Das Standbild aus einem Social-Media-Video zeigt einen angeschwollenen Fluss nach starken Regenfällen, Shizuoka,/Japan,  | FUSAPOOH via REUTERS

Tagelange Regenfälle in Japan Zahlreiche Vermisste nach Erdrutsch

Stand: 03.07.2021 16:37 Uhr

In Japan hat ein gewaltiger Erdrutsch mehrere Häuser unter sich begraben, mindestens zwei Menschen starben. Rettungskräfte suchen nach etwa 20 Vermissten in der Küstenstadt Atami. Tausende Haushalte sind ohne Strom.

Eine Schlammlawine infolge tagelanger heftiger Regenfälle hat in Japan mehrere Wohnhäuser mit sich gerissen. Etwa 20 Menschen gelten als vermisst, wie japanische Medien aus dem Küstenort Atami in der südwestlich von Tokio gelegenen Präfektur Shizuoka berichteten. Nach Angaben des Bürgermeisters von Atami, Sakae Saito, wurden mindestens zehn Wohnhäuser zerstört und bis zu 300 Gebäude beschädigt.

Zwei Frauen wurden für tot erklärt. Zuvor hatte es geheißen, zwei Opfer seien mit "Herz- und Atemstillstand" aufgefunden worden - eine in Japan übliche Formulierung, bevor der Tod von Menschen amtlich bestätigt wird.

Durch eine Schlammlawine beschädigte Häuser, Atami/Japan. | AP

Die Schlammlawine richtete heftige Schäden an. Bild: AP

"Ich hörte ein schreckliches Geräusch"

Auf Fernsehbildern war zu sehen, wie eine Lawine aus Schlamm und Geröll mehrere Häuser in Atami unter sich begrub. "Ich hörte ein schreckliches Geräusch und sah eine Schlammlawine, die sich nach unten bewegte, während die Rettungskräfte die Menschen zur Evakuierung aufforderten", sagte der Leiter eines Tempels dem öffentlich-rechtlichen Sender NHK.

Er habe sich in ein höher gelegenes Gelände gerettet. Als er zurückkam, seien Häuser und Autos, die vor dem Tempel standen, verschwunden gewesen.

Lawine mit 40 km/h Geschwindigkeit

Die Schlammlawine hatte eine Geschwindigkeit von geschätzt rund 40 Kilometern in der Stunde, erklärte Professor Motoyuki Ushiyama vom Zentrum für Forschung und Bildung zu Naturgefahren der Universität Shizuoka der Agentur Kyodo. Sie erstreckte sich über eine Länge von rund zwei Kilometern und rutschte bis nahe an die Küste.

Mehr als 2800 Haushalte in der Region sind ohne Strom. Die Behörden gaben die höchste Warnstufe aus und riefen rund 25.000 Haushalte auf, sich in Sicherheit zu bringen, auch an anderen Orten entlang der Pazifikküste. Zudem forderten sie die Hilfe des Militärs bei der Suche nach den Vermissten an.

Erschwerte Rettungsarbeiten

Wegen der widrigen Wetterbedingungen könnten jedoch derzeit keine Hubschrauber bei der Such- und Bergungsoperation eingesetzt werden, erklärte Ministerpräsident Yoshihide Suga. Er hatte zuvor in der Hauptstadt einen Krisenstab einberufen.

Ersthelfer bei einem durch starke Regenfälle verursachten Erdrutsch in Zushi, Japan. | AP

Tagelange Regenfälle haben zu dem Erdrutsch geführt. Bild: AP

Klimawandel als Verstärker

Während der Regenzeit in Japan kommt es häufig zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Experten gehen davon aus, dass der Klimawandel das Phänomen verstärkt, weil eine wärmere Atmosphäre mehr Wasser speichert, was wiederum zu intensiveren Regenfällen führt.

Der beliebte Ferienort Atami liegt rund 100 Kilometer südwestlich von Tokio. Wegen der heftigen Regenfälle musste der Zugverkehr in der Region teilweise eingestellt werden. Davon betroffen war auch der Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen, der zeitweise nicht auf der Strecke zwischen Tokio und Osaka verkehren konnte.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 03. Juli 2021 um 12:00 Uhr.