über die Situation auf dem Kreuzfahrtschiff zu sprechen. Die sieht er schließlich seit einer Woche rund um die Uhr in der Kabine auf der "Diamond Princess". Die rund 2500 Passagiere auf dem vor Yokohama bei Tokio liegenden Kreuzfahrtschiff dürfen ihre Kabinen nicht selbstständig verlassen - aus Angst, sie könnten sich selbst oder andere mit dem Coronavirus anstecken.

"Jeder hat ein Fieberthermometer in die Kabine bekommen, wir müssen morgens messen und wenn die Temperatur über 37,5 Grad ist, müssen wir dies an eine bestimmte Telefonnummer melden", berichtet Lutterjohann.

Kein Tageslicht in der Innenkabine

Der Buchautor und Psychotherapeut ist bisher wie alle anderen deutschen Passagiere - insgesamt sind es zehn - noch symptomfrei. Er und seine Frau haben eine Innenkabine gebucht und damit weder Tageslicht noch frische Luft. Alle zwei Tage, so berichtet der 76-Jährige, dürfen die Passagiere deckweise etwa eine Stunde raus. "Wir konnten ja erst raus, nachdem wir alle Masken bekommen haben und die Regel war: Nur raus mit Maske." Zunächst auch nur mit Gummihandschuhen, was inzwischen aber wieder aufgehoben wurde. Dafür wurde der Mindestabstand zwischen den Passagieren auf zwei Meter erweitert.

Die Stimmung bei den kurzen Freigängen beschreibt Lutterjohann als gut: "Die Leute gehen spazieren, einige Raucher sitzen im Raucherwinkel, andere joggen ein bisschen."

alt MS Westerdam | Bildquelle: dpa

Thailand verweigert Kreuzfahrtschiff das Einlaufen

Das US-Kreuzfahrtschiff "Westerdam" findet auch in Thailand keinen Hafen. Das Gesundheitsministerium habe dem Schiff der Reederei Holland America das Anlegen in Laem Chabang verweigert, sagte der Leiter der Abteilung für Krankheitskontrolle, Suwanchai Wattanayingcharoenchai. Aus Sorge vor dem grassierenden Coronavirus hatten schon die Philippinen, Taiwan und Japan der "Westerdam" das Einlaufen verboten. Holland America versicherte dagegen, Krankheitsfälle an Bord seien nicht bekannt. Die "Westerdam" war Mitte Januar von Singapur aus in See gestochen. Die Reederei hat schon angekündigt, den Passagieren die Reisekosten zurückzuzahlen und wollte diese am Donnerstag in Laem Chabang von Bord gehen lassen, damit sie von Bangkok aus nach Hause fliegen könnten. Das Vorhaben sorgte für großes Aufsehen in Thailand, und Gesundheitsminister Anutin Charnvirakulhad ließ schon Stunden vor der offiziellen Entscheidung durchblicken, dass er das Schiff nicht einlaufen lassen werde. Suwanchai sagte, das Ministerium überlege, wie es mit der "Westerdam" weiter verfahren werde.

Gutschein für weitere Kreuzfahrt

Und das alles immer unter strenger Beobachtung der Crew: "Das Ganze hat schon so etwas wie ein Gefängnis, wenn auch ein sehr luxuriöses." Denn inzwischen könne man beim Essen wieder zwischen mehreren Gerichten wählen. Die Mahlzeiten werden jeweils vor die Kabinentür gestellt.

Aber nicht nur das: Die Crew kümmert sich nach seinen Angaben auch darum, den Gästen auf dem Kreuzfahrtschiff die Zeit zu vertreiben. "Es gab Sudoku und Origamipapier zum Falten auf die Kabine und dies und jenes Kreuzworträtsel." Zudem gebe es im Bordfernsehen das Radio Taiso - eine in Japan gebräuchliche Frühgymnastik, die sechs Minuten lang dauert. Wer will, könne zudem Tai-Chi oder Qigong in der Kabine machen.

Die Informationspolitik an Bord beschreibt Lutterjohann als gut. Ob das an dem großzügigen Angebot der Reederei liegt? Diese hat allen Passagieren bereits jetzt einen Gutschein für eine weitere Kreuzfahrt versprochen - dann hoffentlich ohne Coronavirus.

Eingesperrt auf dem Kreuzfahrtschiff: Ein Deutscher erzählt
Kathrin Erdmann, ARD Tokio
11.02.2020 08:47 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Februar 2020 um 10:50 Uhr.

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